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Papierkrieg in Princeton

Princeton University, Quelle: sxc.hu, User: createsima

Princeton University, Quelle: sxc.hu, User: createsima

Teil 1: Die Princeton University hat Jan Thomas eingeladen, ein Buch über Wirtschaftsethik zu schreiben. Zehn Monate lang forscht er dort zu diesem Thema. Doch in der ersten Woche musste er sich erst einmal durch den Bürokratie-Dschungel der Elite-Uni kämpfen.

Die Universität Princeton ist nicht so alt wie ihre akademische Konkurrenz in Cambridge oder Oxford. Doch sie sieht so aus. Ihre Besucher staunen nicht schlecht über die vielen Menschen, die es hier zu Ruhm und Ehre gebracht haben. Berühmte Intellektuelle haben in Princeton gelehrt, zum Beispiel Nobelpreisträger wie Albert Einstein oder John Nash. Unter den Alumni tummeln sich sogar einige ehemalige US-Präsidenten: Woodrow Wilson, James Madison und John F. Kennedy.
 

Filmkulissen für Hollywood
 Die Villenviertel zwischen Wald, See und Campus haben sich reiche Geschäftsleute gesichert. Tagsüber arbeiten viele von ihnen an der Wall Street im benachbarten New York City. Princeton kann sich sehen lassen. In diesen prachtvollen Campus-Gebäuden mit gotischen Ziegeln, Spitzbogenfenstern, Treppchen und Türmen wurde schon Russell Crowe begrüßt, der im Film "A Beautiful Mind" den berühmten Mathematiker John Nash spielt. Soviel Pomp und Prominenz beeindrucken einen schon.
 

Mit Professoren auf Augenhöhe
 "We are more than happy to have you here", begrüßt mich der Uni-Präsident beim Dinner mit internationalen Post-Docs. Man habe schon auf mich gewartet, heißt es während einer Andacht in der University Chapel. Kaum vorstellbar in Deutschland. Genauso ungewöhnlich für mich ist, dass die Professoren und Dozenten sich hier viel mehr Zeit für ihre Studenten nehmen. Das können sie auch, denn sie müssen nicht so viele Fellows betreuen.
 

Meister der Formulare
 In meiner ersten Woche geht es stürmisch zu - neben den zwei Hurrikanen in der Karibik. Ich muss mich durch viele Papierstapel und Formulare quälen. Und ich dachte, Deutschland wäre die Heimat der Bürokratie. In Princeton werde ich eines Besseren belehrt: Registrieren für Kurse, Beantragen einer Social-Security-Nummer oder einfach nur das Bestätigen meiner Hobbys und welche Instrumente ich spiele rauben viel Zeit. Für nahezu jeden Anlass gibt es Formulare in unterschiedlichen Farben mit Durchschlägen, die zwischen Student, Advisor und Director der Ivy-League-Universität ausgetauscht werden - trotz Internet und Netzwerk. Aller Anfang ist hier mühsamer als an einer staatlichen Uni in Deutschland.
 

24 Stunden Shopping für Studenten
 In der Shopping Mall habe ich mir gestern eine Lampe und einen Kühlschrank gekauft. Der 24-Stunden-Shop an der Uni bietet sogar einen gedruckten Katalog mit Möbeln, der mich an einen Ikea-Prospekt erinnert. Die Studentenwohnheime in Princeton gleichen von außen zwar einem Schloss, doch ihr Innenleben ist spartanisch. Ein Bett, ein Tisch, ein Schrank, viele Bücher - und eine gute Pfeife. Mehr brauchte auch Albert Einstein in Princeton nicht. Ein Fahrrad habe ich mir bei meiner Einkaufstour auch gleich besorgt, denn das ist für Studenten auch im Land des Autos unersetzlich.
 

Schwarzbrot versus Fast-Food-Kultur
 An das amerikanische Fast Food mit Burgern muss ich mich erst noch gewöhnen. In dieser Hinsicht vermisse ich Deutschland jetzt schon. Gutes deutsches Bauernbrot, praktische H-Milch und Vollkorn-Müsli - das alles gibt es hier nirgends zu kaufen. Meine Freundin wird mir das bei ihrem nächsten Besuch aus Heidelberg mitbringen. In der Mensa landet manche üppige Portion Essen in der Tonne. Auch der Elite-Student vom internationalen Jetset kümmert sich wenig um amerikanische Umweltverschmutzung. Denn in Amerika übernimmt die Mülltrennung die Deponie, das Licht brennt 24 Stunden auf allen Fluren der Uni und die Klimaanlage kühlt bei offenem Fenster von 35 auf 18 Grad runter.
 

Work hard, party hard
 Auf Prestige in Forschung und Lehre kommt es der Bildungs-Elite an. Die Universität pflegt ihren exzellenten Ruf auch in der Freizeit. Bildung ist wichtig, Party aber ebenso. Wer es hierher geschafft hat, zeigt gerne, dass ihm das Lernen leicht von der Hand geht. Studenten flanieren lässig mit Poloshirt über den Campus. Das orangefarbige Princeton-Logo mit eingesticktem Monogramm prangt stolz auf ihrer Brust. Abends geht es gemütlich in die Ivy-Bars zwischen Winberries, Alchemist und Witherspoon Grill zum After-Work-Cocktail. Für die Jüngeren auf dem College gibt es komische, traditionelle Feste. Auf der Schaumparty zum Beispiel seifen sich die Freshmen - so heißen die Erstis hier - mit Rasierschaum ein.

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