von Julia Büttner

MBA-Stipendium der Copenhagen Business School

Dynamo-Start ins Berufsleben

PEOPLE Timm Wallrodt nach dem MBA 77x100

Vor einem Jahr haben wir Timm Wallrodt (28) schon einmal interviewt. Da hatte er sein MBA-Studium an der Copenhagen Business School gerade begonnen. In seinen MBA hat Timm so viel Energie gesteckt, dass ihm der CEO von Siemens Dänemark bei der Zeugnisverleihung feierlich ein Geschenk überreichte: einen Dynamo.


Herzlichen Glückwunsch! Du hast von der Copenhagen Business School einen Preis für die beste Studienleistung bekommen – wie kam es dazu?
Natürlich unter anderem durch einen gesunde Portion Fleiß. Man investiert viel Zeit und Geld in einen MBA und strengt sich schon allein deshalb an. Und wenn man schon mal im Berufsleben stand, kann man das Studium wieder sehr schätzen. Sicher lag mir das Programm auch, denn ich bin eher Generalist als Spezialist.

Wie und wann hast du von dem Preis erfahren?
Erst bei der Zeugnisverleihung – ich war total überrascht! Zuerst überreichte mir der CEO von Siemens Dänemark nur einen Fahrrad-Dynamo mit der Erklärung, dass ein Dynamo Energie erzeugt und ich ja auch viel Energie ins Studium investiert hätte. Darüber habe ich mich schon gefreut. Aber dann bekam ich noch ein Fahrrad dazu - das war natürlich noch besser.

Hinter dir liegt ein Jahr an der CBS – haben sich deine Erwartungen erfüllt?
Auf jeden Fall. Das Jahr war unglaublich gut. Sowohl die Studieninhalte als auch das Gefühl, noch mal Student zu sein. Wir waren 40 in der Klasse mit ganz unterschiedlichem Hintergrund, aber alle mit ähnlichen Interessen.

Was war dein Highlight im Studium?
Ganz klar: der Leadership-Kurs in Schweden. Dort haben wir angewendet, was wir vorher in der Theorie gelernt haben. Wir haben eine knappe Woche in der Wildnis gezeltet - sogar das Zelt mussten wir uns aus einer Plane und Seilen selber bauen. Viele von uns haben erst in dieser Woche für sich herausgefunden, was "Führen" für sie bedeutet. Ich war anfangs nicht hundertprozentig davon überzeugt, dass mir diese Leadership-Kurse etwas bringen. Aber wir haben sehr wertvolle Einblicke in die Psychologie gewonnen und gelernt, wie man mit Menschen umgeht.

Was hat denn Zelten mit Leadership zu tun?
In Extremsituationen lernt man, wie man seinen eigenen Weg findet. Viele sind an ihre Grenzen gestoßen - trotzdem muss man das Team zusammenhalten und seine eigene Frustration kontrollieren. Ich habe an einem Tag die Teamleitung übernommen, als einer aus der Gruppe geworfen werden musste. Das war wirklich hart. Aber danach klappte es gut. Wir hatten Aufgaben, die wir nur als Team lösen konnten. Zum Beispiel mussten wir uns von einer hohen Klippe abseilen. Wenn da einer sagt: "Ich mach das nicht", dann ist das ganze Team in Schwierigkeiten. Also geht einer voran und zeigt, wie es geht, ein anderer klettert hinterher und macht Mut. Es bringt überhaupt nichts, wenn man versucht, jemanden in so einer Situation zu zwingen. Solche Schwierigkeiten muss man später im Arbeitsleben auch meistern – natürlich im übertragenen Sinn.

Du hast während deines Studiums in einem Start-up im Advisory Board gesessen. Was hast du dort gelernt?
Das war eine weitere tolle Erfahrung. Ich saß im Board einer Firma aus West-Dänemark, ein Dienstleister für Mobilfunkanbieter. Diese Firma vermisst zum Beispiel Grundstücke, wenn neue Mobilfunkmasten aufgestellt werden oder verhandelt mit den Besitzern der Grundstücke. Die Firma hat 20 Mitarbeiter. Ihr Ziel war es, nach Deutschland zu expandieren. Wir haben uns vier mal getroffen - da hatte sich immer sehr viel getan in der Zwischenzeit. Unternehmer sind ja eher durch das Tagesgeschäft geprägt. Wir haben langfristige Perspektiven reingebracht und das haben die Geschäftsführer sehr geschätzt. Es war spannend zu sehen, wie erste Ratschläge umgesetzt wurden. Es war nicht wie an anderen Unis, wo man klassisches Counsulting macht und dann auch erste Schritte selber umsetzt. Das kannte ich schon. Hier war ich eher in einer Coaching-Rolle.

War die Entscheidung, an die CBS zu gehen, richtig?
Ja. Die Größe der Klasse war perfekt, ebenso die skandinavische Orientierung, die enge Verknüpfung mit der Wirtschaft, die Professoren und der Geist, der an der CBS herrscht. Man hat als Student viel Einfluss auf die Programmgestaltung. Und Kopenhagen ist einfach eine tolle Stadt – wenn auch teuer.

Wo arbeitest du jetzt?
Bei Novo Nordisk, einem dänischen Pharma-Hersteller für Insulin-Produkte mit einem Weltmarktanteil von circa 50 Prozent. Ich arbeite dort an der Optimierung des Portfolios. Unter anderem wirke ich an der Entscheidung mit, welche Produkte zu welchem Zeitpunkt zu Gunsten von besseren Medikamenten vom Markt genommen werden sollten. Es ist spannend, in Dänemark zu arbeiten. Auf Work-Life-Balance wird hier wirklich Wert gelegt. Wenn ich mal länger als bis 17.30 Uhr bleibe, dann kommt mein Chef und sagt: "Timm, jetzt geh mal langsam nach Hause". Natürlich bleibe ich auch mal bis acht oder arbeite von zu Hause aus, wenn eine wichtige Präsentation ansteht. Aber es ist nicht so wie in Deutschland, wo die erbrachte Leistung häufig an der Länge der Arbeitszeit gemessen wird. Jeden Freitag frühstücken wir mit der gesamten Abteilung – das ist ein typisch dänischer Brauch, den ich schon jetzt sehr zu schätzen weiß.

 

 


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