Catalina Schröder

Bewerben bei Begabtenförderungswerken

Durchblick im Stipendienwald

Begabtenförderungswerke locken mit einem monatlichen Stipendium, Seminaren, Akademien oder Exkursionen. Dazu bekommst du nützliche Kontakte zu Unternehmen, Parteien, kirchlichen Einrichtungen und anderen Stipendiaten. Doch wer fördert wen? Und wie behältst du bei all den Angeboten den Überblick?

 

Knapp ein Prozent der Studenten und Promovierenden in Deutschland wird von einem der zwölf Begabtenförderungswerken gefördert. Das macht rund 25.000 Stipendiaten. Je nach Einkommen ihrer Eltern erhalten sie von ihrer Stiftung bis zu 585 Euro pro Monat. Dazu gibt es – unabhängig von der finanziellen Lage der Eltern – 80 Euro monatliches Büchergeld.

Doktoranden und Eltern bekommen mehr

Doktoranden bekommen pauschal 1.050 Euro pro Monat und je nach Förderwerk zusätzlich eine Forschungskostenpauschale von 100 Euro. Hast du bereits eine eigene Familie, bekommst du noch mal einen Zuschlag von 155 Euro sowie einen Zuschuss zur Kinderbetreuung, der zwischen 155 und 255 Euro monatlich liegt. Der Vorteil gegenüber BAföG oder einem Studienkredit liegt auf der Hand: Vom Stipendium zahlst du keinen Cent zurück.

Gefördert werden in der Regel...

  • Erststudiengänge an staatlichen und staatlich anerkannten Hochschulen und Fachhochschulen
  • Aufbau- und Masterstudiengänge
  • Doktoranden, die zur Promotion an einer staatlichen oder staatlich anerkannten Hochschule zugelassen sind

Nicht gefördert werden in der Regel...

  • Ausschließliche Auslandsstudiengänge außerhalb der EU
  • Zweitstudiengänge
  • Studienabschlussphasen
  • Promotionen im Fach Medizin

Wie lange wirst du gefördert?

Die Förderungshöchstdauer entspricht wie beim BAföG der Regelstudienzeit deines Fachs und kann nur bei schwerwiegenden Gründen verlängert werden. Doktoranden wird zunächst für zwei Jahre ein Stipendium gewährt, das auf maximal vier Jahre verlängert werden kann.

Praktika und Sprachkurse - ausdrücklich erwünscht

Der Studienaufenthalt, das Praktikum, die Famulatur (ein für werdende Ärzte und Apotheker vorgeschriebenes Praktikum) oder der Sprachkurs im Ausland (sofern er für dein Studium sinnvoll ist) werden ebenfalls finanziell unterstützt und von den Begabtenförderwerken sogar ausdrücklich erwünscht. Die Höhe deines Zuschusses zu Reisekosten, Studiengebühren oder monatlichen Ausgaben, hängt ab vom Land, der Aufenthaltsdauer und der Höhe deines Inlandsstipendiums.

Ab ins Ausland. Doch welche Kosten übernimmt deine Stiftung?

Die Begabtenförderungswerke unterstützen Auslandsaufenthalte ihrer Stipendiaten in der Regel mit

  • einer Reisekostenpauschale
  • einem Zuschuss zum Lebensunterhalt
  • einem Zuschuss zu den ausländischen Studiengebühren

Einige Begabtenförderungswerke unterstützen zusätzlich die Teilnahme an einem Sprachkurs.

Angenommen, du möchtest sechs Monate an einer Uni in Australien studieren. Die Studienstiftung des deutschen Volkes würde deinen Aufenthalt in diesem Fall mit 1.200 Euro Reisekostenzuschlag und einer Übernahme der Studiengebühren von bis zu 10.000 Euro unterstützen. Erhältst du in der Regel ein Büchergeld, kommen während des Auslandsaufenthaltes noch einmal 250 Euro monatlich extra dazu. Bekommst du ein Stipendium, beträgt dein Auslandszuschlag pro Monat 335 Euro.

Checkliste: Das brauchst du zur Bewerbung

Die genauen Anforderungen an die schriftliche Bewerbung unterscheiden sich je nach Begabtenförderungswerk. In der Regel brauchst du folgende Unterlagen:

  • Anschreiben mit Begründung deiner Bewerbung
  • Lebenslauf mit gesellschaftspolitischem Engagement
  • Motivationsschreiben
  • Abiturzeugnis
  • Leistungsnachweise oder aktuelle Notenspiegel
  • Hochschullehrergutachten, als Abiturient: Fachlehrergutachten
  • Bei einer Promotion: zusätzlich ein Exposé

Von Anthropologie bis Zahnmedizin

Die zwölf Förderwerke decken ein breites Spektrum ab: Größtes und ältestes Begabtenförderungswerk ist mit aktuell 10.500 Stipendiaten die 1925 gegründete Studienstiftung des deutschen Volkes. Der Gründungsgedanke von damals ist auch heute noch aktuell. Er gilt für alle Begabtenförderungswerke: Sie wollen engagierten und leistungsstarken Studierenden die Möglichkeit bieten, sich auch über ihr Fach hinaus weiterzubilden. Gerade auch denjenigen, die sich ein Studium sonst nicht leisten könnten, soll das Studieren durch ein monatliches Stipendium ermöglicht werden.

Partei oder Kirche, Wirtschaft oder Gewerkschaft?

Zu den großen Förderwerken zählen auch die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung, die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung und die dem Arbeitgeberverband nahe Stiftung der Deutschen Wirtschaft. Das Cusanuswerk ist die Studienförderung der katholischen Kirche; das Studienförderwerk Villigst e.V. das evangelische Pendant. Ganz neu ist das jüdische Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk (ELES). Zu den Begabtenförderungswerken zählen weiterhin die CSU-nahe Hanns-Seidel-Stiftung, die vom Deutschen Gewerkschaftsbund gegründete Hans-Böckler-Stiftung, die der Linkspartei.PDS nahestehende Rosa-Luxemburg-Stiftung, die Heinrich-Böll-Stiftung, die den Grünen nahe steht, und die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung.

Platz 1: Jura, WiWis und Sozialwissenschaftler

Nimmt man alle zwölf Begabtenförderungswerke zusammen, stellen die Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler mit 32 Prozent den größten Anteil aller Stipendiaten (Studie des Hochschul-Informations-Systems (HIS) und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung). Mit etwas Abstand folgen die Sprach-, Kulturwissenschaftler und Sportstudenten auf Platz zwei (25 Prozent), gefolgt von den Mathematikern und Naturwissenschaftlern (17 Prozent). Die genaue Verteilung findest du hier.

Bitte früh bewerben

Für die Bewerbung gilt: je früher, desto besser. Denn die Begabtenförderungswerke möchten ihre Stipendiaten möglichst lange begleiten. Doch die Bewerbungsfrist variiert je nach Förderwerk. Bei vielen gilt, dass Diplom-, Staatsexamens- und Magister-Studenten sich bis zum Ende des vierten Fachsemesters bewerben können. Die Frist für Bachelor-Studenten läuft meist schon nach dem zweiten Semester ab - außer, ein anschließender Master ist bereits fest eingeplant. Angehende Doktoranden und Studenten, die sich erst zum Master für ein Stipendium interessieren, bewerben sich in der Regel vor Beginn ihrer Promotion oder ihres Masterstudiums.

Netzwerk über die Stipendiaten-Zeit hinaus

Wenn du möchtest, profitierst du auch nach deinem Studium oder der Promotion weiterhin von den Angeboten der Begabtenförderungswerke. In Alumni-Netzwerken organisieren sich die ehemaligen Stipendiaten, planen Seminare und Exkursionen und nutzen ihr Netzwerk auch, um berufliche Kontakte zu knüpfen. Häufig unterstützen sie die Stiftung freiwillig bei der Auswahl der neuen Stipendiaten oder stehen als Mentoren zur Verfügung.

PEOPLE e-fellow Joseph Schwarz 77x100

e-fellow Joseph (20) studiert im dritten Semester Philosophy and Economics an der Universität Bayreuth und ist Stipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS).

Joseph, welche Vorteile hast du durch dein Stipendium?
Jede Menge. Bei der Konrad-Adenauer-Stiftung gibt es viele Treffen, durch die ich die anderen Stipendiaten kennenlerne. Dadurch entsteht ein unheimlich wertvolles Netzwerk. Aktuell bin ich auf der Suche nach einer Uni, an der ich mein Auslandssemester verbringen kann. Von den anderen Stipendiaten bekomme ich gute Tipps. Klasse ist auch, dass die KAS viele Auslandsbüros auf der ganzen Welt hat. Praktikumsstellen in den Büros werden gerne an Stipendiaten vergeben. Und auch die Partnerunternehmen der Stiftung schreiben über unser internes Internetportal Praktikumsstellen oder Jobs aus. So werde ich auf Dinge aufmerksam, mit denen ich sonst gar nicht in Kontakt kommen würde.

Welche Pflichten hast du als Stipendiat?
Pro Semester treffen wir uns zehn bis zwölf Mal mit unserer Hochschulgruppe. Die Aktivitäten reichen vom Stammtisch oder einem Abendessen mit unserem Vertrauensdozenten über Opernbesuche bis hin zu Exkursionen. Neulich waren wir in Dresden und vor ein paar Wochen in Budapest. Alle Stipendiaten schreiben außerdem pro Jahr einen Bericht über ihre Studienentwicklung und ihr ehrenamtliches Engagement. Einmal pro Jahr hat man auch ein Gespräch mit seinem zuständigen Referenten der Stiftung. Zusätzlich müssen wir während unserer Förderzeit einmal an einem Grundlagenseminar teilnehmen. Es gibt viele weitere freiwillige Seminare.

Das klingt, als würdest du viel Zeit mit der Stiftung verbringen.
Ohne die Wochenendfahrten und Seminare verbringe ich etwa sechs Stunden pro Monat mit der KAS. Das ist vollkommen in Ordnung, denn es macht Spaß, Zeit mit den anderen Stipendiaten zu verbringen. Sie interessieren sich über ihr Studium hinaus für viele Dinge.

Die Konrad-Adenauer-Stiftung steht der CDU nah. Haben Bewerber, die sich parteipolitisch engagieren, einen Vorteil?
Der Anteil derjenigen, die Mitglied in der Jungen Union, im Ring Christlich-Demokratischer Studenten oder in der CDU sind, ist auf jeden Fall höher als bei anderen Studentengruppen. Gesellschaftliches Engagement zählt bei der Bewerbung sehr stark, es muss aber auf keinen Fall parteipolitisch sein. Ich bin beispielsweise in keiner Partei aktiv.

Wieso hast du dich für die KAS entschieden?
Ich habe mich direkt nach dem Abitur beworben. Von meiner Schule gab es zu Stipendien leider sehr wenige Informationen, also habe ich mich selbst im Internet informiert. Das Seminarprogramm der KAS hat mir gut gefallen und es gibt Partnerschaften mit Universitäten in den USA. Kurzum: Ich kann mich mit dem Profil der Stiftung identifizieren. Themen wie soziale Marktwirtschaft oder Globalisierung sollten einem als KAS-Stipendiat auch am Herzen liegen.

Weitere Ressourcen zu Stipendien


Kommentar schreiben

Sicherheitstext eingeben:*

* Pflichtfelder