Studienkredite

Kredite für den Geist

Lange Zeit waren Studenten nicht unbedingt die beliebteste Klientel der Banken. Seit 2005 aber wächst das Angebot an Studienkrediten rasant an. Die Konditionen der Kredite unterscheiden sich zum Teil deutlich - wer einen Kredit braucht, sollte daher genau vergleichen.

In den USA oder Australien ist das ganz normal: Wer ein Auto kaufen oder ein Haus bauen will, nimmt einen Kredit auf. Oder eben, wer studieren will. Auch die Deutschen leihen sich das Geld für ihr Traumgrundstück. Aber Geld für den Geist?

Kein BaföG? Dann einen Studienkredit

Mit der Einführung der Studiengebühren 2005 stieg der Bedarf an Finanzierungsalternativen zum BAföG, welches nicht jeder erhält. Und viele Kreditgeber befreiten sich von dem Glauben, dass sie an Studenten verliehenes Geld nie wieder sehen. Auf der anderen Seite sind die Kredite für Studenten auch erst interessant, seit die Rückzahlungsraten im Vorhinein festgelegt und Wartezeiten nach dem Studienende vereinbart werden können.

Studienkredite - ein wachsender Markt

Früher verlangten die Banken Sicherheiten wie Grundbesitz oder ein festes Einkommen. Damit können Studenten aber nicht dienen. Heute werden Studienkredite als geldbringende Investition in Humankapital angesehen - schließlich verdienen einige der Kreditnehmer bereits nach dem Abschluss viel Geld. Inzwischen wirbt man daher intensiv um die einst verschmähten "Bettelstudenten".

Studienkredite im Vergleich

Die Stiftung Warentest hat verschiedene Kredite getestet und verglichen. Ihr Ergebnis: Finanziere dein Studium lieber nicht komplett über Kredite. Alle Kredite im Vergleich findest du im PDF.

 

Schneller in den Job heißt: früher das erste Gehalt

Auch die Wirtschaft profitiert von dem wachsenden Studienkredit-Markt. Wer nicht neben dem Studium mühsam Geld verdienen muss, studiert schneller und bekommt hoffentlich bessere Noten, weil mehr Zeit zum Lernen bleibt. Und einen frühen Job-Einstieg - das wünscht man sich in Deutschland schon länger. Stichwort: internationale Wettbewerbsfähigkeit. Die Herausforderung für Studierende liegt nun darin, ihr Verschuldungsrisiko möglichst gering zu halten.

Jeder Kredit ist anders

Studienkredite sind neue Produkte, die mit den üblichen Krediten zur Auto- oder Hausfinanzierung nicht viel zu tun haben. Die Bank will sich gegen mögliche Ausfälle absichern, der Studierende muss Möglichkeiten haben, beispielsweise das Risiko einer Arbeitslosigkeit nach dem Abschluss abzufedern. Jede Bank hat dafür ihr eigenes Modell entwickelt. Die staatliche KfW-Förderbank bietet ein Darlehen zum Lebensunterhalt. Regionalbanken wie die örtlichen Sparkassen gewähren nur ortsansässigen Studierenden Kredite. Welches Angebot das beste ist, lässt sich kaum pauschal beantworten: Schließlich spielt eine Vielzahl individueller Faktoren in die Beurteilung mit ein.

Alternative Bildungsfonds

Eine weitere Idee sind Bildungsfonds von professionellen Finanzierungsanbietern wie CareerConcept (speziell für Ingenieure auch unter dem Namen Festo). Das Prinzip: Banken, Unternehmen oder auch Privatpersonen zahlen in diese Fonds ein. Wer einen Kredit erhält, zahlt das Geld zurück, sobald er ein festgelegtes Jahresgehalt erreicht. Es gibt keine Zinsen; die Höhe der Rückzahlungsrate bestimmt der im Vorhinein vereinbarte Prozentsatz des Einkommens. Das bedeutet, dass Gutverdienenden teilweise deutlich mehr zurückzahlen, als sie zuvor erhalten haben.

Guter Student, gute Bedingungen

Während bei der staatlichen KfW-Förderbank jeder einen Kredit bekommen kann, haben bei anderen Banken Studierende mit guten Noten und lukrativen Jobaussichten die besten Chancen. Beliebtes Humankapital sind Juristen und Wirtschaftswissen- schaftler, aber auch Ingenieure. Ein Geisteswissenschaftler oder Künstler muss, da er nach Meinung vieler Kreditgeber ein höheres "Investitionsrisiko" darstellt, mit schlechteren Kreditkonditionen rechnen. Studierende von "Orchideenfächern" müssen also oft länger nach einem geeigneten Kredit suchen.

Kredite als ultima ratio

Wie solltest du vorgehen, wenn du einen Kredit brauchst? Vor allem: Lasse dich nie unter Druck setzen und vergleiche die Angebote der Banken in Ruhe. Ein Darlehen solltest du erst aufnehmen, wenn alle anderen Alternativen ausgeschöpft sind. Vor allem solltest du die Kreditbedingungen im Einzelnen genau prüfen. Und denk immer daran: Die Bank will ihr Geld irgendwann einmal zurück. Also bleibe sparsam.


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