von Stefani Hergert

Promotion versus Ph.D.

Herr Doktor!

Europäische Schulen rüsten ihre Ph.D.-Programme auf. Mit der deutschen Promotion ist der Titel nicht vergleichbar.

 

Der Doktortitel Ph.D. ist vor allem in den englischsprachigen Ländern verbreitet, tritt aber auch international einen Siegeszug an. Mit der Krise bekommt diese Entwicklung nochmal einen Schub, die Bewerberzahlen steigen an vielen Schulen - in den USA und Europa. Auch wenn der Titel für die Abkürzung des lateinischen "Philosophiae Doctor" steht, tragen ihn ebenso Ökonomen und Politologen mit dem Zusatz ihres Faches: Ph.D. in Business, zum Beispiel.

Viele europäische Schulen und Universitäten stellen ihre Doktorprogramme deshalb jetzt auf den Ph.D. um. Die Entwicklung ist wie beim MBA: Wer ein gutes Programm sucht, muss dafür nicht mehr über den Atlantik blicken.

Die spanische Schule IESE, die Cass Business School in London oder die Pariser HEC sind nur drei, die ihre Doktorprogramme internationalsiert haben. "So ist es sehr einfach für uns, mehr amerikanische Studenten anzuziehen", sagt Laoucine Kerbache, Direktor des Ph.D.-Programms an der HEC. Auch einige deutsche Universitäten gehen den Schritt.

Die Anpassungen an den internationalen Standard haben ihren Grund. "Ohne Ph.D.-Programme heißt es immer, sie würden die Forschung nicht ernst nehmen", sagt Insead-Professor Christoph Loch. Wer aber global in der ersten Liga mitspielen will, muss nicht nur gute Lehre anbieten, sondern auch forschungsstark sein. "Das Ph.D.-Programm ist wichtig für die internationale Sichtbarkeit", sagt Africa Arino, Leiterin des Ph.D.-Programms an der spanischen Schule IESE. Denn im "war for faculty" zu bestehen und exzellente Professoren anzuwerben, steht und fällt mit der Forschung - und damit auch mit dem Ph.D-Programm.

Mit dem deutschen Doktor hat der international bekannte Abschluss indes wenig gemein. Das wissen nur noch immer zu wenige. "Wir kämpfen gegen Unwissenheit, nicht gegen Konkurrenten", sagt Loch. In vielen deutschen Vorstandsetagen trifft man noch immer den Herrn Doktor. In anderen Ländern ist das kaum denkbar. Nur wer wirklich in die Wissenschaft und Forschung will, wählt dort den Ph.D.. "Wenn jemand auch nur mit 30-prozentiger Wahrscheinlichkeit in die Wirtschaft gehen will, macht es keinen Sinn, einen Ph.D. zu machen", sagt daher Andreas Hackethal, Dekan der Goethe Business School.

Christine Larbig ist im letzten Jahr ihres Ph.D. an der Cass Business School in London und dank einer Teilzeitstelle als Dozentin an der Hochschule Luzern schon in der Wissenschaft angekommen. Im ersten Jahr des Ph.D. hat sie ein Masterstudium absolviert. Das hieß: zwei Tage je Woche Vorlesungen und Kurse in Sozialwissenschaften und ein Tag Unterricht in Managementforschung. Die Kurse waren speziell auf ihr Forschungsinteresse Service-Innovationen im Marketing zugeschnitten. In der restlichen Zeit hat sie Literatur für die Kurse aufgearbeitet. "Die Belastung beim Ph.D. ist in den ersten ein bis eineinhalb Jahren extrem hoch", sagt Larbig. Zudem traf sie sich schon im ersten Jahr mit ihren beiden Supervisors, Professoren der Schule aus unterschiedlichen Fachgebieten.

Als Larbig begann, war das Programm an der Cass noch auf drei Jahre angelegt, die Schule hat es nun aber angepasst. Vier Jahre sind es bis zum Ph.D., nach dem ersten Jahr Vollzeit-Studium legen die Studenten die Prüfung zum Master in Research ab. Wer den oder einen vergleichbaren Master schon hat, verkürzt um ein Jahr. "Unser Modell ist jetzt näher am amerikanischen System", sagt Programmdirektor Ales Cerny.

Deutsche Doktoranden sind meist als wissenschaftliche Assistenten an den Universitäten angestellt, sie erhalten einen Lohn für ihre Tätigkeit. International ausgerichtete Ph.D.-Programme hingegen kosten - und das nicht gerade wenig. Darin spiegelt sich auch ein anderes Verständnis wider. "Ph.D.-Studenten sind keine Angestellten und keine Sklaven der Professoren", sagt Insead-Professor Loch. "Ich wollte nicht Assistent eines Doktorvaters sein", begründet Larbig ihre Wahl. Sie habe das Gefühl, dass an der Cass die Betreuung persönlicher und der Ph.D.-Student gleichberechtigt zum Supervisor sei.

Das Vollzeitprogramm kostet 4.500 britische Pfund im Jahr für Briten und EU-Bürger, alle anderen zahlen 9.500 Pfund. "Viele finanzieren den Ph.D. selbst", sagt Larbig. Einige Stipendien gibt es, doch eben längst nicht für alle. Die französische Schule HEC hingegen sponsert jeden Ph.D.-Studenten. Sie zahlen maximal 240 Euro Gebühren im Jahr und bekommen zudem ein Stipendium. Damit soll sichergestellt sein, dass sie sich auf das Wesentliche konzentrieren können: ihre Forschung.

 

 

© Handelsblatt GmbH. Alle Rechte vorbehalten. Zum Erwerb weitergehender Rechte wenden Sie sich bitte an nutzungsrechte@vhb.de.


Kommentar schreiben

Sicherheitstext eingeben:*

* Pflichtfelder