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Fünf Tipps, wie du Zwischenrednern Saures gibst

Professor Vortrag Vorlesung [© Neyro - Fotolia.com]

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Du stehst auf der Bühne, 200 Leute sitzen vor dir. Du hältst einen Vortrag über die Abholzung des Regenwalds in Südamerika. Gerade beschreibst du die Auswirkungen auf das Klima und unseren Lebensstandard. Plötzlich kommt ein Zwischenruf: 'Mein Auto fährt auch ohne Regenwald!' Boooom, und jetzt? Überhören? Einfach weitermachen? Fünf Methoden, Einwänden wirkungsvoll zu begegnen.

Es gibt verschiedene Techniken, unqualifizierte aber auch qualifizierte Einwände zu entkräften. Stehenbleiben und nichts machen oder den Einwand überhören gehören nicht dazu. Hier gilt es, schlagfertig zu sein. Reagiere auf den Einwand, denn je schneller du bist, desto sicherer und überzeugter erscheinst du dem Publikum. Wie funktioniert das am besten?

1. Den Angreifer aus der Anonymität holen

Gerade bei unqualifizierten Kommentaren kannst du diese Technik super anwenden. Viele Menschen, die unqualifizierte Kommentare einwerfen, trauen sich nur, solange sie anonym in der Menge sitzen. Daher kommen die meisten dieser Kommentare aus einem großen Publikum. So gehst du vor: Die Menge lacht, du bleibst ruhig stehen und wartest, bis es wieder einigermaßen still ist im Raum. Dann sprichst du den Einwandsteller entweder nach äußeren Merkmalen oder mit Namen an: "Entschuldigung, der Herr im blauen T-Shirt/Peter: Sie haben/du hast gerade etwas gesagt; ich habe Sie/dich leider nicht verstanden. Können Sie/Kannst du es bitte wiederholen?" Am besten du weist mit der Hand gleichzeitig auf die Person, die du meinst.

Nun gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder gehört der Einwandsteller zu den 90 Prozent der Menschen, die sich nicht trauen, den Kommentar zu wiederholen oder er gehört zu den 10 Prozent der Menschen, die ihn wiederholen. In beiden Fällen gehst du als Sieger hervor. Wiederholt derjenige nämlich den Kommentar, ist er nicht mehr lustig. Der Witz ist verpufft. Übrigens wird der Störenfried keinen weiteren Einwand mehr bringen, da er sich nicht noch mehr vor dem Publikum blamieren will.

2. Rückfragen stellen: Wer fragt, der führt!

Nimm dir diesen Satz zu Herzen. Wenn du auf einen Einwand – qualifiziert oder unqualifiziert –  keine Antwort weißt, stelle eine Rückfrage. Somit kannst du das Gespräch in die Richtung lenken, die für deine Argumentation günstig ist. Am Beispiel mit dem Regenwald verdeutlicht: "Gehen wir das Problem mal von einer anderen Seite an. Was brauchen Sie denn zum Leben?" Der Einwandsteller wird dir antworten: "Essen, Wasser, Luft,…" Dann antwortest du ihm: "Aha, Luft also? Und wenn Luft verbraucht ist, wer filtert die Luft wieder?" Dann wird der Einwandsteller entweder die richtige Antwort geben oder nichts sagen. Wenn er nichts sagt, kannst du einfach antworten: "Die Bäume filtern durch die Fotosynthese die Luft; daher geht auch uns in Deutschland die Abholzung des Regenwalds was an!"
Bildlich gesprochen: Du drängst den Einwandsteller in die Defensive und musst dich nicht verteidigen, sondern greifst selbst an. Ganz nebenbei gewinnst du dadurch Zeit. Bei Reden und Moderationen habe ich eine interessante Feststellung gemacht: Oftmals reicht es, wenn du das Argument des Einwandstellers entkräftet. Selbst wenn du feststellst, dass deine eigene Argumentation auch nicht stimmt: Er wird sich nicht trauen, weiter zu fragen, da er sonst als penetrant gilt. Das Publikum geht oftmals davon aus, dass einer von beiden recht haben muss: Wenn es der Einwandsteller nicht ist, bist es automatisch du. q.e.d.

3. Frage ans Publikum weitergeben

Wenn du die Frage nicht beantworten kannst, dann reiche sie doch ans Publikum weiter. Wozu sitzen denn vor dir die ganzen Leute? Um dir zu helfen, genau! Mache Gebrauch davon. Jetzt kann es dir natürlich passieren, dass auch niemand aus dem Publikum die Frage beantworten kann. Wenn das nur einmal passiert, kannst du einen Witz daraus machen: Du fragst: „Kann jemand aus dem Publikum die Frage beantworten?“ Niemand meldet sich. Daraufhin sagst du: „Wie? Wirklich niemand? Niemand kann die Frage beantworten?“ Dann schüttelst du verständnislos den Kopf und wartest kurz. Daraufhin bringst du die Pointe: " Ja gut Leute, ich kann sie auch nicht beantworten." Wenn du jetzt lachst, wird das Publikum mit dir lachen.

4. Den Einwandsteller vertrösten

Diese Technik ist böse. Aber manchmal musst du als Rhetoriker eben auch böse sein. Nehmen wir wieder unser Beispiel von oben – wobei diese Technik auch bei jedem anderen Einwand während deines Vortrags angewendet werden kann. Du sagst zum Einwandsteller: "Ja, darauf komme ich nachher noch einmal zu sprechen. Ich bitte dich/Sie, noch ein bisschen Geduld zu haben." Auch wenn du später nicht mehr darauf zurückkommst, werden die meisten Zuhörer den Einwand schon vergessen haben. Der Einwandsteller wird sich nicht trauen, den Einwand zu wiederholen. Tut er das doch, gibt es für dich nur noch eine Möglichkeit. Diese beschreibe ich unter dem nächsten Punkt.

5. Die Unkenntnis zugeben

Die letzte aller Möglichkeiten um auf einen Einwand zu reagieren ist, die eigene Unkenntnis zuzugeben. Davor solltest du mindestens eine der oben beschriebenen Techniken angewandt haben. Wenn du merkst, dass du nicht weiter weißt, gestehe den Fehler ein. Das wirkt menschlich und sympathisch – solange es nicht mehrfach in deinem Vortrag vorkommt.

Übung macht den Meister

Generell ist Vorbereitung die beste Übung. Präsentiere deinen Vortrag einem Freund oder deinen Eltern und bitte sie, unangenehme Fragen zu stellen. Dadurch merkst du, wo der Vortrag Risiken birgt und kannst dich vorbereiten. Routine in den genannten fünf Techniken bekommst du nur in der Praxis. Wende sie an, wenn du einen Vortrag hältst, und du wirst merken, dass du immer schlagfertiger wirst im Umgang mit Einwänden.

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Kommentare (7)

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  1. Anonym

    Meiner Meinung nach schlechte Tipps, bis auf 5. Es ist einfach viel zu einfach diese Tricks zu erkennen und trotzdem sieht man immer wieder wie sie angewendet und hier sogar empfohlen werden. Da kann ich nur den Kopf schütteln. Für was für eine Diskussionskultur setzt du dich bitte ein, wenn du solche Ratschläge erteilst? Unkenntnis sollte nie verschleiert werden. Diese zuzugeben zeugt von Souveränität. Wer Unkenntnis vor besonders großen Gruppen zugibt, wirkt noch souveräner. Wer häufig auf einfache Fragen keine Antwort weiß, wird bei seinem Ziel sowieso irgendwann scheitern. Dann gesteht man sich dies lieber ein und bereitet sich in Zukunft besser vor. Was du vorschlägst ist kontraproduktiv hinsichtlich der eigenen Vertrauenswürdigkeit und allgemein keine erstrebenswerte Art, wie mit Kritik umgegangen werden sollte.

  2. Anonym

    Ich finde das meiste moralisch recht fragwürdig...

  3. Anonym

    Zwischenredner

    Das Thema finde ich sehr wichtig und in der Tat immer aktuell - Punkt 3 und 4 sehe ich allerdings etwas kritisch. Für beide gilt meiner Meinung nach dass man sie höchstens einmal während des Vortrags bringen kann, ohne seine Autorität und GLaubwürdigkeit zu verlieren. Punkt 3 kommt darüber hinaus auch schwer auf das Publikum an, falls es sowieso dem Thema kritisch gegenüber steht wird es wohl richtig schwer. Punkt 4 ist "der Klassiker", aber deshalb auch am meisten bekannt und wohl am wenigsten ratsam. Trotzdem, vielen Dank für diese Tipps! Ein Glas Wasser kann übrigens oft auch helfen, wertvolle Sekunden Zeit zum Nachdenken zu gewinnen :-)

  4. Anne Franziska Gropler

    Ich stimme da meinem Vorredner zu. Ersteinmal finde ich die Tipps sehr hilfreich! Aber es stimmt schon, dass man die nicht überall bringen kann... Gerade, wenn man über ein komplett neues Thema informiert, kann man keine Wissensfragen an das Publikum stellen. Wenn jemand aus dem Publikum dabei ist, der sich jedoch nicht informieren sondern protestieren will, dann kann es schnell passieren, dass Zwischenrufe eine Diskussion erzwingen wollen, noch bevor der Vortrag gelaufen ist. Zum Regenwaldbeispiel: Er wiederholt penetrant seine Frage, steht auf, stellt sich noch dem Publikum vor, etc --> auf einmal ist es sein Vortrag, und er ist sehr gut vorbereitet. Das ist mir leider schon einmal passiert, und ich konnte nichts dagegen tun, dass er die Aufmerksamkeit auf sich gerissen hat. Ich hatte ihn erst auf später vertröstet (wir waren schließlich zum Diskutieren da - NACH dem Vortrag), jedoch häuften sich seine Zwischenrufe immer mehr. Ich habe dann auf das "gute Benehmen" plädiert ("Ich denke, wir sollten uns gegenseitig ausreden lassen..."). Allerdings war die Sache an sich schon gelaufen. Es gab zwar keine richtigen Zwischenrufe mehr, allerdings noch abfälliges Schnaufen, Lachen, "Ja, genau!", "Na wers glaubt..." und absichtliches Ablenken seiner Sitznachbarn. Klar man derjenige sich lächerlich. Aber meine Zuhörer sind "weg" und ich kann mir den Rest sparen. Kann man sich daraus überhaupt noch retten? Alles was man macht, wird irgendwie so interpretiert, dass ich am Ende doch schlecht da stehe.

  5. Anonym

    EDIT: Ach Mist, man kann nicht bearbeiten, ich meinte natürlich 3 nicht 4.

  6. Anonym

    Also ich finde Nr. 4 höchstens in Spaßseminaren angebracht, aber keines Falls bei einem wissenschaftlichen Vortrag!!! Damit ist man beim Publikum komplett unten durch. Viel besser als die o.g. Tipps finde ich es, wenn man so viel wie möglich zu der Frage sagen kann, selbst wenn es schwammig formuliert ist. Wie die Politiker machen und rausreden. Allerdings nicht bei trivialen Fragen oder Fragen, die auf den Inhalt des Vortrags abzielen, sondern nur bei solchen merkwürdigen Fragen. Man hätte den o.g. Störenfried fragen können, was für ein Auto er denn fährt. Wenn es kein Elektroauto ist, kann man das Argument mit dem Regenwald bringen. Falls es doch ein Elektroauto ist, kann man darauf hinweisen, dass die Fertigung eine CO2-Emission hat ;D Oder man könnte ihn als Vorbild loben und darauf hinweisen, dass nicht alle Menschen so umweltfreundlich leben wie er. Gegen ein Kompliment kann niemand trollen.

  7. Julia Werra

    das kommt alles schon sehr auf das Fachgebiet an

    insgesamt ein sehr interessanter Artikel aber einige dieser Tipps sind nicht generell auf jedes Fach anwendbar: Ich habe jede dieser Techniken schon in einem Vortrag gehört aber: 1. darauf kommen wir später zu sprechen: eine Rückfrage kam am Ende IMMER und wenn man dann keine Antwort weiß ist man disqualifiziert 2. mehrfach unwissenheit eingestehen: wieso eigentlich nicht? Man kann nicht alles wissen 3. Rückfragen stellen, die nichts mit der Frage zu tun haben: lassen bei uns den Fragesteller inkompetent wirken. 4. Publikum befragen: halte ich nur in einer VL oder mit Zugabe der Unkenntnis für sinnvoll - ein Fachpublikum möchte sich nicht wie im Kindergarten fühlen ... Wo habe ich meine Erfahrungen gesammelt: Konferenzen/Seminare und vieles mehr von Physikern ... - aber wir sehen so etwas auch als Arbeit an, natürlich will man zeigen wie intelligent man ist, aber blamieren kann man sich nie, beim Fragen. Alles in allem: interessanter Artikel, aber Vorsicht wo er angewendet werden soll - das funktioniert sicherlich bei einem Vortrag vor breitem Publikum, bei Fachpublikum ist werden die Tipps hingegen oft kontraproduktiv wirken

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