Zentrum für Europäische Integrationsforschung
Master of European Regulation of Network Industries (LL.M.)
Der Master of European Regulation of Network Industries (MERNI) ist ein bisher einzigartiger interdisziplinärer Postgraduiertenstudiengang. Er bereitet auf eine Karriere als Regulierungsexperte für Netzwirtschaften und verwandte Wirtschaftszweige vor.
Kontakt
Wiebke Drescher
MERNI Programmkoordinatorin
Walter-Flex-Str. 3
53113 Bonn, Deutschland
Tel.: +49-228-73-1734
Fax: +49-228-73-1893
E-Mail: merni@uni-bonn.de
Homepage: www.zei.uni-bonn.de/lehre/master-of-european-regulation-of-network-industries-merni
Exzellente Berufsaussichten nach dem Abschluss, Internationalität, eine perfekte Verbindung von Theorie und Praxis und Interdisziplinarität – das bescheinigt die Akkreditierungsagentur FIBAA dem postgradualen LL.M.-Studiengang "Master of European Regulation of Network Industries" (MERNI) der Universität Bonn.
Das Studium vermittelt Regulierungs-Know-how sowie juristische und betriebswirtschaftliche Fähigkeiten. Diese sind auch in der öffentlichen Verwaltung und der Privatwirtschaft - genannt seien hier Unternehmensberatungen und Finanzinstitute – von Bedeutung.
Die Fakultät ist international ausgerichtet und mit führenden Wissenschaftlern und High Potentials aus der Privatwirtschaft besetzt. Da zudem eng mit Industrie und Regulierungsbehörden zusammen gearbeitet wird, kann akademisches sowie praxisorientiertes Niveau garantiert werden.
Studieninhalte
Das Programm besteht aus komplementären, in sich abgeschlossenen Modulen:
Basismodule
- Einführung in die Regulierung der Netzwirtschaften
- Liberalisierung der Netzwirtschaften in der EU
- Einführung in die wirtschaftwissenschaftlichen Aspekte der Netzwirtschaften
- Betriebswirtschaftliche Konzepte der Netzwirtschaften
- Einführung in das EU-Kartellrecht und in die Fusionskontrolle
- Beihilfenrecht und "Dienstleistungen von allgemeinem wirtschaftlichen Interesse"
- Internationale Rahmenbedingungen für die Netzwirtschaftsregulierung
- "Der regulatorische Gedanke und die Rechtsmittel": eine synoptische Übersicht
Spezialisierungsmodule zu diversen Netzwirtschaften
- Telekommunikation
- Energie (Elektrizität & Gas)
- Postdienstleistungen
- Transport (Luft & Bahn)
- Wasser
Abschluss
Master of Laws (LL.M.)
Studiendauer
Zwölf Monate: neun Monate Unterricht + drei Monate Arbeit an der Masterarbeit
Zugangsvoraussetzungen
Universitätsabschluss (alle Fachrichtungen)
Kosten
10.000 Euro
Unterrichtssprache
Englisch
Bewerbungsfristen
1. September für EU-Bewerber (31. Mai für Bewerber aus Nicht-EU-Staaten)
Im Porträt: Programmteilnehmerin
Sonja Fechtner (27) hat nach ihrem Jura-Studium den Master of European Regulation of Network Industries absolviert. Dabei lernte sie nicht nur, welche juristischen Fragen sie in den Netzwerkindustrien (wie Gas, Elektrizität und Post) berücksichtigen muss, sondern auch, wie man den Druck in einer Gasleitung berechnet.
Warum haben Sie sich für den Master of European Regulation of Network Industries entschieden?
Die Netzwirtschaften sind schon länger mein Thema. Ich kannte das Programm schon vor dem Start, da ich als studentische Hilfskraft am ZEI gearbeitet habe. So konnte ich das Team kennenlernen und wusste, dass eine gute Betreuung gewährleistet ist. Reizvoll an MERNI ist, dass man nicht nur juristische Aspekte kennen lernt, sondern auch technologische und betriebswirtschaftliche. Sich mit Fragen auseinanderzusetzen, mit denen man nicht vertraut ist, ist eine große Herausforderung. MERNI ist kein klassischer LL.M., denn der Studiengang steht nicht nur Juristen offen, sondern auch zum Beispiel BWLern und Politologen.
Wie viele Juristen gab es denn im Studiengang?
Wir waren nur sechs Juristen - von 16 Studenten aus neun Ländern: Mexiko, Panama, Griechenland, Russland, China, Türkei... Wir hatten wirklich einen sehr guten Austausch untereinander und konnten von den Erfahrungen der Anderen profitieren.
Was sind die Vorteile eines so kleinen Programms?
Man lernt vor allem die Dozenten sehr gut kennen. Wir haben zum Beispiel einen Dozenten angesprochen, ob wir mal seine Kanzlei in Brüssel anschauen können, woraufhin ein Ausflug organisiert wurde. Es gibt also Möglichkeiten, das Programm selbst zu gestalten. Und man wird sehr unterstützt: Zu Beginn sind wir Juristen bei wirtschaftlichen Fragen oft verzweifelt. Da hat die Studiengangsleitung spontan einen Tutor für uns bereitgestellt. Das ist nicht selbstverständlich. Ein anderer Dozent hat denen, die durch eine Klausur durchgefallen waren, Nachhilfe angeboten. Ich hatte das Gefühl: Hier kümmert sich wirklich jemand um uns.
Sie sind jetzt Regulierungsexpertin für Netzwirtschaften – was bedeutet das genau?
Die Netzwirtschaften umfassen Gas, Elektrizität, Post, Telekommunikation, Transport - in der Luft und auf der Schiene - und Wasser. Durch den Studiengang bekommt man Einblicke in diese Spezialgebiete. In jedem dieser Bereiche werden juristische, betriebswirtschaftliche, technische und Fragen der sektorspezifischen Regulierung untersucht.
Mit welcher Art Fragen beschäftigen Sie sich zum Beispiel?
Momentan werden beispielsweise im Energierecht und in der Telekommunikation auf europäischer Ebene die aktuellen Richtlinien- und Verordnungsvorschläge diskutiert. Dieser neue Gemeinschaftsrechtsrahmen muss auf nationaler Ebene umgesetzt werden, etwa in Form von Gesetzesnovellierungen. Im judikativen Bereich wird 2009 die Entscheidung vom Europäischen Gerichtshof zur Regulierung neuer Telekommunikationsmärkte erwartet. Für die Schiene steht das Gesetz zur Änderung von Vorschriften fürs Eisenbahnwesen an. Der Studiengang vermittelt da intensive Einblicke.
Wie stark ist der Praxisbezug beim MERNI?
Grob die Hälfte der Dozenten kommt aus der Privatwirtschaft oder aus den Regulierungsbehörden und nimmt in ihren Vorlesungen daher quasi automatisch Bezug auf ihren Arbeitsalltag. Wir haben auch viele Field Trips unternommen: So sind wir zum Beispiel zur Telekom gefahren und haben uns da alles angeguckt.
Um welche Fragen ging es bei den Fallstudien, die Sie bearbeitet haben?
Eine Frage, mit der sich Experten für die Netzwirtschaften beschäftigen, ist die anstehende Entscheidung des EuGH zur Regulierung neuer Telekommunikationsmärkte. Wie sieht das sektorübergreifend aus? Kann die Regulierung im Telekommunikationssektor übertragen werden auf die Elektrizität? Ein anderes Beispiel ist die Breitbandförderung: Inwieweit sollte die Breitbandförderung ausgebaut oder eingeschränkt werden? Bei zu viel Förderung eines Unternehmens werden andere Unternehmen benachteiligt und das kann den Wettbewerb verzerren. Existiert kein Wettbewerb, dann muss man wieder regulatorisch eingreifen. Aber es kam auch mal die Frage in einer Klausur, wie man den Druck in einer Gasleitung berechnet.
Welche Karrieremöglichkeiten gibt es in den Netzwerkindustrien?
Viele. Man ist überall einsetzbar, wo Regulierungs-Know-how gebraucht wird: Bei der Bundesnetzagentur, in der Telekommunikation, bei großen Energieversorgen, europäischen Institutionen und natürlich in Kanzleien. Es ist ein Feld, das Zukunft hat, und auf dem es viele aktuelle Entwicklungen gibt. Jeder wird fast täglich mit dem Thema konfrontiert: Zum Beispiel, wenn ich eine Nachricht von den Stadtwerken erhalte, dass die Preise wieder erhöht werden.
Was hat Ihnen das Studium für Ihre Karriere gebracht?
Erstmal hilft es natürlich, wenn man einen international anerkannten Titel hat. Ich bin jetzt Rechtsreferendarin in der Zivilstation und befasse mich auch mit energierechtlichen Fragen. Später möchte ich in einer Kanzlei arbeiten, die sich mit Regulierungen in der Energiebranche befasst, dafür interessiere ich mich sehr.
Sie sind Präsidentin des Alumni-Clubs – was bedeutet das für Sie?
Mein Jahrgang hat den Alumni-Club erst gegründet, da wir die ersten MERNI-Absolventen waren. Wir fanden es toll, dass Leute mit so unterschiedlichen fachlichen und persönlichen Hintergründen bei uns studiert haben und wollten in Kontakt bleiben. Viele von uns sind zurück in ihre Heimatländer gegangen, um ihre Karriere voranzutreiben. Im Moment ist der Alumni-Club ein Netzwerk zum Erfahrungsaustausch und funktioniert über facebook, studiVZ und Mailverteiler. Wir organisieren auch Treffen mit den Leuten, die noch in Deutschland sind. Aber langfristig ist ein Ausbau mit mehr Service-Angebot geplant.
Wem würden Sie das Studium empfehlen?
Man muss keine berufliche Erfahrung, aber auf jeden Fall ein Interesse an den Netzwirtschaften mitbringen. Und man darf keine Angst vor technischen und betriebswirtschaftlichen Fragen haben. Der Studiengang war eine tolle Erfahrung, weil man als Jurist nicht oft die Möglichkeit hat, sich in so begrenztem Zeitraum auf diesen Gebieten so viel anzueignen. Es ist zwar anstrengend und auch die Masterarbeit ist ein ganz schöner Brocken, aber es ist absolut lohnend. Die Field Trips haben mir außerdem gezeigt, welche interessanten Karriereoptionen es gibt.
