Recherche-Software für Studenten
Auf zu neuen Ufern
Als es den Europäern zu eng wurde, machten sie sich auf die Suche nach Indien - und landeten in Amerika. Das Ergebnis war unerwartet; die Folgen interessanter. Wissenschaftler aus aller Welt eifern unseren Vorfahren nach und wagen sich auf den digitalen Ozean hinaus. In Netzwerken wie scholarz.net und ResearchGate erkunden sie neue Ufer der wachsenden Datenwelt.
Seite 1: Einführung
Seite 2: Programme zur Literaturverwaltung
Seite 3: Datenaustausch im Internet
Seite 4: Netzwerke in der Forschung
Scholarz.net
Der Will-Alles-Könner
Scholarz.net will so etwas wie die eierlegende Wollmichsau der Quellen- und Forschungsarbeit werden. Das Würzburger Projekt will dir alle Möglichkeiten einer guten Literaturverwaltung bieten. Du kannst Notizen anlegen, Dateien hochladen, Textpassagen suchen und Lesezeichen anlegen. Dazu soll der Austausch von Quellen und Sammlungen so einfach werden wie bei den vorgestellten webbasierten Lösungen. Außerdem baut scholarz.net für ein besseres Projektmanagement auf eine besondere Stärke des Web 2.0: das Social Networking.
Fisch sucht Schwarm
Momentan befindet sich das Angebot noch im Probestatus und zeigt dabei eine Schwäche von Social Networks: Ohne Anwender geht wenig. Noch fehlen dem Portal aktive Nutzer, die das System mit gutem Inhalt füllen. Scholarz.net muss eine kritische Mindestanzahl an Teilnehmern überschreiten, um seine Netzwerkvorzüge ausspielen zu können. Ist der Schwarm beisammen, dann kann die Website sich zum nützlichen Kooperations-Werkzeug der akademischen Arbeit entwickeln. Doch schon jetzt eignet es sich gut für die klassischen Aufgaben wie Textrecherche und Organisation der Dokumente.
Meine Daten, deine Daten?
Von der einfachen Hausarbeit bis zur Doktorarbeit kann jegliches Format organisiert werden. Dabei kann man sich in Forschungsgruppen vernetzen und Projektaufgaben unter den Nutzern aufteilen. Besonders interessant ist der Umgang mit dem Datenschutz. Die von dir ins Netz gestellten Informationen gehören weiterhin dir. Bei ähnlichen Ansätzen wie Google Notebooks sichert man dem Betreiber der Website das Recht zu, die eigenen Inhalte zu durchsuchen. Die eigenen Daten kannst du außerdem mit einer Backup-Funktion offline speichern. Das ermöglicht dir, internet-unabhängig zu arbeiten.
ResearchGate
Der Vorreiter
Wie gut die Kooperation von Wissenschaftlern im Internet funktionieren kann, zeigt ResearchGate. Die 2007 gegründete Plattform ist bereits ordentlich in Schwung gekommen. Derzeit arbeiten rund 50.000 registrierte Nutzer aus 196 Ländern mit dem Netzwerk. Der Konkurrent von scholarz.net stammt ironischerweise ebenfalls aus deutscher Feder. Der Harvard-Absolvent Ijad Madisch ist promovierter Mediziner und Informatiker und entwickelte die Idee zu ResearchGate während seines Studiums in den USA.
Facebook für Nerds
ResearchGate präsentiert sich auf den ersten Blick als eine Art Facebook für Nerds. Du kannst dir ein Profil einrichten, auf dem du deine Ausbildung, Arbeitserfahrung und Spezialthemen angibst. So finden sich schnell und einfach Menschen, die sich mit demselben Fachgebiet beschäftigen. Einige Wissenschaftsorganisationen nutzen die Plattform bereits als Kollegen-Netzwerk. ResearchGate will sie dabei mit neuen Funktionen unterstützen: Für die Zukunft sind die Einbettung von "Virtual Conferencing" und eine internationale Jobbörse geplant.
Alles unter einem Hut
Voll funktionstüchtig sind dagegen bereits die wichtigsten Werkzeuge: Mit Hilfe von "ReStory" schreibst du gemeinsam mit Kollegen an neuen Arbeiten. Statistische Erhebungen und Umfragen kannst du mit "ReVote" erstellen und "ReMeet" hilft dir beim Planen von Konferenzen mit deinen Partnern. Besonders praktisch ist die semantische Suchmaschine. Sie stöbert in über 40.000 bei Researchgate veröffentlichten Dokumenten und rund 30 Millionen Einträgen großer Datenbanken, wie Pubmed oder Citeseer. Dabei vergleicht ein spezieller Algorithmus den eingegeben Text mit den Artikeln der Fachzeitschriften und schlägt dir Texte mit ähnlichen Schwerpunkten vor. Auf diese Weise erhältst du schnell einen Überblick zu bisherigen Arbeiten über dein Thema.
Fazit
Für jeden Anspruch
Das Angebot an Recherche-Programmen ist vielfältig. Grundsätzlich findet sich für jeden Anspruch eine passende Lösung. Programme wie EndNote und Citavi erleichtern mit ihrer zugänglichen Benutzeroberfläche auch unerfahrenen Anwendern die Arbeit mit einer Literaturverwaltungssoftware. Wer mehr Freiheit in der formalen Gestaltung der Ergebnisse sucht, ist mit Programmen wie JabRef gut bedient. Die längere Einarbeitungszeit wird mit professionellen Layout-Möglichkeiten belohnt. Webbasierte Lösungen wie CiteULike oder Zotero erweitern die eigene Datenbank um das gesammelte Wissen zahlreicher anderer Nutzer. Dafür teilt man allerdings auch die eigenen Ergebnisse mit der Welt.
Die "Neue Welt"
Projekte wie "scholarz.net und ResearchGate wagen sich weiter hinaus. Sie wollen zugleich Literaturverwaltung, Datenbank, Recherchewerkzeug und Organisationsforum für die heutige Forschung sein. Die Menge an Informationen ist enorm, die damit immer mehr Menschen schneller und einfacher denn je zur Verfügung steht. Auch wenn die global vernetzte Projektarbeit noch sehr jung ist. Im Internet suchen Wissenschaftler damit ihren modernen "Weg nach Indien" - vielleicht entdecken sie ja am Ende wieder eine "Neue Welt".
