MBA bei McKinsey
McKinsey & Company: Jan Petzel
Jan Petzel (29) studierte Maschinenbau in Stuttgart, Zürich und am MIT in Boston, bevor er 1998 im Fellowship-Programm von McKinsey einstieg.
Von Mitte 2001 bis Mitte 2003 absolvierte er ein Vollzeit-MBA-Studium an der Harvard Business School in Boston.
Warum hast du dich für ein MBA-Programm statt für eine Promotion entschieden?
Der MBA komplettiert mein Maschinenbau-Studium mit betriebswirtschaftlichen Kenntnissen. Ich möchte mir außerdem die Möglichkeit aufbauen, in Zukunft in den USA zu arbeiten. Ein Doktor-Titel wird dort rein akademisch gesehen, der MBA hingegen qualifiziert mich für Management-Aufgaben. Schließlich: Ein MBA-Jahrgang bildet den Nukleus für ein künftiges weltweites Netzwerk von Gleichgesinnten auf einer persönlichen als auch beruflichen Ebene.
Wie sieht dein typischer Arbeitsalltag in Harvard aus?
Meine Woche besteht aus 13 Classes: Eine Class ist eine 80-minütige Sitzung, in der wir Fallstudien besprechen. Ein Unternehmen wird darin mit einem konkreten Problem geschildert, dessen Lösung wir gemeinsam erarbeiten. In der Vorbereitung brauche ich etwa eine Stunde pro Class, um die Materie zu lesen und Fragen vorzubereiten.
Warum hast du dich für Harvard entschieden?
Die Case Method, die Analyse von etwa 600 Fallstudien im Verlauf von zwei Jahren, hilft, einen Datensatz von Referenzfällen aufzubauen. Ich schätze die täglichen Diskussionen auf dem Campus. Harvard ist außerdem ein Name, der weltweites Ansehen genießt und es einem ermöglicht, "instant credibility" zu erreichen. Schließlich habe ich hier die Möglichkeit, von Professoren zu lernen, die in vielen akademischen Bereichen führend sind.
Welche Eindrücke hast du bisher von der Business School gesammelt?
Inhaltlich habe ich im ersten Jahr viel gelernt, das mir aus meiner Zeit als Unternehmensberater schon bekannt war. Das zweite Jahr war für mich deshalb interessanter, da man sich jetzt spezialisieren konnte. Obwohl sich Harvard bemüht, eine internationale Perspektive einzunehmen, liegt der Fokus doch auf dem US-amerikanischen Markt. 80 Prozent des Stoffs ist auf die USA ausgerichtet, ob es sich nun um Fallbeispiele handelt oder um rechtliche Fragestellungen. Allerdings kann man einzelne Projekte "geografisch" auswählen und so die europäischen Perspektive stärker betonen. Mir gefällt auch, dass sich die Balance zwischen Arbeitsaufwand und sozialem Leben die Waage hält: Ich bin selten soviel gereist wie in meiner Zeit in Harvard.
Wie unterstützt dich McKinsey bei deinem MBA-Studium?
Ich bin bei McKinsey im so genannten Fellowprogramm eingestiegen. Das bedeutet normalerweise, dass man zwei Jahre arbeitet und dann für den MBA oder die Promotion freigestellt wird - bei vollem Gehalt für ein weiteres Jahr. Außerdem trägt McKinsey die Hälfte meiner Studiengebühren. Ich hatte nach meinen zwei Jahren noch die Möglichkeit, für ein Jahr über McKinsey nach Asien zu gehen, so dass sich mein MBA-Studium nach hinten verschob.
Dein MBA-Programm dauert zwei Jahre. Im ersten Jahr erhältst du noch dein Gehalt, wie finanzierst du dich im zweiten Jahr?
Einmal über Ersparnisse. Dann über ein Darlehen, das jeder MBA-Teilnehmer von Harvard zu sehr guten Konditionen erhalten kann.
Welchen Tipp würdest du jemandem geben, der sich für ein MBA-Studium entscheidet?
Die eigentliche Herausforderung eines MBAs ist nicht das Programm selbst, sondern der Bewerbungsprozess. Die Zeitinvestition sollte nicht unterschätzt werden. Um alle Formulare wie GMAT oder Referenzschreiben zusammenzubekommen, habe ich ein halbes Jahr vor der Bewerbungs-Deadline begonnen. Was ich sonst noch raten kann: Enjoy the time...
