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Alles eine Frage der Qualität?

Wein, Rotwein, Glas, Qualität [Quelle: freeimages.com, Autor: theswedish]

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Wer zur Zeit ins Studium startet, hat es nicht leicht. Er muss sich nicht nur für ein Studienfach entscheiden, sondern auch die Frage nach dem passenden Abschluss beantworten. Und er soll beurteilen, welche Studien-angebote wie gut sind. Ganz schön viel verlangt. Akkreditierungen können dir bei der Entscheidung helfen. Doch Achtung: Auch anerkannte Studiengänge können bei der Akkreditierung noch durchfallen.

Es war schon immer wichtig, von welcher Uni jemand kommt. Ob man in Mannheim oder Hannover BWL studiert hat, macht einen Unterschied - für Studenten und Personalverantwortliche. Heute reicht es aber nicht mehr, zu wissen, an welcher Uni jemand studiert hat. Bei Bachelor- und Master-Studiengängen treten Inhalte, Kompetenzen und Qualifikationen in den Vordergrund. Und wichtiger denn je ist für Studenten, was sie mit einem bestimmten Abschluss erreichen können. 

Qualität des Studiums: Was darf's denn sein?

Akkreditierungsagenturen feilen an ihren Kriterien, Hochschulen versuchen sich über sie zu profilieren, und Studenten müssen darauf achten: Qualität. Sie ist das Lieblingsthema der Bildungsbeauftragten und Zeitungskommentatoren. Das Problem: Über Qualität reden reicht nicht. Doch die Vorstellungen davon, was genau Qualität bei den neuen Abschlüssen bedeutet, sind bei Studenten oft noch ziemlich schwammig. Die Kriterien sind für den Laien oft schwer vergleichbar. Das macht Entscheidungen nicht einfacher. Zunächst müssen deshalb gemeinsame Nenner her: Was heißt eigentlich Internationalität? Was genau steht hinter der Berufsbefähigung? Sind Fremdsprachen Pflicht?

Wer überprüft eigentlich die Qualität?

Früher war vielleicht nicht alles besser, einiges dafür einfacher: Es gab Studiengänge, und es gab Abschlüsse. Deren Inhalte wurden nicht ständig hinterfragt oder gar auf ihre Verwertbarkeit hin geprüft. Alle paar Jahre untersuchten Bildungsbeauftragte nur die Prüfungsordnungen und entwarfen ab und zu mal einen Musterstudiengang. Akkreditierungsstellen gab es in der Zeit von Diplom und Magister nicht. Das ist heute anders. Insgesamt sieben Akkreditierungsagenturen wie die FIBAA haben in Deutschland die Aufgabe, die staatlichen Vorgaben bei der Umsetzung der neuen Abschlüsse zu überprüfen. Ziel ist es, nach transparenten Kriterien Studiengänge zu schaffen, die den Stand der Wissenschaft und die Anforderungen des jeweiligen Berufsfelds repräsentieren. So viel zur Theorie.

Akkreditierung: teuer und langwierig

Doch der Stand der Umsetzung ist eher mau: "Derzeit sind nur rund 4.500 von 9.000 Bachelor- und Master-Studiengängen akkreditiert", so Detlev Kran, Bildungsberater und ehemaliger Leiter der FIBAA-Geschäftsstelle. "Rund 60 Prozent der Studiengänge schaffen die Akkreditierung im ersten Schritt nicht." Doch nicht jeder Studiengang, der nicht akkreditiert wurde, ist automatisch schlecht. Denn der Ansturm bei den Agenturen ist enorm. Die Verfahren dauern lange und sind kostspielig. Für einen Studiengang sind im Schnitt vier Gutachter nötig, die Kosten liegen zwischen 12.000 und 15.000 Euro. Und es kommt so gut wie gar nicht vor, dass Studiengänge komplett abgelehnt werden. Sie werden mit Auflagen akkreditiert und müssen innerhalb eines Jahres nachweisen, dass die Auflagen eingearbeitet wurden.

Früher oder später kommt die Akkreditierung

Irgendwann erhalten also die meisten Studiengänge das Siegel der Akkreditierungsagenturen. Die Akkreditierung ist eine Frage von Zeit und Geld für Hochschulen. Die meisten Mängel gibt es in bei der Definition von Qualifikationszielen und -kompetenzen und den Modulbeschreibungen. Studiengänge, die die Anforderungen des nationalen Qualifikationsrahmens nicht erfüllen, bekommen keine Akkreditierung. Auch wenn zum Beispiel die Angaben zum Arbeitslast der Studenten ("Workload") im Lehrplan und in der Studienordnung verschieden sind, wird der Studiengang nicht akkreditiert.

Probe aufs Exempel: Re-Akkreditierung

Nach fünf Jahren muss jeder Studiengang zur Re-Akkreditierung: "Das wird die Nagelprobe werden. Viele Hochschulen denken, dass sie mit den Unterlagen von vor fünf Jahren noch einmal antreten können. Aber das geht meistens schief", weiß Kran. Die Programme müssen sich an die neuen Vorgaben anpassen. So gab es vor einigen Jahren zum Beispiel noch keine verbindlichen Regelungen zum Nachteilsausgleich von Behinderten. Die müssen jetzt in der Studienordnung explizit genannt werden, sonst scheitert der Studiengang an der Akkreditierungshürde.

Akkreditierung: Welche Kriterien gelten?

  • Qualifikationen und Kompetenzen: Was sollen die Studenten am Ende des Studiums können?
  • Qualität und Internationalität des Lehrplans: Studieninhalte, Studienverlauf und Studienorganisation. Welche Berufsbefähigung erhalten Absolventen? Wie werden sie auf diese Berufe vorbereitet?
  • Abschätzung der Entwicklung in möglichen Berufsfeldern: Werden Studenten auf künftige Anforderungen vorbereitet?
  • Personal-Kapazitäten der beteiligten Hochschulen
  • Räumliche und sachliche Ausstattung des Studiengangs
  • Bei Master-Studiengängen: Welcher erste berufsqualifizierende Abschluss ist nötig? Und welche weiteren Zulassungsvoraussetzungen gibt es?
  • Gibt es Übergangsmöglichkeiten zwischen Diplom- und Magister-Studiengängen und gestuften Studiengängen?

Internationale Akkreditierungen für MBAs

Nicht nur deutsche Studiengänge müssen zum Test antreten. "Internationale Akkreditierungsagenturen wie EQUIS akkreditieren ganze Institutionen, keine einzelnen Studiengänge", erklärt Kran. Wichtig ist das vor allem für MBA-Studiengänge. So kann zum Beispiel die Mannheim Business School als einzige deutsche Hochschule mit drei internationalen Akkreditierungen von AMBA, EQUIS und AACSB punkten.

Anerkennung und Akkreditierung

Obwohl viele dieser Meinung sind: Ein "anerkannter" Studiengang ist nicht dasselbe wie ein "akkreditierter". Jeder Studiengang an einer staatlich anerkannten Hochschule ist anerkannt. Zusätzlich kann er von einer Agentur wie AMBA oder FIBAA akkreditiert werden. Das bedeutet, dass er gewisse Mindestvoraussetzungen erfüllt. Bei der Wahl des Master-Programms ist für dich zunächst die staatliche Anerkennung am wichtigsten, dann hast du später beim Berufseinstieg keine Probleme. Bei (noch) nicht akkreditierten Studiengängen ist laut Kran allerdings Vorsicht geboten: "Blöd wäre es, wenn der Studiengang durchfällt oder mit Auflagen akkreditiert wird. Dann hat die Hochschule noch ein Jahr Zeit, die Mängel zu beseitigen, sonst muss sie den Studiengang dichtmachen."

Hilfen bei der Informations-Suche

Was heißt das nun für Abiturienten, Studienanfänger und Bachelors? Sie werden sich stärker als bisher über Studienmöglichkeiten und -angebote informieren müssen. Informationsangebote gibt es mittlerweile viele. Studiengang-Porträts und Veranstaltungen wie Startschuss Abi können hilfreiche Wegweiser sein. Auch die Internetseiten von Hochschulen liefern Entscheidungshilfen. Dort sind Inhalte einzelner Studiengänge näher erläutert, Lehrstühle können Kontakte zu Studierenden oder Absolventen vermitteln, so es sie schon gibt. Und was bedeutet das neue Qualitätsbewusstsein für die Hochschulen? Sie werden nicht mehr nur über ihren Standort und ihre Tradition gemessen werden. Und sie werden verstärkt in Marketing investieren müssen, denn es genügt nicht mehr, bestimmte Qualitäten zu haben: Sie müssen auch sichtbar werden.

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Heute Bachelor-Student – und morgen? Wie es nach dem Abschluss weitergeht, findest du beim Master Day Business & Economics heraus.

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