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Zwischen Paradies und Krankenhaus

Take Time Interview McKinsey (Autor: Sergey Nivens, Quelle: Fotolia.com)

© Sergey Nivens - Fotolia.com

Benjamin ist Lehrer, Müllbeauftragter, Arzthelfer und IT-Berater – zumindest für ein Jahr. Statt seinen Zivi zu Hause abzuleisten, ist er als Freiwilliger in ganz Bolivien unterwegs. Dabei arbeitet er an so paradiesischen Orten wie der Sonneninsel im Titicacasee. Die Aufgaben sind meist weniger paradiesisch, dafür umso herausfordernder.

Als ich von der Möglichkeit gehört habe, den Zivildienst im Ausland zu abzuleisten, stand für mich fest: Ich arbeite "abroad"! Zusammen mit 17 anderen Zivis aus ganz Deutschland nehme ich am Freiwilligendienst in Boliven teil. Organisiert wird das Ganze von Volunta, einer Gesellschaft des Deutschen Roten Kreuzes, in Kooperation mit Hostelling International Bolivia (HI Bolivia). Mit dem Jahr in Bolivien erfülle ich mir drei Wünsche: ein neues Land kennenlernen, Spanisch lernen und zwischen Schule und Studium etwas anderes machen als pauken.

In ganz Bolivien unterwegs

Der Freiwilligendienst bei HI Bolivia unterscheidet sich von vielen anderen Diensten im Ausland. Die Organisation hat viele Einsatzorte im ganzen Land, in denen ganz unterschiedliche Arbeiten verrichtet werden. So ist es nicht ungewöhnlich, wenn ein Freiwilliger innerhalb eines Jahres von 4.000 Metern Höhe bei La Paz ins Tiefland nach Santa Cruz wechselt und von der ländlichen Schule ins großstädtische Krankenhaus. Drei Einsatzorte mit jeweils drei Monaten Aufenthalt sind vorgesehen, sodass drei Monate des einjährigen Einsatzes für Sprachkurs und Ferien übrigbleiben.

Erst die Arbeit, dann das Auslandsjahr

Ein Wermutstropfen des Freiwilligenprogramms ist, dass ich es praktisch komplett selbst finanzieren muss. Zwar sucht man sich vor dem Einsatz einen sogenannten Unterstützerkreis, der durch Spenden den Einsatz finanziert. In der Realität muss aber ein Großtteil der Freiwilligen auch in die eigene Tasche greifen. Die Finanzierung läuft folgendermaßen: Ich spende monatlich etwa 380 Euro an Volunta. Dafür bekomme ich vor Ort Unterkunft und Verpflegung. Die Flüge muss ich selbst bezahlen. So habe ich nach dem Abitur erst einmal ein paar Monate lang gejobbt, um das Geld zusammenzubekommen.

Vom Abiturient zum Lehrer

Ich habe bisher zwei Einsatzorte besucht. Auf der Sonneninsel im Titicacasee wurde die Arbeit zum Vergnügen. Der Blick über den See ließ mich denken, ich sei im Paradies. In der Schule im Zentrum der Insel holte mich die Realität dann umso schneller wieder ein: Dort mangelt es vor allem an (qualifizierten) Englisch-, Computer-, Mathe-, und Sportlehrern. Die Arbeit der Freiwilligen wird also dringend benötigt.

Job: Müllbeauftragter

Nach Schulschluss widmete ich mich vor allem dem "Müll-Projekt": Dazu gehörte neben dem Bau eines großen zentralen Müllcontainers auch die Organisation des Abtransports und des Recyclings sowie eine umfangreiche Aufklärungskampagne.

In zwei Wochen zum Arzthelfer

Inzwischen bin ich in Sucre, der konstitutionellen Hauptstadt des Landes. Vormittags arbeite ich in der Notaufnahme eines Krankenhauses. Nachdem ich zwei Wochen den Ärzten über die Schulter geschaut habe, arbeite ich mittlerweile sogar selbst mit Patienten.  Ich reinige zum Beispiel alte Operationswunden, ziehe die Fäden und verbinde die Wunden neu.

IT-Berater am Busterminal

Für den Nachmittag habe ich mir eine Vielzahl von Projekten ausgesucht. Zum einem gebe ich Englischunterricht in Form einer Abendschule. Dafür habe ich auch ein eigenes Lehrbuch konzipiert, das speziell auf die Bedürfnisse der Schüler abgestimmt ist, die alle aus dem Tourismussektor kommen.

Zudem arbeite ich im Busterminal. Der Busverkehr in Bolivien ist nicht mit dem deutschen vergleichbar. Hier erledigen die großen Busse fast den kompletten Fernverkehr, da Bahnstrecken kaum vorhanden sind und Fliegen viel zu teuer ist. Somit ist das Terminal eher ein Fernverkehrsbahnhof im deutschen Sinne. Ich erstelle einen neuen Fahrplan, der dann auch online zur Verfügung stehen wird. Außerdem unterstütze ich die Busunternehmen beim Einrichten von E-Mail-Accounts und digitalen Buchungssystemen. Ein dauerhaftes Projekt ist die Pflege des Online-Auftritts von HI Bolivia.

Auch für Studenten interessant

HI Bolivia bietet auch Freiwilligendienste außerhalb des "auslaufenden" Ziviprogramms an. Auch Studenten sind herzlich willkommen, hier einen studienbezogenen Dienst abzuleisten. Das ausgefallenste Projekt, von dem ich bisher gehört habe, ist das eines Orgelbauers, der in den alten Kirchen Boliviens gerade praktische Erfahrung sammelt.

Fazit

Der Freiwilligendienst in Bolivien ist eine Erfahrung fürs Leben, die ich jedem weltoffenen Menschen nur empfehlen kann, der ein faszinierendes Land mit all seinen Eigenarten erleben will.

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Kommentar (1)

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  1. Max Steiner

    Zu Deiner tollen Arbeit, estimado Benjamin moechten wir von HI-Bolivia gratulieren, dies vorallem auch im Namen der einheimischen Bevoelkerung, die so einen weltoffenen Kontakt und Impulse bekommt. Gearde habe wir Deinen auf Youtube unter Hostelling Bolivia veroeffentlichten Video und diesen Artikel mit gegen 60 Teilnehmern in der JH-Muenchen gezeigt und applaudiert - siehe www.hostellingbolivia.org - unten recht flickr und auch ueber Facebook JH Muenchen-Park ! Mach weiter so und saludos muy cordiales Prof. Msc. Max Steiner - Praesident HI-Bolivia.

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