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Begabtenförderung für Muslime

Avicenna-Studienwerk (Quelle: fotolia, Autor: Saida Shigapova)

© Saida Shigapova - Fotolia.com

Für katholische, evangelische und jüdische Studenten gab es schon seit längerem konfessionelle Begabtenförderungswerke – und nun auch für Muslime: Ab Oktober 2014 wird das Avicenna-Studienwerk 50 Muslime mit einem staatlichen Stipendium unterstützen. Die Idee für das neue Begabtenförderwerk kam von zwei Studenten. Im Interview erklärt Beschir Hussain, e-fellow und einer der beiden Initiatoren, wie es zur Gründung kam.

Warum braucht Deutschland ein muslimisches Begabtenförderungswerk?

In Deutschland leben ungefähr vier Millionen Muslime. Der Anteil an der Bevölkerung liegt bei rund fünf Prozent. An den Hochschulen gehören aber nur drei Prozent der Studenten dem Islam an, sie sind also deutlich unterrepräsentiert. Auch in den schon existierenden Studienwerken findet man auffallend wenige muslimische Stipendiaten. Der Grund dafür: Viele muslimische Studenten kommen aus bildungsfernen Schichten und wissen gar nicht, dass es solche Förderprogramme gibt. An sie wenden wir uns gezielt.

Was hat dich persönlich dazu motiviert, dich für die Gründung eines muslimischen Studienwerks einzusetzen?

Ich bin in Berlin aufgewachsen und dort auf ein Gymnasium gegangen, in dem die Klassen nach ethnischer Herkunft getrennt wurden. Ich war in einer Klasse für Schüler mit einem Migrationshintergrund und hatte immer das Gefühl, dass man uns weniger zutraute als den anderen. Deshalb habe ich mir vorgenommen, die Schule als Jahrgangsbester abzuschließen, und habe dieses Ziel auch erreicht.

Im Studium erfuhr ich dann, dass es Begabtenförderungswerke gibt. Erst dann habe ich realisiert, dass meine Schule mich nicht für eine Förderung vorgeschlagen hat, obwohl sie die Möglichkeit dazu gehabt hätte. Später habe ich als Stipendiat der deutschen Studienstiftung und der Stiftung der deutschen Wirtschaft erfahren, wie hilfreich und sinnvoll Studienförderung ist. Also habe ich beschlossen, mich für die Gründung eines muslimischen Begabtenförderungswerks einzusetzen.

Wie bist du dabei vorgegangen?

Zunächst habe ich mich informiert, welche Voraussetzungen es für die Gründung eines Begabtenförderungswerkes gibt, und anschließend an einem Gründungskonzept gearbeitet. Kurz darauf habe ich durch die Studienstiftung Matthias Meyer kennengelernt, meinen Mitgründer. Er hatte sich ebenfalls schon mit der Idee einer muslimischen Begabtenförderung beschäftigt. Wir haben uns zusammengetan und unsere Ansätze gemeinsam weiterentwickelt.

Als wir einen ersten Entwurf fertig hatten, schickten wir ihn an Professor Bülent Ucar, den Direktor des Instituts für Islamische Theologie an der Universität Osnabrück. Zusammen haben wir eine Arbeitsgruppe gegründet, in der wir den Aufbau des Begabtenförderungswerks weiter vorangetrieben haben. Mit der Zeit kamen weitere Unterstützer aus Politik und Wissenschaft dazu, wir haben einen wissenschaftlichen Beirat, einen Vorstand und ein Kuratorium eingerichtet. Im Juli 2013 wurde das Avicenna-Studienwerk schließlich der Öffentlichkeit vorgestellt.

Die ersten Stipendiaten werden ab dem Wintersemester 2014/2015 gefördert. Was passiert bis dahin?

Derzeit arbeiten wir am Aufbau der Geschäftsstelle in Osnabrück. Außerdem müssen wir in den kommenden Monaten festlegen, wie unser Auswahlverfahren genau ablaufen wird. Dazu gibt es schon einige Ideen und Ansätze, die wir nun weiter spezifizieren und ausarbeiten.

Was war die größte Herausforderung bei der Gründung des Studienwerks?

Im Avicenna-Studienwerk sind viele verschiedene Personen und Gruppen involviert. Jede von ihnen hat unterschiedliche Ansichten und Interessen, die wir abbilden und ausbalancieren müssen. Bisher bin ich damit aber sehr zufrieden. Was wir geschafft haben, ist grundsätzlich so geworden, wie wir es uns vorgestellt haben.

Das Avicenna-Studienwerk im Überblick

  • Das Avicenna-Studienwerk ist nach dem muslimischen Universalgelehrten Ibn Sina (latinisierter Name: Avicenna) benannt. Er gilt als Brückenbauer zwischen Orient und Okzident, weil durch ihn Wissen aus dem arabischen Raum nach Europa gelangte.
  • Gefördert werden Studenten und Doktoranden muslimischer Herkunft an staatlichen Universitäten. In begründeten Fällen können auch Nicht-Muslime als Stipendiaten aufgenommen werden, zum Beispiel wenn sie sich für den interreligiösen und interkulturellen Dialog einsetzen oder in einem nahestehenden Fach promovieren, also zum Beispiel Islamwissenschaften.
  • Das Avicenna-Studienwerk ist ein gemeinnütziger Verein, der durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung, die Stiftung Mercator sowie private Spenden gefördert wird. Für die kommenden vier Jahre stellt der Bund sieben Millionen Euro zur Verfügung. Eine weitere Million kommt von der Stiftung Mercator.
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In der Stipendien-Datenbank findest du fast 900 Stipendien von 500 Institutionen - für Bachelor, Master, Praktikum und Promotion.

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