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Ein Jahr in Belgien - unvergesslich

Lüttich/Liège in Belgien

Lüttich/Liège in Belgien

Wie es mich nach Belgien verschlagen hat? Ganz einfach: Ich war Pate von einem belgischen Studenten, der an unserer Fachhochschule ein Semester studierte. Er hat mir von seiner Hochschule in Lüttich berichtet - der Business School Hautes Etudes Commerciales (HEC). Mir hat die Darstellung so gut gefallen, dass ich mein Auslandssemester in Belgien absolvieren wollte – und es letztlich auch nicht bereut habe.
 Meine FH in Aschaffenburg hat mit dem HEC einen Vertrag, dass pro Semester zwei Studenten einen sicheren Studienplatz in Lüttich bekommen. Dabei erhielt ich finanzielle Unterstützung durch das ERASMUS-Programm.
 

Das Land und seine Leute
 Belgien ist in vieler Hinsicht ein besonderes Land. Häufig werde ich von Leuten gefragt, wie gut denn nach sechs Monaten mein Belgisch sei. Umso erstaunter sind meine Gesprächspartner dann, wenn sie hören, dass in Belgien drei offizielle Sprachen existieren: Deutsch, Französisch und Niederländisch. Das Land hat daher drei Sprachgemeinschaften. Die deutschsprachigen Belgier sind mit 60.000 von zehn Millionen Einwohnern eine klare Minderheit. Auf Grund der sprachlichen und kulturellen Unterschiede ist das Land in drei Regionen aufgeteilt: Wallonien, Flandern und die Region Brüssel.
 

Flamen gegen Wallonen
 Zwischen Wallonien und Flandern existieren seit eh und je Spannungen. Das französischsprachige Wallonien ist ärmer. Die wichtigsten belgischen Wirtschaftszentren wie Brüssel, Antwerpen und Brügge sind alle im flämischen Teil. Hinzu kommt, dass Wallonien von der französischen und Flandern von der niederländischen Lebensart geprägt ist. Ordnung und hartes Arbeiten passen nun mal nicht wirklich zum französischen Savoir-vivre. Deshalb herrscht vor allem in Wallonien eine natürliche Abneigung gegenüber dem großen Bruder Frankreich. Franzosen werden als hochnäsig abgestempelt. Es gibt beispielsweise bei einer Fußballweltmeisterschaft immer zwei Gründe, warum sich ein Belgier freut: Wenn die eigene Mannschaft gewinnt, und wenn die "Grande Nation" verliert. Berühmt sind wohl auch die beleuchteten Autobahnen. Astronauten sehen im Weltall zwei Dinge: die chinesische Mauer und eben das belgische Autobahnnetz.
 

Gastronomische Spezialitäten
 In der Gastronomie gibt es drei Bereiche, auf die Belgien stolz ist: Schokolade, Bier und Pommes Frites. Galler, Leonidas und Godiva sind die Edelmarken belgischer Pralinen. An praktisch jeder Ecke findet sich eine Chocolaterie wie im Kinofilm Chocolat. Bier ist in Belgien Nationalgetränk wie in Deutschland. Nur mit dem Unterschied, dass es kein Reinheitsgebot gibt. Es existieren über 600 verschiedene Biersorten, die zum größten Teil durch Mischungen mit verschiedenen Früchten und sogar Schokolade zustande kommen. Es ist also kein Wunder, dass die größte Brauerei der Welt Interbrew in Belgien ansässig ist. Nur wenige wissen, dass die beliebten Pommes Frites aus dem Land der europäischen Hauptstadt kommen.
 

Namen - so viele Namen
 Ich habe in Lüttich studiert. Auf französisch heißt es Liège. Die meisten Städte haben einen Doppelnamen: Brüssel ist Bruxelles, Antwerpen ist Anvers oder Brügge ist Bruges. Und wie sieht es in Lüttich aus? Lüttich ist sehr dreckig und die Kriminalitätsrate extrem hoch. Es handelt sich um eine echte Metropole, in der sich Kulturen aus aller Herren Länder zu treffen scheinen. Lüttich hat aber auch sehr viel schöne Sehenswürdigkeiten: im Zentrum die Oper, der Prinzenpalast, das Wahrzeichen Perron, das Ratshaus, die Citadelle oder die Basilika. Durch die Stadt fließt die Maars (französisch: La Meuse).
 

Wohnen und Leben in Lüttich
 Einige Hinweise für die Wohnungssuche: Studentenzimmer werden Kots genannt. Je nach Lage und Ausstattung zahlst du zwischen 180 und 300 Euro. Die Lebenshaltungskosten sind mit Deutschland vergleichbar. Lebensmittel sind eine Idee teurer. Das Bahnnetz ist vorbildlich. Studenten können sich für 39 Euro ein "GoPass-Ticket" kaufen. Mit dieser Zehnerkarte reisen die Studenten dann durch ganz Belgien.
 

Studium in Lüttich
 In Lüttich existieren zwei Hochschulen: Die private HEC und die Uni. Ich habe am HEC studiert. Es gibt grundsätzlich zwei Studienzweige: Licence (vier Jahre) und Ingénoriat (fünf Jahre). Sie unterscheiden sich lediglich darin, dass das Ingénoriat noch zusätzlich Physik und Chemie beinhaltet. Bei der Licence gibt es die Schwerpunkte Marketing, Finanzen und Internationales Management. Zusätzlich bietet die HEC einen postgradualen Zweig an, bei dem du deinen Master in einem Jahr abschließen kannst. Das HEC genießt in Belgien hohes Ansehen. Wer einen Abschluss beim HEC vorweist, hat quasi eine Jobgarantie. Jährlich fangen 800 Studenten an, nach einem Jahr bleiben aber nur noch 200 Studenten übrig. Allgemein existiert in Belgien kein Abitur. Wer mit dem Gymnasium fertig ist, kann sich an einer Hochschule einschreiben. Daher sind die Studentenzahlen im ersten Jahr höher.
 

Hohe Punktzahlen und hochkarätige Dozenten
 Es wird auch nicht in Semestern, sondern in Jahren gerechnet. Das Notensystem ist ebenfalls verschieden: 20 Punkte sind hervorragend und werden am HEC aus Prinzip nicht vergeben; zwölf Punkte müssen mindestens erreicht werden. Dadurch ist es schwerer zu bestehen als in Deutschland. Wir Deutschen brauchen schließlich nur 50 Prozent. Wenn ein Student innerhalb eines Jahres in einem Fach weniger als sieben Punkte erreicht, muss er das gesamte Jahr wiederholen (auch die bereits bestandenen Scheine). Die Dozenten sind teilweise hochkarätig. Ich persönlich hatte bei einem Vorstandsmitglied der Bilbao Bank eine Veranstaltung. Selbst der belgische Finanzminister hält Vorlesungen. Die Prüfungen sind häufig mündlich. Studierende müssen zusätzlich Seminararbeiten schreiben und präsentieren. Im Übrigen besteht die Möglichkeit, ohne jegliche Französischkenntnisse am HEC zu studieren. Denn es werden zahlreiche englischsprachige Vorlesungen angeboten - in netter Atmosphäre.
 

Studentenleben in Lüttich
 Am HEC und in der gesamten Stadt gibt es ein reges Studentenleben. Im Zentrum, dem sogenannten "Carré", reiht sich eine Kneipe an die andere. Parties stehen auf der Tagesordnung. Absolut lobenswert ist die Betreuung der ERASMUS-Studenten. Es gibt ein Auslandsamt an der Hochschule, das sich ausschließlich um die Auslandsstudenten kümmert. Zusätzlich existiert die Studentenorganisation Erasmus Student Network. Belgische Studenten helfen den Austauschstudenten bei der Wohnungssuche und beantworten alle Fragen. Zusätzlich organisieren sie Fahrten und Parties, wodurch sich alle ERASMUS Studenten schnell kennen lernen.
 

Fazit
 Insgesamt war der Aufenthalt am HEC eine echte Bereicherung und eine super Erfahrung. Ich würde mich jedes Mal wieder für Belgien und speziell für Lüttich entscheiden.
 

Unter aknuppertz@unec.de kannst du Alexander eine Mail schreiben.

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