Business Schools fördern Frauen

Mehr Vielfalt durch MBA-Stipendien

Mehr Mädchen als Jungen machen Abitur, mehr Mädchen studieren - aber immer noch machen sehr wenige Frauen einen MBA. Das hat verschiedene Gründe; einer ist die Finanzierung. Um mehr Frauen für ein MBA-Studium zu begeistern, bieten daher immer mehr deutsche Business Schools MBA-Stipendien speziell für Frauen.

Amerikanische und britische Business Schools haben das "Problem" schon vor ein paar Jahren erkannt und entsprechend gegengesteuert. Jetzt ziehen auch die deutschen Business Schools nach: Mehr Frauen sollen in den MBA-Programmen studieren. Zwar zeigen schon die letzten Jahre eine Angleichung der Anteile, aber Frauen sind weiterhin unterrepräsentiert. In Westeuropa sind 43 Prozent der MBA-Bewerber weiblich, in den USA sind es 47. Allein in Ost-Europa übersteigt der Anteil der weiblichen Bewerber den der männlichen.

"Ein MBA fällt in die Rush hour des Lebens"

MBA-Stipendien für Frauen

e-fellows.net-Alumna Veronika Wigger (29) hat 2011 am INSEAD ihren MBA gemacht. Schon in der Bewerbungsphase ist ihr aufgefallen, dass Frauen bei einem MBA-Studium auf andere Probleme stoßen als Männer. Ein Thema, das sie nicht mehr los ließ. Im Studium war sie dann Co-Vorsitzende des "INSEAD Women in Business Club". 

Wieso gibt es weniger Frauen als Männer in MBA-Programmen?

Ich glaube, das liegt vor allem daran, dass ein MBA-Studium oft in die "Rush hour" des Lebens fällt. Nach Studium und ein paar Jahren Berufserfahrung sind die Frauen Ende 20, Anfang 30. Wenn sie dann einen MBA machen, befürchten sie, dass sie anschließend keinen Job bekommen. Es könnte ja sein, dass dann sehr bald die Familienplanung folgt. Die Finanzierung spielt natürlich auch eine Rolle. Daher stehen Frauen oft vor der Frage, ob sich die Investition lohnt, wenn man anschließend in Babypause ist.

Bewahrheitet sich diese Befürchtung?

Nein, mein Eindruck ist genau das Gegenteil. Immer mehr Unternehmen suchen gezielt nach Frauen. Sie bieten spezielle Veranstaltungen und Networking-Events an den Business Schools an, bei denen dann auch oft erfolgreiche Frauen - mit Kindern! - über ihre Erfahrungen Auskunft geben.

Wenn man diese Befürchtungen hat, würde ich raten, gleich mit der Schule oder deren Alumni Kontakt aufzunehmen. Oft sind Studentinnen, die in ähnlichen Situationen sind oder waren, bereit ihre Erfahrungen zu teilen. Das kann bei der Entscheidung eine große Hilfe sein.

Helfen die MBA-Stipendien, die Business Schools speziell an Frauen vergeben?

Durch ein Stipendium wird einem die Entscheidung für das Studium erheblich erleichtert. Dies gilt aber für Männer wie für Frauen. Sie ermöglichen es, talentierten Bewerbern eine Chance zu geben, die sonst vielleicht nicht die Möglichkeit dazu hätten. Wenn die Sorge um die Finanzierung in den Hintergrund rückt, können sich speziell Studentinnen mit Kindern mehr auf das Studium konzentrieren, da somit auch die Kinderbetreuung leichter finanzierbar wird. Vielen Frauen stellt sich dann die Frage nach der Investition nicht mehr so dringend.

Ist es nicht egal, wie hoch der Frauen-Anteil bei MBA-Absolventen ist?

Auf den ersten Blick ist es vielleicht nicht wichtig. Aber man muss bedenken, dass viele Frauen, die einen MBA machen, anschließen in Führungspositionen aufsteigen. Wenn sich also der Anteil unter den MBA-Studentinnen erhöht, zieht die Wirtschaftsquote nach. Und ein hoher Anteil an Frauen im MBA fällt positiv auf die Business School zurück - denn er sorgt für noch mehr Vielfalt im Unterricht.

Was sind die Ziele des "Women in Business Club"?

Frauen können im Club netzwerken, von den Erfahrungen der anderen profitieren und Kontakte zu Unternehmen knüpfen. Wir haben regelmäßig über verschiedene Karriere- und MBA-Themen diskutiert und auch Externe dazu eingeladen. Außerdem haben Unternehmen mit uns Recruiting-Veranstaltungen organisiert. Sie waren - und sind es immer noch - auf der Suche nach gut ausgebildeten und motivierten Frauen.

Wie reagieren denn die Männer auf diese "Sonderbehandlung"?

Erstaunlicherweise sehr gut. An unseren Veranstaltungen, die sich oft nur an Frauen richteten, wollten auch Männer teilnehmen. Sie meinten, dass das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf schließlich auch sie etwas angeht. Viele haben in ihrem Berufsleben eine steigende Frauenquote in Unternehmen erlebt. Es war ihnen wichtig zu verstehen, warum Frauen und Männer Probleme im Berufsalltag oft unterschiedlich angehen.

Vielfalt muss sein

"Diversity" heißt das Zauberwort, denn im MBA geht es auch darum, von den Mit-Studenten zu lernen. Das funktioniert umso besser, je unterschiedlicher der Hintergrund der Studenten ist. Viele Business Schools werben daher mit ihren internationalen Teilnehmern. Auch die berufliche Herkunft spielt eine große Rolle. Seit einer Weile betonen die Schools nun auch die Bereicherung, die der Unterricht durch Frauen erfährt: "Die Vielfalt in einer MBA-Klasse ist für den Erfolg jedes einzelnen Studenten wichtig. Voneinander lernen heißt für die MBA-Studenten auch, von den spezifisch weiblichen und männlichen Kompetenzen zu profitieren", sagt zum Beispiel Margarita Setska von der HHL. Die Leipziger Business School legte Anfang des Jahres ein MBA-Stipendium für Frauen auf, um so den Anteil an ihren MBA-Klassen zu vergrößern. Die Zahlen geben der Business School recht: Laut Pressesprecher Volker Stößel ist der Frauen-Anteil in den letzten Jahren gestiegen.

MBA-Stipendium für Frauen an der HHL

Die HHL bot 2012 zum ersten Mal ein MBA-Stipendium nur für Frauen an. Neuauflage nicht ausgeschlossen.

Diese MBA-Stipendien gibt es

Die HHL ist nicht die einzige Business School, die versucht, mehr Frauen für ihre Programme zu interessieren. Die Henley Business School vergibt unter anderem ein Stipendium an Frauen, die ESMT in Berlin gleich drei Stipendien für den MBA und den Executive MBA. Das "ESMT Global Women's Scholarship" richtet sich an herausragende weibliche Young Professionals, die eine Führungsposition anstreben. 10.000 Euro bekommen Frauen an der ESCP Europe erlassen, wenn sie dort einen Executive MBA absolvieren.

Auch die Steinbeis-Hochschule in Berlin betont die Vorteile, die ihr Programm für Frauen hat. "Besonders Frauen fragen sich manchmal zweimal, ob sie mehrere Tausende Euro in einen Master investieren, wenn sie einige Zeit später eine Familien gründen möchten und im Beruf kürzer treten wollen." An der SCMT können Absolventinnen einen dualen, finanzierten MBA gleich nach ihrem Erststudium machen - MBA-Abschluss und Einstieg in einem renommierten Partnerunternehmen inklusive. 

Erst MBA, dann Führungsetage

Aber auch die Business Schools haben einen Vorteil: Je mehr Frauen einen MBA machen, desto mehr landen später auch in Führungsetagen. Und da dank Fachkräftemangel Frauen immer gefragter sind, fällt ein hoher Anteil an Absolventinnen auch positiv auf die Business Schools zurück. Ganz uneigennützig sind deren Bemühungen also nicht, denn erfolgreiche Absolventen schlagen sich teilweise auch in guten Ranking-Platzierungen nieder.

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