von Anke Rezmer, Christoph Sandt

Fondsgebundene Lebensversicherungen

Im Zweifel gegen den Kunden

Fondsgebundene Lebensversicherungen rechnen sich häufig mehr für den Anbieter als für den Versicherten. Dahinter steckt durchaus System.

 

Wer eine fondsgebundene Lebensversicherung als Rundumsorglos-Paket für den Ruhestand kauft, kann eine bittere Enttäuschung erleben. Denn Versicherer und Vermittler schauen meist mehr auf die eigene Rendite als auf die des Kunden. Das zeigt eine Studie des Fonds-Research-Anbieters Feri Euro Rating, die dem Handelsblatt vorliegt. Branchenfachleute bemängeln, die Intransparenz der Produkte verleite dazu, den Kunden über verdeckte Kosten abzukassieren.

Der übervorteilte Kunde

Laut Feri verläuft die Fondsauswahl vielfach nicht optimal für die Kunden. Das Ratinghaus untersuchte knapp 3000 angebotene Fonds von 60 Versicherern, die über 90 Prozent des Marktsegmentes abdecken. Das Ergebnis: Zur Palette, aus der Versicherte Fonds für die Policen aussuchen, gehören nicht immer die besten Fonds einer Kategorie, sondern vielfach Produkte aus dem eigenen Konzern. Immer beliebter werden Fonds mit Garantien, die aber an der Rendite nagen.

Etwa die Hälfte der angebotenen Fonds sind von Feri bewertet worden; die Hälfte davon trägt ein gutes oder sehr gutes Rating. Das klinge vordergründig passabel, sagt Andre Härtel, Fondsanalyst bei Feri Eurorating. "Aber die Quote müsste höher sein, wenn institutionelle Anleger wie Versicherungen die Palette der Fonds auswählen.

Gerade, weil für den Kunden bei Fondspolicen zusätzliche Kosten durch den Versicherungsmantel entstünden, sollten keine durchschnittlich oder gar schwach bewerteten Fonds gewählt werden. Fonds mit gutem oder sehr guten Rating hätten in den letzten fünf Jahren eine überdurchschnittliche Rendite bei relativ geringem Verlustrisiko erzielt. Laut Feri schneiden diese Fonds mit "nachprüfbar hoher Wahrscheinlichkeit" auch künftig besser ab.

Der Anteil gut bewerteter Fonds unter den häufig ausgewählten hauseigenen Fonds liegt dagegen deutlich niedriger bei 16 Prozent (Tabelle). Auf der Angebotspalette für Fonds in Policen stehen zwar überwiegend Fremdfonds. Doch bei vielen großen Anbietern gelangen vor allem hauseigene Fonds in die Policen. Bei der R+V-Versicherung sind es Fonds von Union Investment, bei den Sparkassen-Versicherern vor allem Produkte der Deka, bei der Allianz überwiegend AGI-Fonds, bei der Axa Axa-Fonds. "Konzerneigene Fonds werden gern genutzt, um Kundengelder im Haus zu halten", sagt Härtel. Stabile Zuflüsse aus Versicherungsbeiträgen mögen Fondsanbieter besonders; immerhin verwalten Fonds in Fondspolicen laut Schätzungen gut 60 Milliarden Euro, das sind knapp vier Prozent ihres Gesamtvermögens.

Am häufigsten fand Feri zudem bekannte Fonds wie Fidelity European Growth, Templeton Growth oder DWS Vermögensbildung I. "Das müssen aber nicht zwingend die besten Fonds sein?, sagt Härtel und verweist auf den schwach bewerteten Templeton Growth. Ein Drittel der populärsten 30 Fonds haben bei Feri ein durchschnittliches oder schwaches Rating.

Immer beliebter werden laut Experten Fonds mit Kapitalgarantie. Das stößt auf Kritik. "Garantien kosten Geld. Je höher die Garantie, desto geringer die zu erwartende Rendite", sagt Lars Heermann, Versicherungsexperte bei der Rating-Agentur Assekurata. Wer bei garantierten Beiträgen eine Rendite von sechs Prozent im Jahr verspreche, sei unrealistisch. Versicherungsberater Stefan Albers hält viele Policen wegen geringer Renditeaussichten für "Fehlinvestitionen".

ETFs meist außen vor

Wenig angeboten werden kostengünstige ETF-Fonds. Nur acht Prozent der untersuchten Versicherer bieten ETFs an. Das dürfte laut Härtel daran liegen, dass ETFs wenig Provision einbringen. Es geht dabei neben der Verkaufsprovision um einen Anteil an der jährlichen Fondsmanagement-Gebühr, die Fonds den Versicherern rückvergüten (Kickbacks). Unterm Strich "mögen diese Kickbacks eine Rolle bei der Auswahl der Fonds spielen", sagt Matthias Koss von der Beratung Fondsadvice. In der Branche heißt es, dass im Mittel etwa die Hälfte der jährlich anfallenden Management-Gebühr für Fonds an die Versicherer fließen. Bei Aktienfonds bezieht sich das auf rund 1,5 Prozent des Fondsvermögens, bei ETFs auf rund 0,3 Prozent. "Die entscheidende Frage ist, wie die Gesellschaften die Kickbacks verwenden und wie viel beim Kunden ankommt", sagt Heermann. Aber das sei ein Geheimnis der Branche.

Dazu passt, dass die allermeisten Fonds in Policen bleiben, auch wenn sie schlecht laufen. Vier von fünf Kunden kümmerten sich nach dem Kauf nicht mehr darum, sagt Heermann. "Und die Vermittler raten in der Praxis auch kaum dazu, den Fonds zu wechseln - obwohl die abgeltungsteuerfreie und oft kostenlose Umschichtung ein starkes Verkaufsargument ist." Die Provisionen fließen schließlich auch ohne weitere Beratung.

Lebensversicherungen

Kombination
Kapital-Lebensversicherungen oder Rentenversicherungen sind Kombiprodukte. Die Absicherung wird mit einem Sparvorgang verbunden.

Zusage
In der klassischen Variante legt der Versicherer den Sparanteil des Beitrags selbst an und zahlt einen Mindestzins von derzeit 2,25 Prozent plus eine Überschussbeteiligung.

Risiko
In der fondsgebundenen Variante fließt der Sparanteil in Fonds. Das Risiko von Kursschwankungen trägt im Gegenteil zur klassischen Police der Kunde. Mittlerweile garantieren viele Anbieter das eingezahlte Kapital. Aber das kostet Rendite.


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