Gehalt als Doktorand

Was verdiene ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter?

Mit welchem Gehalt kann ein Doktorand rechnen? Was bringt ein Promotionsstipendium? Und was bekommst du für deine Dissertation bei einem Unternehmen?

Was verdienst du als wissenschaftlicher Mitarbeiter an deiner Uni während der Promotion? Wie fast überall gilt auch hier: Es kommt darauf an! Die Universitäten bezahlen ihre Angestellten nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Länder (TV-L). Dieser ist in so genannte Entgeltgruppen eingeteilt. Im TV-L gehören Doktoranden der Stufe E13 an, die wiederum in einzelne Entgeltstufen unterteilt ist.

Mehr Gehalt mit Berufserfahrung

Beginnst du deine Promotion, ohne vorher einschlägige - das heißt fachlich relevante - Berufserfahrung gesammelt zu haben, wirst du der ersten Entgeltstufe zugeordnet. Bei einer vollen Stelle an einer Uni beispielsweise in Nordrhein-Westfalen, verdienst du dann 3.064,54 Euro brutto im Monat. Bringst du mindestens ein Jahr Berufserfahrung in deinem Fachgebiet mit, steigst du mit 3.403,31 Euro brutto im Monat direkt auf Stufe 2 ein. Insgesamt ist E13 in fünf einzelne Stufen unterteilt. Höher als Stufe 2 oder 3 steigen Doktoranden in der Regel jedoch nicht auf. Denn die Anzahl der Jahre, die sie in einer Stufe bleiben, erhöht sich mit den Stufen: In Stufe 1 bleiben sie ein Jahr, in Stufe 2 zwei Jahre und so weiter.

Volle Stelle – halbe Stelle? West, Ost oder Berlin?

Allerdings ist bei den Gehältern Vorsicht geboten! Denn was sich zunächst gar nicht so schlecht anhört, gilt nur für eine volle Stelle. Häufig haben Doktoranden jedoch nur eine halbe Stelle und verdienen entsprechend weniger. Und um das Ganze noch ein wenig komplizierter zu machen, gibt es eine ganze Reihe von verschiedenen Verträgen. Der TV-L ist in folgende Gebiete gegliedert:

  • West (Baden-Württemberg, Bayern, Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Schleswig-Holstein)
  • Ost (Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen) und
  • Berlin
  • Hessen ist ein Sonderfall, hier gilt der TV-H, der Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst des Landes Hessen.

Der BAT

Dieser Tarifvertrag ist weitgehend außer Kraft gesetzt und wurde durch den TV-L ersetzt. Er gilt derzeit nur noch in Berlin. Doch auch hier wird wahrscheinlich zum 1. April 2010 der TV-L mit veränderter Entgelttabelle eingeführt.
Es lohnt sich also, bei der Stellensuche darauf zu achten, nach welchem Tarif deine Wunsch-Uni ihre Doktoranden bezahlt.

Zweite Möglichkeit: Promotionsstipendien

Bei den elf großen Begabtenförderungswerken bekommen Promotionsstipendiaten monatlich 1.050 Euro und obendrauf noch eine Forschungskostenpauschale von monatlich 100 Euro. Haben sie bereits eine eigene Familie, gibt es noch mal 150 Euro Familienzuschlag sowie 155 Euro Betreuungspauschale für das erste Kind und 50 Euro für jedes weitere. Zusätzlich können sie Reisekostenzuschüsse, Zuschüsse zur Auslandskrankenversicherung oder die Übernahme von Sprachkursgebühren beantragen. (Quelle: Stiftung der deutschen Wirtschaft)

Promotionsstipendien: Uni oder Stiftung?

Viele Unis vergeben inzwischen eigene Promotionsstipendien, so zum Beispiel die Uni Hamburg, die Uni Kassel oder die TU Chemnitz. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft oder der DAAD und viele Stiftungen, wie beispielsweise die Bundesstiftung Umwelt, unterstützten Doktoranden ebenfalls finanziell. Viele weitere Promotions-Stipendien findest du in der Stipendiendatenbank.

Promotion bei einem Unternehmen

Bei Promotionen in Kooperation mit einem Unternehmen haben Naturwissenschaftler die Nase vorn. Für sie gibt es die meisten Stellen. Die Telekom zahlt für Doktorarbeiten, die mit einem ihrer Projekte in Verbindung stehen, 3.000 Euro monatlich. Doktoranden, die ein eigenes Thema aus dem Gebiet der Telekommunikation mitbringen, bekommen 2.500 Euro monatlich. Auch Roche und Bosch fördern Dissertationen und bieten den Bewerbern befristete Mitarbeiterverträge oder Stellen als freie Mitarbeiter an. Ganz vorne mit dabei sind jedoch die großen Unternehmensberatungen: McKinsey stellt seine jungen Berater nach zwei Jahren bei fortlaufender Bezahlung ein Jahr lang für ihre Doktorarbeit oder einen MBA frei.

Zur Promotion ins Ausland?

In den USA und England funktioniert Promovieren häufig anders als in Deutschland. Denn dort gibt es mittlerweile viele PhD-Programme, für die die Kandidaten Stipendien oder Teilstipendien erhalten und daraus ihren Lebensunterhalt und die Studiengebühren finanzieren. Zwar unterrichten sie ähnlich wie ihre Kollegen in Deutschland häufig die jüngeren Studenten, richtig angestellt sind sie an der Uni aber meistens nicht. In der Schweiz verdienen Doktoranden an der ETH Zürich rund 60.000 Schweizer Franken pro Jahr (zirca 3.400 Euro monatlich). Doch auch hier gilt: Die Doktoranden haben in der Regel keine volle Stelle.

Vergleichen lohnt sich

Fazit: Reich werden Doktoranden weder als wissenschaftliche Mitarbeiter an der Uni, noch in der Industrie oder als Stipendiaten. Je nach Fach lohnt es sich aber durchaus, die Verdienstmöglichkeiten zu vergleichen. Die beste Ausgangsposition bringen Naturwissenschaftler mit. Geisteswissenschaftler haben es hingegen schwer, eine Promotionsstelle in einem Unternehmen zu bekommen. Doch auch sie können vergleichen und so für die Romanistik-Promotion in München vielleicht ein bisschen mehr bekommen als in Potsdam.


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