Komplizierte Dinge einfach sagen

Schreibmaschine, Schreiben, Tippen (Quelle: freeimages.com, Autor: hisks)

Quelle: freeimages.com, hisks

Viele deutsche Studenten haben Schreibschwierigkeiten. Sie schieben ihre Hausarbeiten vor sich her oder fangen gar nicht erst damit an. Experten zufolge scheitert die Hälfte aller Studienabbrecher am Schreiben. Im Fach Philosophie sind es sogar achtzig Prozent.

Das Schreiben dient dazu, eine Sache so klar und verständlich wie möglich darzustellen. Jeder einzelne Schritt des Schreibprozesses muss dazu beitragen. Ist die Gliederung eines Textes unlogisch, können Leser den Inhalt nicht verstehen - egal, wie übersichtlich das Thema ist. Genauso wenig rettet die beste Gliederung einen schlecht geschriebenen Text.

Faustregeln

In dem Buch "Wie man eine wissenschaftliche Abschlussarbeit schreibt" nennt der Romanautor und Semiotiker Umberto Eco vier Faustregeln für die Auswahl eines Themas:

  • Wähle ein Thema, das deinen Interessen entspricht.
  • Die Quellen müssen auffindbar sein.
  • Du sollst mit den Quellen umgehen können.
  • Nimm dir nicht zu viel vor.

Den Inhalt vorbereiten

Jeder Text trägt eine Idee oder ein Thema. Das Thema solltest du eingrenzen. Wichtig ist, dass Umfang und Anspruch der geplanten Arbeit entsprechen. Keine Doktorarbeit, schon gar nicht eine Hausarbeit würde dem Thema "Die Filme Hollywoods" gerecht. Grenzt man es ein und macht daraus "Die Symbolik in F.F. Coppolas 'Der Pate'" könnte jedoch eine Hausarbeit daraus werden. Erst wenn das Thema steht, suchst du gezielt nach weiteren Informationen.

Das Gliedern

Hast du genügend Informationen zum Thema gesammelt, bringst du sie im nächsten Schritt in einen logischen Zusammenhang. Die Gliederung zieht sich wie ein roter Faden durch den Text. Sie führt die Leser in das Thema ein, begleitet sie durch die Argumentation und fasst die Antworten am Ende noch einmal zusammen. Die Leser sollten immer wissen, wo im Text sie sich gerade befinden.

Die magische Formel

Einleitung, Hauptteil, Schluss - diese Formel aus der Schulzeit ist auch an der Uni ein guter Ausgangspunkt für eine Gliederung. In der Einleitung gibst du einen Überblick über das Thema und grenzt es ab. Du erläuterst die Methodik und begründest, warum du das Thema nicht auf eine andere Art untersucht hast. In der Einleitung definierst du die zentralen Begriffe der Arbeit. Die Leser erhalten außerdem einen Überblick über die weiteren Kapitel. Der Schluss fasst nicht nur die Ergebnisse deiner Arbeit zusammen. Er muss die in der Einleitung gestellten Fragen so weit wie möglich beantworten. Darüber hinaus nennt er offen gebliebene Fragen.

Den roten Faden knüpfen

In der Gliederung des Hauptteils deckst du logische Zusammenhänge auf und verbindest die einzelnen Abschnitte des Texts. Dein Ziel: Verständlichkeit. Mehr als drei Gliederungsebenen solltest du daher nicht einführen: die Kapitel, die Unterkapitel und die einzelnen Abschnitte. Je nach Thema oder Fach sind unterschiedliche Gliederungsformen möglich. Umberto Eco nennt drei Grundformen:

  • Mit einer historischen Gliederung lassen sich Sachverhalte chronologisch oder geographisch darstellen. Auch das Verhältnis von Ursache und Wirkung lässt sich mit dieser Gliederungsform verdeutlichen. Die historische Gliederung eignet sich ebenso für Vergleiche zwischen einzelnen Werken oder Situationen.
  • Bei einer experimentellen Gliederung sammelt man zunächst Beweise für einen bestimmten Sachverhalt. Aus den Beweisen leitet man dann eine Theorie ab.
  • Ist eine Arbeit logisch-mathematisch gegliedert, setzt sie eine bestimmte Theorie voraus. Die Theorie wird genutzt, um einen Sachverhalt zu untersuchen.

Die Mind-Map-Methode

Nicht immer fällt es leicht, einen Text zu gliedern. Besonders schwierig wird es, wenn du bis über beide Ohren im Thema steckst und dir die kritische Distanz fehlt. Die Mind-Map-Technik hilft dir dabei, den Überblick zu behalten: Mit ihrer Hilfe kannst du Einzelaspekte eines Themas sammeln und Beziehungen zwischen ihnen herstellen. Im Mittelpunkt steht dabei immer das Thema. Du schreibst es auf ein Blatt Papier und sammelst rund herum die relevanten Aspekte. Die unterschiedlichen Ebenen der Argumentation lassen sich auf der Mind-Map graphisch festhalten. Hauptaspekte verbindest du direkt mit dem Zentrum, Unterkategorien hängst du daran an.

Mehrere Ansätze

Eine sinnvolle Mind-Map stellt man selten im ersten Anlauf her. Die bestmögliche Struktur für ein Thema findet sich erst nach mehreren Ansätzen. Hat man sie jedoch einmal aufgeschrieben und in die richtige Reihenfolge gebracht, kann man die Mind-Map meist als fertige Gliederung übernehmen. Schon jetzt solltest du anfangen zu schreiben und die Gliederung ausformulieren. Denn nur auf diese Weise zeigt sich, ob sie wirklich sinnvoll ist.

So suchst du nach Lücken in deiner Gliederung

  • Bauen die Informationen aufeinander auf?
  • Ist der Text logisch strukturiert?
  • Sind die Überschriften einprägsam und aussagekräftig?
  • Sind die Übergänge zwischen den einzelnen Kapiteln schlüssig und ohne Bruch?

Das Schreiben

Das eigentliche Schreiben beginnt mit der Rohfassung. Dabei hältst du dich an die Gliederung und schreibst alles auf, was dir zu den jeweiligen Punkten in den Kopf kommt. Die innere Zensur schaltest du aus. Bei der Rohfassung geht es nicht um grammatikalisch perfekte Sätze oder eine treffende Wortwahl. Bringe deine Gedanken einfach zu Papier. Was du jetzt tust, dient nicht nur als bloßer Ausgangspunkt für den fertigen Text. Du testest in der Rohfassung deine Gedanken auf Schwachpunkte und Lücken.

Den Rohling überarbeiten

Erst in Sprache übersetzt zeigt sich, ob du den Sachverhalt verstanden hast und welche Informationen noch fehlen. Wer früh mit dem Schreiben beginnt, kann Lücken noch rechtzeitig schließen. Jetzt bearbeitest du den Rohling in mehreren Durchläufen: Musst du die Gliederung noch einmal umstellen? Enthält der Text zu viele Schachtelsätze? Am Ende der Überarbeitungsphase steht das Korrekturlesen. Im eigenen Text übersiehst du leicht Schreib- und Kommafehler. Am besten ist es daher, jemand anderes liest den Text noch einmal durch.

nach oben

Im e-fellows.net wiki kannst du dein Wissen teilen und von den Erfahrungen anderer Stipendiaten profitieren.

Verwandte Artikel

In der Stipendien-Datenbank findest du 800 Stipendien von 400 Institutionen - für Bachelor, Master, Praktikum und Promotion.

Das könnte dich auch interessieren