Welches Studium?

Was muss ich bei der Studienwahl bedenken?

Die Entscheidung steht also: Du wirst studieren. Schließlich darfst du jetzt endlich selbst auswählen, was du lernst – bisher musstest du dich mit Mathe oder Religion, Deutsch oder Chemie rumärgern. Nach dem Abitur wirst du dich nur noch in dem weiterbilden, wofür du wirklich Talent hast und was dich begeistert. Die Frage ist nur: Was ist das?

Wenn du beim Abi noch nicht sicher weißt, was du studieren willst, stehst du keineswegs allein da. Bis auf die, die bereits seit der dritten Klasse wissen, dass sie Tierarzt werden wollen, fühlen sich die meisten Abiturienten von der Vielzahl der Möglichkeiten erst einmal überfordert. Entweder wollten sie seit Kindertagen Rennfahrer werden und müssen jetzt einsehen, dass man das nicht studieren kann, oder sie interessieren sich für Wirtschaft und wissen nicht, ob ihnen Internationales Management, Business Administration oder BWL mehr liegt. Folgende Fragen helfen dir dabei, deinen Studienwunsch zu konkretisieren:

1. Was macht mir Spaß?

Mit knapp 20 sind die Interessen vielseitig – es ist nicht einfach, da einen Schwerpunkt zu finden. Beantworte die Frage möglichst frei, ohne Gedanken an Jobchancen und Verdienst. Das Einzige, was du berücksichtigen solltest: Nicht alles, was man vier, fünf Stunden die Woche mit Leidenschaft betreibt, macht auch bei vierzig oder fünfzig Stunden pro Woche noch Spaß. Im besten Fall wird es zu einer nur meistens angenehmen Aufgabe – im schlimmsten Fall stürzt du dich direkt in einen Albtraum.

2. Was genau interessiert mich?

Üblicherweise sind Interessen, die aus Hobbys resultieren, relativ ungenau. Das bedeutet bei einem Interesse für Luftfahrt beispielsweise: Man findet das Innere eines Cockpits spannend und die Flugzahlen der größten Drehkreuze in Europa ebenso. Leichter fällt eine Entscheidung, wenn du zwei Interessen kombinierst. Vielleicht fremde Kulturen? Dann ist das perfekte Studium nämlich nicht Luftfahrttechnik, sondern eher Betriebswirtschaft, Schwerpunkt Touristik.

3. Worin bin ich gut?

Fußball ist großes Kino – aber die meisten sind doch realistisch genug, zu wissen, dass sie nie als Fußballprofi Millionen verdienen werden. Dagegen denken viele, dass ein absolutes Unverständnis für Mathematik überwunden werden kann, wenn man wirklich seinen Bachelor in Informatik absolvieren will. Manchmal funktioniert das, aber wer versucht, ein mit Begeisterung verbundenes Talent durch stures Pauken zu ersetzen, sollte zumindest damit rechnen, dass er auch scheitern kann.

Weitere Fragen zur Studienwahl

NC: Was kann ich studieren?
Bei immer mehr Studiengängen ist der Zugang beschränkt. Die Hochschulen legen meist einen internen NC (Numerus Clausus, eine festgelegte Abitur-Mindestnote) fest. Nur wenn du diesen NC erreichst, kommst du in das weitere Bewerbungsverfahren. Wenn dein Abi nicht gut genug ist, hilft nur: auf die Wartesemester setzen, die oft auch mit schlechteren Noten den Einstieg ermöglichen – oder eine andere Hochschule suchen.

Finanzierung: Was kann ich mir leisten?

Die Studiengebühren von bis zu 500 Euro pro Semester wurden in fast allen Bundesländern wieder abgeschafft, einen Verwaltungs- bzw. Semesterbeitrag (etwa 100 Euro) musst du an staatlichen Hochschulen aber in jedem Fall zahlen. Private Hochschulen sind deutlich teurer. Dort können über 30.000 Euro für ein Bachelor-Studium zusammenkommen.

Ort: Wo will ich studieren?

Die einen möchten in vertrauter Umgebung und bei ihren Freunden bleiben, die anderen treibt es weit weg vom Elternhaus. Oft entscheidet sich die Frage nach dem Uni-Standort aber auch danach, welchen Studiengang man für sich entdeckt hat und ob einem eine Massenuni oder eine kleinere Hochschule eher liegt.

Renommee: Wie wichtig ist mir der Ruf einer Hochschule?
Keine halben Sachen – du willst die ganz große Karriere? Dann weißt du vermutlich, dass sich bestimmte Namen in deinem Lebenslauf sehr gut machen werden. Das muss nicht Harvard sein, aber eine international ausgerichtete Hochschule von gutem Ruf oder ein duales Studium in einem renommierten Unternehmen bringen Pluspunkte.

Perspektive: Welches Studium hat eine Zukunft?

Deine große Leidenschaft ist also die Philosophie. Und wenn man sich für etwas wirklich begeistert, sollte man es auch studieren, oder? – Wenn du dir absolut sicher bist: ja. Einfach, weil die Stimme, die dich dazu drängt, sonst nie still sein wird. Wenn du den geringsten Zweifel hast: besser nicht. Geisteswissenschaftler allgemein, Philosophen noch einmal mehr, sind auf dem Arbeitsmarkt kaum gesucht. Gerade bei Orchideenfächern sollte man also vor Studienbeginn genau überlegen, wie man mit diesem Studium später Geld verdienen möchte.

Kommilitonen: Mit wem will ich studieren?

Es geht hier um Noten, Abschlüsse und den Job danach – nicht um nette Mitstudenten. Bist du sicher? Fachwechsel, weil man sich mit den Mitstudenten nicht wohlfühlt, sind gar nicht so selten. Du solltest auch bedenken, dass du als Frau im Maschinenbau oder als Mann in Literaturwissenschaften (noch) die Ausnahme sein wirst. Deine Sonderstellung kann sich zwar als Vorteil erweisen, aber auch viel Selbstbewusstsein erfordern.

Link-Tipps:

Praxistest: Gefällt mir der Studiengang wirklich?

Um herauszufinden, ob der ausgesuchte Studiengang wirklich das Richtige für dich ist, prüfst du ihn am besten mal in der Realität:

  • Suche im Internet nach dem Vorlesungsverzeichnis der Uni in deiner Stadt und setze dich in ein paar Vorlesungen. Meist wirst du zwischen Hunderten von Studenten gar nicht auffallen. Ist es eine sehr kleine Veranstaltung, frage den Professor vorher. Wahrscheinlich fühlt er sich von deinem Interesse für sein Thema geschmeichelt.
  • Vereinbare einen Termin bei der Studienberatung. Das ist wichtig – wenn du einfach zu den Sprechstunden gehst, musst du lange warten und erhältst oft lediglich ein Bündel Infobroschüren.
  • Besuche Infoveranstaltungen der Studiengänge oder Fakultäten.
  • Statte Abimessen einen Besuch ab. Die Startschuss-Abi-Veranstaltungen zum Beispiel vermitteln dir viele wichtige Infos und ermöglichen dir, bei Vertretern ausgewählter Hochschulen direkt nachzufragen.
  • Frage bei der Fachschaft nach, das sind die Studenten eines Studiengangs an einer Uni. Sie organisieren Erstsemesterführungen, Tutorien oder Lerngruppen – und vermitteln dir ein "ungeschöntes" Bild des Studiums.

Tipps zum Studienstart: So startest du stressfreier ins erste Semester

Nach der Bewerbung und vor dem Semester solltest du...

  • Praktika machen. Bei einigen Studiengängen, vor allem bei bereits auf den Bachelor umgestellten technischen Fächern, ist der Nachweis einer Praxisphase schon vor Studienbeginn Pflicht. Mache dich rechtzeitig schlau.
  • Sprachtests ablegen. Wenn das Studium bestimmte Bestätigungen und Nachweise erfordert, müssen diese teilweise bereits bei Semesterbeginn vorliegen. Informiere
    dich.
  • Kredite und BAföG beantragen, wenn du sie benötigst. Es kann mehrere Wochen dauern, bis die Bewilligung und damit die erste Zahlung erfolgt.
  • Orientierungsveranstaltungen und Campus-Führungen besuchen.
  • schon einmal einen Rundgang auf dem Campus machen. Du wirst zwar noch oft genug mit einem großen Fragezeichen über dem Kopf auf der Suche nach einem bestimmten Raum durch die Gänge irren, aber zumindest wo das Audimax und die Toiletten, wo die Bibliothek und die Mensa sind, weißt du dann schon.
  • ein Vorlesungsverzeichnis besorgen. Wenn das Semester erst einmal begonnen hat, werden die Verzeichnisse oft bereits rar. Alternativ kannst du dir das Vorlesungsverzeichnis im Internet ansehen – an manchen Universitäten gibt es sogar nur noch Online-Verzeichnisse. Streich dir schon einmal an, welche Pflichtvorlesungen für Erstsemester du vermutlich besuchen musst.
  • an einer Bibliotheksführung teilnehmen.

Veranstaltung "Startschuss Abi" in deiner Nähe

Schule aus. Und jetzt? Das erfährst du bei Startschuss Abi an fünf Standorten in Deutschland. Renommierte Hochschulen und Unternehmen stellen sich vor. Experten und Studenten zeigen dir z.B. wie du dich richtig bewirbst, welche Möglichkeiten es im Ausland gibt und wie du dein Studium finanzierst.