von Melanie Grell

Wege zur Promotion

Mit Stipendium oder extern

Eine Promotion muss nicht immer eng mit der Universität verknüpft sein. Viele Doktoranden finden Unterstützung durch ein Stipendium oder promovieren extern. Auch hierbei sollten sie nicht den Zeitaufwand außer Acht lassen - denn eine Promotion bleibt ein hartes Stück Arbeit.

 

 Promotion mit Stipendium

Die meisten Stiftungen fördern eine Promotion mit einem Stipendium von zwei Jahren, oft kann man es um ein drittes verlängern. Der Höchstsatz entspricht meist in etwa dem Netto-Gehalt einer halben wissenschaftlichen Mitarbeiterstelle (rund 1.000 Euro/Monat steuerfrei). Hinzu kommt die ideelle Förderung, zum Beispiel durch Seminare, Aktivitäten in der Hochschulgruppe oder Betreuung durch Vertrauensdozenten vor Ort. In regelmäßigen Abständen erforderlich: der Bericht über den Stand der Dissertation mit aktualisierter Gliederung und Zeitplan.

Schöner promovieren - mit Stipendium

Manchmal gibt es nur wenige Alternativen zum Stipendium. Das gilt besonders in den Geisteswissenschaften: Dort sind Stipendien für etwa ein Drittel der Doktoranden die wichtigste Geldquelle. Auch für Doktoranden, die bereits eine konkrete Idee für ein Thema im Kopf haben, ist die Variante mit Stipendium die problemlosere. Sie tun sich manchmal schwer, die passende freie Stelle an einer Hochschule oder einem Unternehmen zu finden. Und wer ortsgebunden ist, ist mit dem Stipendium finanziell abgesichert und muss nicht auf das Entgegenkommen der örtlichen Universität vertrauen.

Promotion, Doktorarbeit

e-fellow Felix (29) promoviert seit Anfang 2006 an der Freiburger Uniklinik in medizinischer Physik. In seiner Dissertation entwickelt er Methoden der Kernspintomographie, mit denen sich die Herzleistungsfähigkeit beziffern lässt.

Warum hast du dich für die Promotion mit Stipendium entschieden?
Ich promoviere mit einem Stipendium der Friedrich-Ebert-Stiftung. Ich war dort bereits während des Studiums Stipendiat und habe von deren finanzieller und ideeller Förderung profitiert. Zur ideellen Förderung gehört auch ein abwechslungsreiches Seminarprogramm. Die Inhalte reichen von gesellschaftspolitischen und kulturellen Themen bis hin zu Führungstrainings. Außerdem werden jedes Jahr auch Studienreisen angeboten. Einen zweiten Schwerpunkt bilden Veranstaltungen der Stipendiatengruppen an den Hochschulorten. Schließlich wurde vor einigen Jahren auch ein Mentorenprogramm gestartet, bei dem sich ehemalige Stipendiaten als Mentoren zur Verfügung stellen.

Wann arbeitest du an deiner Promotion?
Unter der Woche arbeite ich relativ regelmäßig rund neun Stunden täglich. Ab und zu auch am Wochenende, weil da immer viel Messzeit an den Kernspintomographen zu haben ist. An Werktagen muss ich die Messzeit mit vielen Kollegen teilen. Wenn wichtige Deadlines für wissenschaftliche Konferenzen anstehen, ist es daher oft notwendig, auf das Wochenende auszuweichen.

Welche Vor- und Nachteile hat die Promotion mit Stipendium nach deiner Erfahrung?
Die Vorteile sind außer der ideellen und finanziellen Förderung die Bereicherung des Lebenslaufes und der Respekt, den man vom Betreuer der Doktorarbeit dafür bekommt, dass man sich selbst finanziert und nicht auf deren Geld angewiesen ist. Vielen – aber nicht allen – Stipendiaten bleiben Sonderaufgaben wie Lehrveranstaltungen durch das Stipendium erspart. Das Stipendium ist steuerfrei, aber man zahlt im Gegensatz zu einer Anstellung keine Beiträge in die Sozialversicherungen. Das heißt, man muss auch eine eigene Krankenversicherung abschließen. Die Bewerbung für eine Graduiertenförderung ist auch recht aufwändig. Gegenüber der Stiftung ist man außerdem halbjährlich zu einem Fortschrittsbericht verpflichtet. Das kann aber auch ein Vorteil sein, weil man dadurch zielstrebiger arbeitet.

Wie sollten angehende Doktoranden ihre Promotion planen?
In den Naturwissenschaften ist es am wichtigsten, sich einen guten Betreuer für die Arbeit zu suchen, weil man sehr stark auf gute Teamarbeit und Gedankenaustausch mit erfahrenen Wissenschaftlern angewiesen ist. Empfehlenswert ist es meiner Meinung nach auch, mit dem Betreuer vorher das Vorgehen und einen möglichst genauen Zeitplan durchzusprechen und Meilensteine festzulegen. Das hat den Vorteil, dass nicht nur der Doktorand, sondern auch der Betreuer das Ziel nicht aus den Augen verliert. So verhindert man auch, dass sich die Promotion in die Länge zieht. Gerade in den Naturwissenschaften sollte man sich aber darauf einstellen, auf unvorhergesehene Schwierigkeiten zu stoßen. Nicht jede Fehlerquelle bei der Entwicklung und Erforschung einer Methode lässt sich vorhersehen.

 Die externe Promotion

Promotion

Neben seiner Promotion in Jura arbeitet
e-fellow Tobias an zwei Tagen in der Woche in der Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer. Für ihn ist diese Art der Promotion ideal, weil er sich nur um sein Thema kümmern muss und nicht von seinem Professor mit Nebentätigkeiten belastet wird. Und die Arbeit in der Kanzlei bietet ihm den nötigen Abstand zu seiner Arbeit – so vermeidet er es, sich nur an seinen Schreibtisch zu verkriechen und hält Kontakt zur Außenwelt.

Wenn sich Promovierende übers Promovieren beklagen und monieren, ihr Professor hätte viel zu wenig Zeit, Interesse und Unterstützung für sie übrig, trifft das ganz häufig eine Gruppe: die Externen, die gleichzeit einer regulären Arbeit nachgehen. Kontakt mit ihrem Professor halten sie zwar per E-Mail oder Telefon, doch die neuesten Insider-Infos vom Lehrstuhl ersetzt das nicht. Und noch ein Problem plagt die Externen überdurchschnittlich häufig: das Zeitmanagement. Am Anfang noch hoch motiviert, verlieren viele auf der langen Wegstrecke den Überblick und die Zeit aus dem Auge. Professor Dr. Gerhard D. Kleinhenz vom Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialpolitik an der Uni Passau sagt: "Die meisten externen Promotionen scheitern daran, dass sich die Dissertation und die tägliche "normale" Arbeit nicht vereinbaren lassen. Viele Hoffnungen werden da vom Alltag aufgezehrt."

Seine Tipps an Externe deshalb:

  • Möglichst beständig den Kontakt zum Betreuer und zur Fakultät suchen.
  • Einen Bericht über den Fortgang der Arbeit abgeben.
  • Soweit möglich an speziellen Doktorandenprogrammen teilnehmen - eventuell auch Hauptseminare der späteren Prüfer besuchen.
  • Zum Ende der Bearbeitung eine Freistellung von mindestens sechs Monaten aushandeln.

Externe Promotion: wie lange noch?

Das Modell der externen Promotion könnte sich bald stark verändern. Durch den internationalen Wettbewerb im Zuge der Bologna-Reform und aufgrund der reformierten Doktorandenausbildung bieten Hochschulen vermehrt Pflichtstudienprogramme für Doktoranden in den Graduiertenschulen an. Das könnte die Promotion Externer erheblich erschweren: Sie kämen dann nur noch über eines dieser Programme an eine Promotionszulassung.