BAföG-Rückzahlung

Nicht geschenkt, aber günstig

Nichts ist geschenkt im Leben - zumindest nicht das BAföG. Bei der staatlichen Förderung ist aber immerhin eine Hälfte geschenkt, und die andere Hälfte ist unter Umständen nur ein Drittel. Eine Erklärung der bizarren Mathematik des BAföG.

Innerhalb der Regelstudienzeit ist die Förderung je zur Hälfte Zuschuss und zinsloses Staatsdarlehen. Durch die BAföG-Reform kannst du als Studierender aus dem zinslosen Darlehen maximal 10.000 Euro Schulden anhäufen.

Schulden mit Vorteilen
Schulden sind zwar nie von Vorteil - ein Darlehen wie die BAföG-Förderung bekommst du aber bei keiner Bank. Denn die Bedingungen sind absolut fair:

  • Zinslosigkeit
     Ein Kredit ohne Zinsen - das gibt es sonst nirgendwo.
     
  • Späte Tilgung
     Die Karenzzeit (rückzahlungsfreie Zeit) beträgt fünf Jahre nach Ende der Förderungshöchstdauer. Die finanziellen Schwierigkeiten des Jobstarts sind dann vorbei.
     
  • Lange Tilgungsfrist
     Das Darlehen muss in Mindestraten von 105 Euro monatlich in längstens 20 Jahren zurückgezahlt werden - ein wirklich ausreichend langer Zeitraum.
     
  • Rückzahlung nur bei Einkommen
     Das Darlehen wird fällig, aber du verdienst nicht mehr als 1.070 Euro im Monat? Dann kannst du die Rückzahlung auf Antrag aussetzen. Wer Ehepartner oder Kinder mit versorgt, hat einen noch höheren Freibetrag.
     
  •  Möglichkeiten auf Erlass der Rückzahlung
     Ein schnelles Studium und gute Noten bedeuten bares Geld - dann nämlich, wenn man das Darlehen nicht voll zurückzahlen muss. Auch Kindererziehung wird honoriert. Im Einzelnen:
    • Wer zu den besten 30 Prozent seines Jahrgangs gehört und innerhalb von zwölf Monaten nach Ende der Förderungshöchstdauer das Abschlussexamen besteht, erhält einen "Rabatt" von 15 bis 25 Prozent der Darlehensrückzahlung. (Gilt nur noch für die, die ihr Studium vor Ende 2012 abschließen. Regelung fällt danach weg.)
    • Wer sein Studium mindestens vier Monate vor Ende der Förderungshöchstdauer erfolgreich beendet, bekommt 2.560 Euro vom Darlehen erlassen. Ein Studienabschluss zwei Monate vor Ende der Förderungshöchstdauer ist dem Staat immerhin noch 1.025 Euro Minderung wert.
    • Wer es schafft, das Darlehen ganz oder teilweise zu tilgen, bevor es fällig wird, zahlt - je nach Höhe des Ablösungsbetrags - nur noch zwischen 49,5 und 92 Prozent.
    • Studierende, die ein Kind bis zu zehn Jahren pflegen und erziehen oder ein behindertes Kind betreuen und nur wenig verdienen, müssen das Darlehen in Höhe der für diesen Zeitraum festgesetzten Raten nicht zurückzahlen.
     

Und treffen auf dich mehrere dieser Fälle zu, kannst du sie sogar nebeneinander geltend machen.
 

Schulden tilgen - bei wem?
 Für die Einziehung der Staatsdarlehen ist zentral das Bundesverwaltungsamt in Köln zuständig. Etwa viereinhalb Jahre nach Ende der Förderungshöchstdauer erhält jeder BAföG-Geförderte einen Feststellungs- und Rückzahlungsbescheid. Hier erfährst du Höhe deines Darlehens, Fälligkeit und Höhe der Rückzahlungsrate. Um Schwierigkeiten und saftige Strafen zu vermeiden, solltest du - auch vor Beginn der Rückzahlungspflicht - dem Bundesverwaltungsamt unverzüglich Adressänderungen mitteilen.
 

Regelstudienzeit überschritten?
 Die Förderungshöchstdauer entspricht der Regelstudienzeit deines Fachs. Sie kann bei "schwerwiegenden" Gründen verlängern werden, etwa Krankheit oder einmaligem Nichtbestehen der Zwischenprüfung. Wenn du das Studium nicht innerhalb der maximal möglichen Förderungsdauer abschließt, gewährt Vater Staat dir ein Bankdarlehen für maximal ein Jahr. Diese Abschlussförderung ist kein Zuschuss mehr, sondern voll verzinst. Die Zinsen dazu werden halbjährlich mit den Schulden verrechnet, es entstehen also Zinseszinsen. Sollte ein Jahr nicht ausreichen, gibt es noch das Studienabschlussdarlehen. Das ist wesentlich günstiger verzinst als die Abschlussförderung, bleibt dir aber nur als allerletzte Rettung.

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