Eva Maria Simon

Master-Programme

Das Werben um die Besten

Die Master-Programme sind internationaler geworden - und unübersichtlicher. Ein Überblick über die interessantesten Angebote.

Felix Röckle weiß, was er will: Ideen umsetzen, organisieren, Kontakt zu Unternehmen knüpfen. Nach seinem Bachelor-Abschluss an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg hat er sich BWL-Master-Programme in ganz Europa angeschaut. Und nach langem Suchen das Passende gefunden: "Innovation Management and Entrepreneurship". Zwei Semester wird er an der Technischen Universität (TU) Berlin verbringen, zwei an der Universität Twente im niederländischen Enschede. Was den 22-Jährigen daran gereizt hat? "Der Studiengang wird auf Englisch angeboten und man kann einen Doppelabschluss machen." 

Abbildung: Master-Programme der forschungsstärksten BWL-Fakultäten

Master-Programme im Vergleich [Quelle: Handelsblatt]

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Seit der Bologna-Reform stehen die Hochschulen europaweit im Wettbewerb um Bachelor-Absolventen wie Felix Röckle. Die legen immer mehr Wert auf Internationalität: Die Zahl aller deutschen Studenten, die für eine gewisse Zeit ins Ausland gehen, hat sich im vergangenen Jahrzehnt mehr als verdoppelt - auf über 115.000 pro Jahr, so das Deutsche Studentenwerk. 

Die Unis reagieren, um diese Kandidaten anzulocken: Ihre Programme sind seit der Reform internationaler geworden. Das zeigt auch die Übersicht des Handelsblatts über die Master-Programme der führenden BWL-Fakultäten: Viele Hochschulen bieten Doppelabschluss-Programme und englischsprachige Studiengänge an. Doch in der Praxis versperren noch einige Schranken den Weg ins Ausland. 

"In den Master-Studiengängen ist der Wettbewerb zwischen den Hochschulen viel stärker als beim Bachelor", sagt Karin Stenke, die in München an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) die Austauschprogramme koordiniert. Die Fakultät lockt zum Beispiel mit einem Dreifach-Abschluss: Im "European Master in Management" erwerben die Studenten je ein Zertifikat in München, Birmingham und Lyon. Das hat allerdings seinen Preis: 7.750 Euro pro Semester. Erst seit es überall Master-Studiengänge gibt, seien solche gemeinsamen Programme möglich, sagt Stenke. Dank der einheitlichen Leistungspunkte (ECTS) sei es einfacher, grenzüberschreitend einen Stundenplan zusammenzustellen. Auch andere Universitäten bieten Doppelabschlüsse an. Die Mannheimer Management-Studenten können zwischen fünf verschiedenen wählen. 

Noch Fragen offen?

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Doch beim Basteln internationaler Programme stoßen die Hochschulen oft an Grenzen. Jan Kratzer, Professor für Entrepreneurship an der TU Berlin, kritisiert: "Die Semesterstrukturen sind immer noch unterschiedlich." Er organisiert den Doppel-Studiengang mit der niederländischen Universität Twente: "Wenn dort Mitte Februar das Sommersemester beginnt, ist bei uns das Wintersemester noch nicht zu Ende." 

Wer sich nicht für ein Doppel-Programm einschreibt, sondern nur zwischendurch für ein Master-Semester ins Ausland gehen will, für den ist es seit der Reform sogar schwieriger geworden. "Die einzelnen Studienabschnitte sind stärker strukturiert als beim Diplom", sagt Karin Stenke von der LMU München. "Die Flexibilität ist geringer." Zudem laufe die Anrechnung von ausländischen Leistungen nur in der Theorie reibungslos. 

Ähnlich sieht es bei den Noten aus: Europas Hochschulen haben sich zwar auf eine Skala von A bis F geeinigt. Die besten zehn Prozent eines Kurses, die bestanden haben, sollen ein "A" bekommen. Diese relativen Noten würden aber kaum genutzt, sagt Robin Rühlicke, der an der Uni Duisburg-Essen die Studenten für das BWL-Programm auswählt. Inzwischen hat schon die Hochschulrektorenkonferenz die Unis aufgefordert, ausländische Leistungen besser anzuerkennen. 

Trotz allem ist es in den Hörsälen bunter geworden - auch was die Inhalte betrifft. Da die Grundausbildung im Bachelor stattfindet, können sich die Unis beim Master stärker spezialisieren: "Consumer Affairs" an der TU München, "Sustainability Economics and Management" in Oldenburg, "Energiewirtschaft und Finanzwirtschaft" in Duisburg-Essen. 

Gerade kleinere, weniger bekannte Fakultäten können sich so profilieren. An größeren Fakultäten haben Studenten dagegen die Wahl: enge Spezialisierung oder breiter Horizont, Praxisnähe oder schneller Übergang in die Doktorandenschule. "Unseren Master kann sich jeder so gestalten, wie er ihn sich vorstellt", sagt Liane Weitert, Sprecherin der BWL-Fakultät in Mannheim. Als Nebenfach dürfen die Betriebswirte fast alle Fächer wählen. 

Bewerber haben also die ganz große Auswahl. Doch der Kampf um die Plätze ist hart. Ein Bachelor-Absolvent bewirbt sich im Schnitt an acht Hochschulen, hat das Hochschul-Informations-System HIS festgestellt. Das hat Alexandra Lange noch vor sich. Die 22-Jährige steckt mitten im Bachelor-Studium an der Uni Köln, denkt aber schon über einen Master in München, Köln, Amsterdam oder Maastricht nach. Dabei muss sie sich gegen Bewerber aus anderen Ländern und Fachrichtungen durchsetzen. Weil die Noten kaum vergleichbar sind, setzen die Hochschulen immer häufiger auf Eignungstest und verlangen Motivations- und Empfehlungsschreiben. Oft müssen Bewerber auch die internationale Prüfung "Graduate Management Admission Test" (GMAT) vorweisen. Die soll analytisches Denken erfassen und kostet 250 Dollar. Häufig kommt noch der ebenfalls kostenpflichtige Englisch-Sprachtest TOEFL hinzu. 

"Ich weiß nicht, ob diese vielen Zusatztests sinnvoll sind, wenn man schon einen Bachelor-Abschluss vorweisen kann", sagt Studentin Lange. Sie ist froh, dass sie noch Zeit hat: Bevor sie sich für ein Masterprogramm entscheidet, will sie erst mal Berufserfahrung im Marketing sammeln. Am liebsten im Ausland. 

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