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Stress ist eine Frage der Einstellung

Mann, Hut, Aktentasche, Hochhaus, Stadt, Energie [Quelle: Fotolia.com, Autor: alphaspirit]

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Hektik und Termindruck sind schädlich? Von wegen. Eine Reihe neuer Studien zeigt: Mit der richtigen Attitüde macht Stress produktiv.

Wer viel zu tun hat, neigt gerne mal zum Jammern – und mit jedem zusätzlichen Punkt auf der To-do-Liste wird das Klagelied ein paar Dezibel lauter. Keith Wilcox hat dafür wenig Verständnis. In einer neuen Studie zeigt der Psychologe von der Columbia-Universität in New York: Wer viel beschäftigt ist, kann sich glücklich schätzen. Denn je mehr man zu tun hat, desto mehr schafft man auch.

Wilcox untersuchte die Daten einer Zeitmanagement-App von rund 28 000 Menschen. Und entdeckte ein interessantes Muster: Zwar verpassten die Personen immer mal wieder eine Deadline. Doch manche ließen sich davon nicht entmutigen und arbeiteten umso fleißiger weiter – falls sie noch andere Aufgaben hatten. Die verpasste Frist, gepaart mit dem schlechten Gewissen einer unerledigten Herausforderung, steigerte die Motivation. Und führte letztlich dazu, dass die Menschen die angefangene Aufgabe schneller erledigten als ihre weniger stark beschäftigten Kollegen. Wilcox ist sich der Brisanz seiner Studie bewusst: "Manager könnten feststellen, dass ihre Angestellten eher produktiv sind, wenn sie ihnen mehr Arbeit geben – und nicht weniger."

Der Angestellte wächst mit seinen Aufgaben, also schütte man ihn mit Arbeit zu? So einfach ist es auch wieder nicht.

Doch tatsächlich findet in der Wissenschaft derzeit ein Paradigmenwechsel statt, der an unserer Vorstellung von Stress rüttelt. Zahlreiche Forscher kommen in jüngster Zeit zum Ergebnis, dass Anstrengung und Hektik nicht Grund zur Sorge sein müssen, sondern Anlass zur Freude werden können. Denn für die Vertreter dieser Denkschule ist Stress vor allem eines: Ansichtssache.

Ich wär dann so weit

Statt verzweifelt zu versuchen, mit Entspannungstees, Atemübungen und Wellnessurlauben dem bösen S-Wort aus dem Weg zu gehen, solle man das Stressgefühl positiv sehen – als Zeichen dafür, dass sich der Körper auf eine Drucksituation vorbereitet.

Die Verfechter dieser Umdeutung sehen sich einer Armee von Buchautoren, Beratern und Therapeuten gegenüber, deren einzige Daseinsberechtigung es ist, Stress zu vermeiden und zu verteufeln. Wäre er plötzlich nur noch hilfreich, es bräche ein ganzer Wirtschaftszweig zusammen. Auch deshalb ist die optimistische Deutung noch lange nicht salonfähig.

Seitdem der österreichisch-kanadische Mediziner Hans Selye im Jahr 1936 den Begriff "Stress" zum ersten Mal prägte, schwang immer ein negativer Unterton mit. Stress galt als Belastung, die man zwar eine Zeit lang aushalten konnte, aber am besten war doch ihre Vermeidung. Selye unterschied später zwar zwischen förderlichem Eustress und schädlichem Disstress. Doch die Idee, dass man allein durch die innere Einstellung die Konsequenzen beeinflussen könnte, ist neu.

Dabei ist schon lange bekannt, dass die Stressreaktion, rein biologisch betrachtet, wie ein Turbolader wirkt. Das geschieht automatisch, wenn man mit etwas konfrontiert wird, das sich den eigenen Zielen in den Weg stellt. Das Herz pumpt mehr Blut in Arme, Beine und ins Gehirn, das Immunsystem und der Verdauungstrakt laufen auf Sparflamme, Stresshormone wie Cortisol und Adrenalin durchfluten den Körper. "Stress ist eine sehr feine Anpassungsreaktion des Körpers auf Anforderungen von außen", sagt Tim Hagemann, Professor für Arbeitspsychologie an der Fachhochschule der Diakonie in Bielefeld.

Doch genau an diesem Punkt kommt es zur entscheidenden Unterscheidung: Ob man diese Reaktion als positiv ("Jetzt erst recht!") oder negativ ("Das schaffe ich nie!") empfindet, entscheidet darüber, eine stressige Situation zu meistern – oder daran zu scheitern. Der Gedanke dahinter: Indem man seine Einstellung zum Stress ändert, beeinflusst man seine Folgen.

Wie das funktioniert, zeigte kürzlich ein Experiment der Psychologin Wendy Berry Mendes von der Universität von Kalifornien in San Francisco. Sie lud Studenten in ihr Labor ein, wo sie den Hochschulzulassungstest Graduate Record Examination (GRE) absolvieren mussten. Die Hälfte der Teilnehmer erhielt vorab die Information, dass die körperliche Stressreaktion die Leistung verbessert. Die andere Hälfte bekam keine Information dazu.

Wenig überraschend: Alle Freiwilligen standen während der Prüfung unter Stress. Doch sammelten diejenigen, die ihn als leistungsfördernd interpretierten, mehr Punkte. Noch Monate später erwies sich die Information als hilfreich: Wer in dieser Zeit den GRE außerhalb des Labors ablegte, erzielte ebenfalls bessere Ergebnisse. Sieht man das Hindernis als Herausforderung und die körperliche Reaktion als leistungssteigernd, ist das Gelingen wahrscheinlicher, so das Fazit der Forscher. Diese Geisteshaltung, das Mindset, sieht auch Alia Crum als wichtigen Faktor, um mit Stress gut zurechtzukommen. Die Psychologin, die heute an der Universität Stanford in Kalifornien forscht, untersuchte diesen Zusammenhang vor einigen Jahren mit zwei Kollegen genauer.

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