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Nicht nur für die Elite

Geldscheine [Quelle: freeimages, Autor: iprole]

Quelle: freeimages, iprole

Das Deutschlandstipendium hatte einen schlechten Start. Viel weniger Studenten als gedacht bekommen es. Aber es lohnt sich.

Jeden Monat braucht ein Student im Schnitt 757 Euro. Für Miete und Mensa, Klamotten und Bücher, Versicherungen, Handyvertrag und ein Bierchen in Ehren. Das hat das Deutsche Studentenwerk in seiner Sozialerhebung errechnet. Fast die Hälfte des Monatsbudgets könnte sich sichern, wer ein Deutschlandstipendium an Land zieht: Seit zwei Jahren verschenken Bund und private Geldgeber monatlich 300 Euro an Studenten, die durch gute Noten und große Pläne überzeugen, die sozial engagiert oder benachteiligt, familiär eingebunden oder besonders motiviert sind. Wie viel die Eltern verdienen und ob die Studenten Bafög bekommen, ist dabei egal. In jedem Fall aber sollten sie "hervorragende Leistungen im Studium oder Beruf erwarten lassen oder bereits erbracht haben" – so steht es auf der Internetseite dieses Stipendiums.

Das klingt einschüchternd, sollte aber niemanden abschrecken. Fast 14.000 Studenten haben im vergangenen Jahr ein Deutschlandstipendium bekommen. Knapp die Hälfte davon sind Frauen, etwa ein Viertel sind Studenten, die zusätzlich Bafög beziehen. Dass es sich beim Deutschlandstipendium um reine Elite-Förderung handele, für Studenten also, die das Geld aufgrund ihrer Herkunft nicht nötig hätten, stimmt also nicht.

Kritik hagelt es dagegen wegen der Fächerverteilung – zum Beispiel vonseiten des Deutschen Gewerkschaftsbundes. 50 Prozent der Stipendiaten kommen aus den Bereichen Mathematik, Naturwissenschaften und Ingenieurwesen, nur elf Prozent aus den Sprach- und Kulturwissenschaften. Die bislang 2000 privaten Mittelgeber sind meist Firmen, denen es an Fachkräften in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen fehlt, etwa BASF, die Deutsche Bahn und die Bayer AG, aber auch mittelständische Betriebe, die bislang keine enge Beziehung zu Unis pflegten und jetzt Nachwuchsprobleme haben.

Als Gegenleistung für die 150 Euro, die sie der Hochschule monatlich für einen Stipendiaten stiften, möchten viele Unternehmen Mitspracherechte bei der Auswahl der Bewerber. Gesetzlich vorgeschrieben ist bislang nur, dass ein Drittel der Gelder ohne Zweckbindung vergeben wird. Der Rest kann so an die Fakultäten verteilt werden, wie es vom Auswahlgremium (zu dem auch jemand aus dem Unternehmen zählt) gewünscht wird. 2012 waren deshalb fünf Millionen der insgesamt 13 Millionen gestifteten Euro an bestimmte Fachrichtungen gebunden. Verpflichtet ist man seinen Förderern als Stipendiat nicht. Einige Firmen haben zwar Mentorenprogramme, um ihre Stipendiaten durch persönliche Gespräche zu unterstützen. Außerdem bieten viele von ihnen Praktika, Summer Schools oder Netzwerktreffen an. Mitmachen muss man nicht, aber die meisten Stipendiaten tun es, weil in der Regel auch sie an Kontakten und Tipps interessiert sind.

Wirklich gut läuft das Deutschlandstipendium aber noch nicht. Zumindest nicht so gut, wie es die damalige Bildungsministerin Annette Schavan 2011 versprochen hat. Mittelfristig wolle man acht Prozent aller Studierenden mit dem Programm fördern, sagte Schavan damals. Zwei Jahre später sind es gerade mal 0,6 Prozent. Von einer neuen Stipendienkultur in Deutschland, dem Ziel des Programms, kann also noch lange keine Rede sein. Die Opposition bemängelt außerdem, dass von der Regierung zwar ein riesiger Etat für das Projekt veranschlagt wurde, aber fast die Hälfte der knapp 37 Millionen Euro verfallen mussten – weil von den Unis noch zu wenig Stipendien eingeworben wurden.

Nur drei Viertel der deutschen Hochschulen machen überhaupt mit – obwohl der Staat ihnen eine zusätzliche Pauschale zahlt, um ihre Fundraising-Abteilung auszubauen und den Verwaltungsaufwand, den das Deutschlandstipendium verursacht, zu bewältigen. Die meisten Deutschlandstipendien wurden in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg vergeben. Hamburg ist bislang gar nicht dabei.

Bewerben kann man sich für das Deutschlandstipendium direkt an seiner Fakultät, über ein Internetformular. Ob und wie viele Stipendien vergeben werden, wird jeweils zum Sommersemester (in Ausnahmefällen auch zum Wintersemester) bekannt gegeben. Bewerbungsschluss ist der letzte Tag der vorlesungsfreien Zeit des Wintersemesters. Lebenslauf, Motivationsschreiben, Leistungsnachweise und Referenzen, die sich auf außerfachliches Engagement beziehen, sollten grundsätzlich beigefügt werden. Das genaue Prozedere bestimmt dann jede Hochschule selbst. Bewilligt wird das Stipendium zunächst für ein Jahr. Danach überprüft die Fakultät anhand von Leistungsnachweisen, ob das Stipendium weiter gezahlt wird.

© ZEIT ONLINE (Zur Original-Version des Artikels)

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Kommentare (4)

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  1. Julia Schmidpeter

    Hallo. Vielen Dank für deinen Beitrag. Ich finde es sehr interessant, welche Einblicke du uns in den Vergabeprozess des Stipendiums an deiner Uni gibst und kann deine Kritik in Teilen nachvollziehen. Anders als du finde ich aber nicht, dass die Autorin des Artikels keine Ahnung hat oder der Artikel einseitig geschrieben ist. Zum Beispiel greift sie auch die von dir genannte ungleiche Verteilung zwischen den Fächern auf. Viele Grüße, Julia

  2. Anonym

    Wirklichkeitsfremd

    Dieser Artikel ist ja wirklich ein Witz! Mir ist nicht bekannt, wie es an anderen Universitäten zugeht, aber an der FAU Erlangen-Nürnberg gibt es ein Gerangel ohne Ende um das Deutschlandstipendium! Im Artikel hört es sich so an, als ob man es aufgrund geringen Bewerberzahlen nachgeworfen bekommen würde! An der FAU sind die Bewerbungen so zahlreich, dass man überhaupt nicht mehr auf die individuellen Engagements der jeweiligen Bewerber eingeht/eingehen kann und beispielsweise die Durchschnittsnote um 0,1 verbessert, wenn ein soziales Engagement vorliegt. Egal ob man sich mehrfach engagiert - die Verbesserung der Durchschnittsnote wird nur einmal um 0,1 erniedrigt. Ich engagiere mich neben dem Studium in 2 Kirchengemeinden, einem Verein und an der Uni. Das findet bei der Bewerbung überhaupt keine Berücksichtigung. Ebenso fallen jegliche Referenzen bei der Bewerbung unter den Tisch. So viele Referenzen könnten die Auswahlgremien gar nicht lesen! Das komplette Deutschlandstipendium ist in meinen Augen eine absolute Fehlkonstruktion! Von der Förderung bis zur Vergabe! Ist doch klar, dass die Förderer sich gezielt Studenten aus Studiengängen aussuchen, die sie fördern wollen. Ich bin Student aus dem naturwissenschaftlichen Bereich (Lebensmittelchemie) - selbst hier bekommt man nur schlecht ein Stipendium, wenn man kein "großes/übergeordnetes" Fach wie Chemie studiert. Besonders eifrig wird im Bereich der Wirtschaftswissenschaften gefördert, weil man hier eben viele Geldgeber hat. Viel sinnvoller wäre es, wenn man alle Förderer in einen "Topf" zahlen lassen und sagen würde, man fördere damit talentierte Studenten! Die Förderung der einzelnen Fachrichtungen sollte sich nach deren Studentenzahl richten. Das wäre meiner Meinung nach viel sinnvoller und auch gerechter. Denn wie soll denn beispielsweise ein Geschichtsstudent gefördert werden, wenn er auf 1,0 steht? Bei dieser Organisation des Deutschlandstipendiums geht das nicht, weil nun mal keine Firma das Interesse hat, einen Geschichtsstudenten zu fördern! Der Autor dieses Artikels scheint jedenfalls keine Ahnung zu haben, wie die Vergabe des Stipendiums denn tatsächlich an den verschiedenen Universitäten aussieht! Ich kann nicht beurteilen, wie es an anderen Hochschulen damit aussieht, aber ich kann mir kaum vorstellen, dass es woanders viel besser ist/gerechter zugeht... So wie das hier beschrieben steht, kann man das jedenfalls nicht stehen lassen, denn das ist wirklichkeitsfremd!

  3. Anonym

    Hallo, danke für deinen Tipp! Viele Grüße Judith

  4. Anonym

    Fristen

    Also an der TU Darmstadt konnte man sich vom 02.09. bis 22.09. bewerben.

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