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Eine Meinung muss es sein

Auswahlgespräch unter vier Augen [Quelle: freeimages.com, Autor: porah]

Quelle: freeimages.com, porah

Ein super Referat hinlegen, im Vier-Augen-Gespräch brillieren und am Ende einer von den 'Auserwählten' sein. So - erhoffen sich viele - sollte der Auswahltag bei der Studienstiftung laufen. e-fellow Sebastian war da. Er erzählt, wie es läuft und gibt Tipps, wie du dich verhalten kannst. Zum Beispiel: Fest zu einer Meinung stehen ist Voraussetzung, dass es auch die eigene sein muss, nicht.

Der Auswahltag der Studienstiftung dauerte von Freitag 18 Uhr bis Sonntag 15 Uhr. Die Bewerber wurden zunächst nach dem Zufallsprinzip in Sechsergruppen eingeteilt. Jeder Bewerber musste im Vorfeld ein zehnminütiges Referat vorbereiten, das er seiner Gruppe und einem Juror vorträgt. Beamer und andere Hilfsmittel sind normalerweise nicht vorhanden. Ein kleiner Tipp: Trage das Referat ohne Spickzettel vor und wähle ein Thema, zu dem viele etwas sagen können. Anschließend wird über das Thema noch etwa 20 Minuten diskutiert. Der Referent übernimmt dabei die Diskussionsleitung. Hier solltest du darauf achten, dass die Gruppenmitglieder auch wirklich auf die gestellten Fragen antworten und die Diskussion nicht abdriftet.

Eine feste Meinung ist Voraussetzung

In diesen Gesprächen wird allerdings nicht nur der Diskussionsleiter vom Juror bewertet, sondern auch die anderen Gruppenmitglieder. Daher solltest du dich aktiv an den Diskussionen beteiligen, eine feste Meinung haben und diese auch vertreten. Auf keinen Fall solltest du aber versuchen, dich in den Vordergrund zu drängen und die Argumente der anderen von vornherein als Unsinn abzustempeln. Auch wird es nicht gern gesehen, wenn man versucht, andere bloßzustellen, um selbst besser dazustehen.

Einfach mal die Fronten wechseln

Was du dagegen durchaus machen darfst: Du musst nicht zwangsläufig deine persönliche Meinung vertreten, sondern kannst eine Meinung auch "vorgeben". Das bietet sich vor allem dann an, wenn die Diskussion langweilig ist, weil jeder die gleiche Argumente vertritt. Dann wird es von den Juroren gern gesehen, wenn ein Teilnehmer versucht, gegen die anderen zu argumentieren. Du solltest jedoch deine Meinung während der Diskussion nicht wieder ändern.

Ich hatte im Vorfeld große Bedenken, da ich vorher selbst nie an solchen Diskussionen teilgenommen, geschweige denn sie geleitet habe. Aber erstaunlicherweise, und das bestätigten mir auch alle anderen Bewerber, ist diese Angst unbegründet, da man recht schnell gut mit der Situation zurechtkommt.

Unter vier Augen

Außerdem führt jeder Bewerber noch zwei Einzelgespräche mit jeweils einem Juror. Die Juroren haben mir keine Fachfragen zu meinem Studienfach gestellt. Gut auskennen solltest du dich allerdings mit aktuellen Themen, da durchaus die ein oder andere Stellungnahme erwartet wird - zum Beispiel zu G8 vs. G9 oder Atomkraft. Hauptsächlich wirst du aber zu deinem eigenen Lebenslauf, deinem Studium und deinen Zukunftsplänen befragt.

Richtig und falsch gibt es nicht

Allerdings gibt es bei diesen Gesprächen kein richtig oder falsch. Die Juroren geben einem ein gutes Gefühl. Im Nachhinein haben wir aber erfahren, dass jeder Juror nur etwa ein Viertel der Personen, mit denen er ein Gespräch führte, für ein Stipendium vorgeschlagen hat. Um das Stipendium zu bekommen, braucht man von allen drei Juroren, die einen im Referat und in den Gespräch beurteilen, ein "OK". Das erklärt auch folgende Zahlen: An meinem Auswahlverfahren (eines der letzten in der Auswahlrunde 2010/2011) haben 40 Bewerber teilgenommen - nur sechs wurden aufgenommen.

Untergebracht waren wir in einem Zwei-Sterne-Hotel, das jedoch sehr gepflegt war und in dem man sich wohlfühlen konnte. Für Verpflegung und Unterkunft muss man eine Eigenbeteiligung von 30 Euro aufbringen. Positiv war, dass man einen Seminarort in der Nähe zugeteilt bekommt. Bei mir betrug die Fahrtzeit etwa eine Stunde. Außerdem lernt man viele interessante Menschen kennen, die ebenfalls alle aus der Umgebung kommen.

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Kommentare (7)

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  1. Anonym

    Ergänzend - Location und Tipp

    Mein Auswahlverfahren war übrigens am südlichsten Ende Baden-Württembergs und ich studiere in Düsseldorf. Also sich ganz drauf verlassen, dass es um die Ecke ist kann man nicht immer. Tipp: Verstellt euch wirklich nicht. Seid ihr selbst. Es klingt, wie der Allerweltstipp und es sagt jeder. Aber ihr wollt für eure Persönlichkeit ein Stipendium bekommen und die Juroren werden von der Stiftung gut ausgebildet und merken es, wenn ihr euch verstellt. Wenn ihr vorgeschlagen wurdet hat das auch einen Grund. Sagt also eure Meinung, erzählt von Euch, öffnet euch und seht das ganze nicht als Bewerbungsgespräch, sondern als Möglichkeit für die Studienstiftung euch kennen zu lernen. Die Stiftung möchte Stipendiaten finden, aber nur welche, die ihr wahres Gesicht zeigen. Darüber hinaus ist es sehr hilfreich, wenn Ihr Euch auch Gedanken darüber macht, was das Leitbild der Studienstiftung ist (Leistung, Initiative, Verantwortung), warum ihr in die Stiftung wollt und welchen Mehrwert die Stiftung von Euch hat. Danach werdet ihr nicht unbedingt gefragt, aber versucht es mit einzubringen. Grüße Krystian

  2. Anonym

    Quote und Kriterien

    Liebe Judith, lieber Sebastian: Meinen Kommentar zur Quote (der erste) habe ich nur geschrieben, weil der Titel eine solche suggeriert hat und diese Suggestion im Text nicht wirklich entkräftigt wird. Dass es keine Quote gibt, muss man wissen, um den Artikel zu verstehen - finde ich zumindest. Zu den Kriterien kann ich aber auch noch etwas beisteuern: Die Juroren bekommen mittlerweile (das war nicht immer so!) Schulungen. Gerade wichtig ist, dass eben nicht - wie von vielen behauptet - die Sympathie eine große Rolle spielt. Den schmalen Grat zu beschreiten zwischen reinem Fakten abfragen, was keiner will, und Meinungen bewerten, was erst recht keiner will, ist aber sicher nicht ganz einfach und vielleicht sorgt gerade das bei vielen für den durchaus verständlichen Unmut, wenn sie nicht aufgenommen wurden. Ich persönlich hatte in meinem ersten Gespräch das Gefühl, der Juror wollte mich auf meine Denkweise hin testen. Er hat mir Rätsel und Knobelaufgaben gestellt und danach haben wir noch eine Weile nett über meine Hobbys geplaudert, wobei er durchaus kritische Fragen gestellt hat. "Warum macht es dir Spaß, andere Leute durch die Gegend zu werfen?" (Ich bin Judoka). In meinem zweiten Gespräch hatte ich eher das Gefühl, auf meine Weltoffenheit und meine Aufmerksamkeit für das Weltgeschehen getestet zu werden. Ich wurde einige Dinge zu meinen weltpolitischen Ansichten gefragt. Bei meinem persönlichen Hintergrund (Mutter aus Korea) spielte da natürlich der Konflikt zwischen Nord- und Südkorea eine Rolle. Das war teils eine Sache von "Was wissen Sie darüber?" und teils eher von "Was denken Sie darüber?" und sogar von "Wie sehen Sie die Zukunft?" Beide Gespräche habe ich als sehr angenehm empfunden und ich denke durchaus, dass man durch solche Fragen tendenziell objektiv ein Werturteil fällen kann, dessen Nadel mal in Richtung Aufnahme und mal in Richtung Ablehnung fällt.

  3. Anonym

    Antworten

    Hi, ich will mal zu den zwei aufgekommenen Fragen eine Antwort bringen: 1. Eine Quote gibt es soweit ich weiß natürlich nicht... allerdings hängt es - und diese Info hab ich von einem Juror selbst - stark von den individuellen Juroren ab... Manche sind anspruchsvoller als andere. ...Zumal mir die Auswahlkriterien beim persönlichen Gespräch eher schleierhaft sind. Denn hier wurde (zumindest bei mir und allen mit denne ich gesprochen habe) überhaupt kein Wissen abgefragt, sondern nur über meine Lebensziele und Einstellungen zu bestimmten politischen und weltlichen Themen besprochen. (Und zumindest das sollte - sofern man überhaupt eine Einstellung/Position hat - bei der Bewertung eigentlich gar keine Rolle spielen -> Meinungsfreiheit) 2. Dass die Juroren es gerne sehen, wenn in der Diskussion verschiedene Standpunkte vertreten werden haben Sie am ersten Abend in der Einführungsveranstaltung mehrfach betont.

  4. Anonym

    Diskussion kann auch anders ablaufen

    Hallo, nur um den Bericht zu ergänzen: In meiner Gruppe ist die Diskussion anders abgelaufen und trotzdem wurden alle aus der Gruppe (!) aufgenommen. Ich kann mir auch ehrlich gesagt schwer vorstellen, dass es gut ankommt, wenn man fest an seiner Sichtweise festhält, egal was die Diskussion bringt. Bei uns haben alle mit einer "Meinung", bzw. mit verschiedenen Ideen angefangen und im Laufe der Diskussion haben wir - gemeinsam - manche Sichtweisen entkräften und verwerfen können und mögliche Lösungsansätze besprochen. Das war teilweise so interessant, dass wir nach der offiziellen Diskussion direkt weitergemacht haben. Also bei uns war das mehr eine Art Brainstorming... hat unserer Jurorin wohl ganz gut gefallen.

  5. Andi

    "von den Juroren gern gesehen ..."

    Sebastian schreibt, es wäre in manchen Fällen "von den Juroren gern gesehen, wenn ein Teilnehmer versucht, gegen die anderen zu argumentieren. Du solltest jedoch deine Meinung während der Diskussion nicht wieder ändern." Woher nimmt Sebastian diese Information? Ist dies eine interne Richtlinie der Studienstiftung des deutschen Volkes? Ist es nicht jedem Juror selbst überlassen, die Teilnehmer nach seinem eigenen ermessen zu bewerten?

  6. Anonym

    Hallo, danke für deinen Kommentar. In diesem Erfahrungsbericht spricht Sebastian ja von seinen persönlichen Erfahrungen bei diesem einen Auswahltag und nicht von einer allgemeinen Quote. Deshalb danke für deinen hilfreichen Kommentar, umso mehr Erfahrungswerte desto besser! Viele Grüße Judith

  7. Anonym

    Miese Quote

    Man sollte sich von der ziemlich miesen Quote nicht abschrecken lassen. Eine solche Quote gibt es meines Wissens nicht. Auf meinem Auswahlseminar hat der Leiter explizit gesagt, dass es Seminare geben kann, auf denen alle genommen werden - oder keiner. Man sei nicht von einer Quote abhängig, sondern würde die Bewerber individuell und unabhängig von den Mitbewerbern bewerten. Das trage auch dazu bei, dass das Wochenende nicht zum Wettkampf zwischen den Teilnehmern ausarte, sondern sich als ein angenehmes Miteinander gestalte. Und genau so habe ich es wahrgenommen. Auf meinem Seminar wurden von 35 Teilnehmern übrigens mindestens 10 aufgenommen - und das sind nur die, von denen ich weiß.

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