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Die Qual der Wahl in der Studienfinanzierung

Bezahlen Kleingeld Geldwert Münzstapel [Quelle: Pixabay, marc87]

© marc87 - Pixabay.com

Angebote zur Studienfinanzierung gibt es viele. Doch die wenigsten sind allen zugänglich. Neben Studienfonds sind vor allem staatliche Kredite gefragt.

Nicht immer reicht das Familieneinkommen, um das Studium des Nachwuchses zu finanzieren. Reicht das Bafög auch nicht, müssen externe Quellen angezapft werden. Die Banken haben sich aus diesem Geschäft weitgehend zurückgezogen. Dennoch gibt es ein vielfältiges Angebot von Studienkrediten und Bildungsfonds. Allein 39 listet das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) in seiner alljährlichen Studie auf, die 2015 mehr als 50.000 Darlehen vergeben haben.

Größter Kreditgeber ist demnach der Staat. Fast 95 Prozent der Verträge entfielen auf den Studienkredit der Staatsbank KfW und den Bildungskredit des Bundesverwaltungsamts (BVA). Besonders gefragt ist das KfW-Angebot, auch wenn es mit einer Verzinsung von aktuell 4,71 Prozent schon zu den teureren Angeboten zählt. Dafür bietet die KfW nach Auslaufen der Förderung eine tilgungsfreie Zeit von bis zu 23 Monaten. Zudem kann die Tilgung über 25 Jahre mit einer Mindestrate von nur 20 Euro erfolgen. Maximal gibt es aber nur 650 Euro pro Monat.

Ein weiterer Vorteil des KfW-Kredits ist, dass diesen grundsätzlich alle Studenten beantragen können. Das Gros der Angebote ist in irgendeiner Weise begrenzt. So gibt es eine Reihe regionaler Angebote, vor allem von Studentenwerken. Andere Programme sind hochschul- oder studiengangspezifisch, wie etwa der MBA-Bildungsfonds des Anbieters Brain Capital oder der Studienkredit der Apotheker- und Ärztebank.

Neben dem KfW-Kredit nur drei weitere Programme für alle Studenten

Vor allem aber ist die Mehrzahl der Programme für Examenskandidaten gedacht. Dazu gehört auch der mit einem Zinssatz von aktuell 0,87 Prozent sehr günstige Bildungskredit des BVA. Einige Studentenwerke bieten zinslose Abschlussdarlehen wie auch private Stiftungen. Dazu gehört etwa die E. W. Kuhlmann-Stiftung, die gleich zwei Programme im Angebot hat.

Neben dem KfW-Kredit stehen allen Studenten einschließlich Studienanfängern letztlich nur noch drei weitere Programme offen. Dies ist zum einen der Studenten-Bildungsfonds der Deutschen Kreditbank (DKB). Laut CHE ist dies allerdings kein Fonds im engeren Sinn. Auch die DKB selbst spricht von einem Studienkredit, der aktuell mit 6,49 Prozent verzinst wird. Zum anderen gibt es die Bildungsfonds der Anbieter Career Concept und Deutsche Bildung. Das Konzept der Bildungsfonds ist es, das Geld von Anlegern in die Förderung von Studenten zu investieren. Neben den Geldleistungen sind einige Anbieter auch bestrebt, den Studenten Unterstützung bei Studium und Berufsplanung angedeihen zu lassen.

"Wissen Plus" nennt sich dieses Programm etwa beim Anbieter "Deutsche Bildung", das viele Veranstaltungen zum Bewerbungstraining und zur Prüfungsvorbereitung enthält, aber auch Stressmanagement-Seminare. Das Angebot dieser Zusatzleistungen ist auch im Interesse der Fondsbetreiber. Zügig studierende und in Bewerbungsverfahren trainierte Klienten kommen schneller und reibungsloser zu einem gutbezahlten Arbeitsplatz, was wieder den Investoren zugutekommt.

Denn die Tilgung dieser Darlehen erfolgt einkommensabhängig. Bei der Deutschen Bildung sind über drei bis zehn Jahre drei bis zehn Prozent des Bruttoeinkommens zurückzuzahlen, beim Bildungsfonds des Anbieters Career Concept vier bis zehn Prozent über vier bis acht Jahre. Die Höhe hängt vom Umfang der Förderung und vom Studienfach ab. Daher lässt sich über die Kosten der Kredite auch keine allgemeingültige Aussage treffen. Die Anbieter haben in der Regel die Höchstverzinsung gedeckelt. Beim Festo Bildungsfonds für technische und naturwissenschaftliche Studiengänge etwa beträgt die maximale Effektivverzinsung des Darlehens 12 Prozent, bei den anderen Fonds gibt es ähnliche Obergrenzen.

Rund die Hälfte der Anfragen werden von Studenten selbst abgebrochen

Mehr als 1400 Verträge wurden 2015 mit Bildungsfonds geschlossen, mehr als 40 Prozent entfielen dabei auf die Deutsche Bildung, die damit der viertgrößte Anbieter von Studienfinanzierungen ist. Auch derzeit ist der Eingang an Online-Anfragen extrem hoch. "Der September ist für uns der heißeste Monat", sagt Vorstand Ulf Becker. "Wir bekommen aktuell täglich rund 50 Finanzierungsanfragen." Rund die Hälfte der Anfragen werden aber meist von den Antragstellern abgebrochen.

Der studentische Planungshorizont sei kurz, hieß es, Rahmenbedingungen wie Miete oder Wohnort änderten sich rasch. Bewerber, die das Antragsverfahren durchziehen, erhalten in den meisten Fällen innerhalb von zwei bis drei Wochen ein Angebot. Die Beratungsintensität ist dabei hoch. Insgesamt wird nur aus rund jeder dreizehnten Anfrage auch eine Förderung. "Aber das ist okay", sagt Becker. Die Förderungsempfänger kommen meist aus "finanzfernen" Haushalten, sagt Becker. "Oft sind es die ersten Studierenden in ihren Familien, überproportional häufig handelt es sich um Migranten."

Die Vielfalt der Studienfinanzierungsangebote ist groß. Während die Angebote der Bildungsfonds noch überschaubar sind, gibt es bei den Kredit-Angeboten neben KfW und BVA viele auf höchst verschiedene und auf unterschiedliche Weise beschränkte Programme. So müssen etwa Antragsteller für ein Daka-Darlehen der Studierendenwerke NRW bei der Sicherung ihres Lebensunterhaltes auf eine Finanzhilfe angewiesen sein.

Neben den Zinskonditionen unterscheiden sich auch die Förderhöchstgrenzen. So sind vom Bundesverwaltungsamt als Bildungskredit höchstens 7200 Euro zu erhalten, von der KfW bis zu 54600 Euro. Das Gros der Angebote ist aber von der Bafög-Förderung unabhängig. Die Darlehensfinanzierung sei immer nur ein ergänzendes Mittel, schreibt das CHE. Erst sollten alle Möglichkeiten ohne oder mit geringer Rückzahlungsverpflichtung ausgeschöpft sein. Ein studienfachnaher Nebenjob könne auch ein Plus für den Berufseinstieg sein und damit sinnvoller als ein Kredit.

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