Promotion im Unternehmen
Doktortitel plus Berufserfahrung
Erstmal Berufserfahrung sammeln oder gleich promovieren? Vor dieser Frage stehen viele Absolventen. Die Erfahrung zeigt, dass nach einem Berufseinstieg nur noch wenige den Doktor machen. Bei einer Promotion im Unternehmen lassen sich Berufserfahrung und wissenschaftliche Weiterqualifizierung gleichzeitig verwirklichen.
Seite 1: Wege zur Promotion
Seite 2: Lehrstuhl oder Graduiertenkolleg
Seite 3: Promotion mit Stipendium oder extern
Seite 4: Promotion im Unternehmen
Doktoranden in Unternehmen sind bisher eine seltene Spezies. Wie bei den anderen Promotionsmodellen sind auch hier die Vorteile verbunden mit entsprechenden Herausforderungen. Gerade bei den Inhalten der Arbeit ist Verhandlungsgeschick gefragt. Denn was wissenschaftlich interessant ist, ist nicht unbedingt für das Unternehmen sinnvoll. Und was für das Unternehmen praktisch bedeutsam ist, muss nicht wissenschaftlich interessant sein. Als Doktorand muss man also die Interessen von Universität und Unternehmen in Einklang bringen können. Auch die Suche nach einem Doktorvater kann sich schwierig gestalten: Hilfreich sind hierbei oft eigene Kontakte, zum Beispiel zum Betreuer der Diplomarbeit oder Kontakte des Unternehmens zu Lehrstühlen und Hochschulen.
Beispiel: Das Doktorandenprogramm von Bosch Rexroth
Bei Bosch Rexroth sind derzeit 19 Doktoranden aktiv. "Die Sicherung des exzellent wissenschaftlich ausgebildeten Nachwuchses auf technischem und kaufmännischem Gebiet ist eine wichtige Voraussetzung für die Erhaltung unserer Wettbewerbsfähigkeit", sagt Andreas Daruwala, Referent im Personalmarketing bei Bosch Rexroth. "Mit der Vergabe von Doktorarbeiten verfolgen wir das Ziel, einen Beitrag zu einer praxisgerechten Hochschulausbildung zu leisten, qualifizierte Studenten und Hochschulabsolventen zu fördern und die Zusammenarbeit mit den Hochschulen zu intensivieren."
e-fellow Steffen (28) promoviert bei Bosch Rexroth zum Thema "Bewertung und Optimierung von Getrieben für mobile Arbeitsmaschinen". Die Promotion in einem Unternehmen bietet seiner Ansicht nach viele Vorteile - vor allem, wenn der Betreuer selbst schon einen Doktortitel hat.
Warum hast du dich für eine Promotion im Unternehmen entschieden?
Da kamen einige Gründe zusammen. Der wichtigste war wohl, dass ich eine Aufgabenstellung angeboten bekam, die mich interessierte. Außerdem dauert eine Industriepromotion meistens nur drei Jahre. Das Einkommen ist zwar nicht so hoch wie an der Uni - das braucht man direkt nach dem Studium aber auch nicht. Die Entscheidung für die Industriepromotion ist mir auch deshalb leichter gefallen, weil ich das Umfeld und die Kollegen vorher schon gut kannte. Viele haben selbst promoviert und wissen daher, was man durchmacht. Und natürlich ist die Promotion in der Firma ein Karrierekick, weil man im Anschluss viel schneller Verantwortung übernehmen kann. Die typische Einarbeitungsphase eines neuen Mitarbeiters, der von der Uni kommt, entfällt.
Wie sieht dein typischer Tagesablauf aus?
Einen typischen Ablauf gibt es nicht. So zwischen acht und neun Uhr fängt der Arbeitstag an, und zwischen 17 und 19 Uhr ist er vorbei. Manchmal verbringe ich viele Wochen mit Projektarbeit, dann gibt es aber auch ab und zu Wochen, in denen ich nur an meiner Dissertation schreibe. Von großer Bedeutung ist dabei das Zeitmanagement. Als Doktorand in einem Unternehmen muss man seinem Chef auch mal sagen können, dass man für eine Aufgabe keine Zeit hat. Verhandeln ist der richtige Weg: Ich mache gerne dies und das, aber jene dritte Aufgabe muss ich leider ablehnen, weil sonst meine Promotion leidet.
Wann arbeitest du an deiner Promotion?
Hauptsächlich während der Arbeitszeit. Idealerweise hat man ja ein Thema, an dem die Firma interessiert ist. Dann muss dafür auch Zeit sein. Das Schreiben der Dissertation ist die Dokumentation von mehreren Jahren Arbeit. Jeder Entwickler muss dokumentieren, was er tut - warum soll das gerade ein Doktorand in seiner Freizeit machen? Letztendlich kann man aber kaum davon ausgehen, dass die Promotion mit dem Ende eines dreijährigen Programms abgeschlossen ist. Die verschiedenen Überarbeitungsschleifen der Dissertation und das Promotionsverfahren ziehen sich bei den meisten noch ein weiteres Jahr hin.
Wie sollten angehende Doktoranden ihre Promotion im Unternehmen planen?
Falls du eine Industriepromotion anstrebst, solltest du dir das Umfeld, das dich erwartet, genau ansehen:
- Ist der Abteilungsleiter dein einziger Betreuer? Das ist schwierig - der hat nie Zeit.
- Gibt es Doktoren in der Abteilung? Das wäre gut, die können Tipps geben und betreuen. Idealerweise sollte der Betreuer selbst Doktor sein, sonst weiß er kaum, worum es geht.
- Gab es schon mal einen Doktoranden? Ist der nach der Promotion in der Firma geblieben?
- Du solltest vorher klären, wann die Dissertation abgegeben werden soll, damit alle gemeinsam darauf hinarbeiten können und du als Doktorand zum Ende hin ausreichend Freiräume bekommst.
Weiterführende Links zur Promotion
Akademische Stellenmärkte
- Akademischer Stellenmarkt von e-fellows.net
- Akademischer Stellenmarkt der DUZ
- academics.de - Akademischer Stellenmarkt der ZEIT
Anlaufstellen
- Thesis e.V.: Bundesweites Doktorandennetzwerk
- www.kisswin.de: Portal zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in Deutschland, gefördert und betreut von der Bundesregierung
- Promovierenden-Initiative: Zusammenschluss der Stipendiaten aus der Graduiertenförderung verschiedener Begabtenförderungswerke
Sonstiges
- Stipendiendatenbank von e-fellows.net
- Promotionsprogramme im e-fellows.net wiki
- Bundesbericht zur Förderung des Wissenschaftlichen Nachwuchses
Dieses Feature ist eine überarbeitete Fassung. Sie wurde ursprünglich von Heike Helfenstein und Edna Platzer geschrieben.
