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Schritt für Schritt statt Big Bang

Puzzle Teile [Quelle: freeimages.com, riyono]

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Was ist eigentlich agile Migration? Und welche Vorteile hat sie? Michael Pisula von TNG Technology Consulting berichtet im Interview, warum man Big Bangs vermeiden sollte, was ein Adapter ist und wie man als ITler auf dem neuesten Stand bleibt.

Was versteht man unter "agiler Migration"?

Das Ziel der agilen Arbeitsweise ist es, die Migration von komplexen Systemen zu vereinfachen. Beim Kunden sind in der Regel viele Systeme im Einsatz, die miteinander kommunizieren und die nur zusammen sinnvoll ihre Aufgabe erfüllen können. Wenn man nun eines dieser Systeme ersetzen möchte, könnten andere dadurch in Mitleidenschaft gezogen werden. Oft sollen mehrere dieser Systeme gleichzeitig migriert werden.

Und wie macht man das?

Der Standardfall ist die sogenannte "Big-Bang-Migration", das heißt, man migriert alle auf einmal. Man programmiert neue Software oder kauft sie, und hat dann einen Tag oder ein Wochenende, an dem man die alten Systeme abschaltet und die neuen aktiviert. Das Risiko ist hoch, dass dabei etwas schiefgeht. Und in dem Fall hat man nur die Möglichkeit, komplett auf die alten Systeme zurückzugehen. Das verursacht hohe Kosten. Ein weiteres Problem bei der Big-Bang-Migration ist, dass man nur alle Systeme gemeinsam migrieren kann. Gibt es bei einem System Verzögerungen, kann der komplette Zeitplan nicht eingehalten werden.

Und bei der agilen Migration wird nicht alles auf einmal gemacht?

Genau, darin liegt der zentrale Unterschied: Hier wird Schritt für Schritt migriert. Dazu führt man ein neues System ein, einen Adapter, der zwischen den neuen und alten Systemen vermittelt. Wenn ich beispielsweise eine Software habe, die die eingehenden Aufträge verwaltet, eine, die die Rechnungen verschickt, und eine, die die Kunden verwaltet, und all diese zusammenarbeiten müssen, können dank des Adapters alle jederzeit miteinander kommunizieren. Richtig interessant wird es aber, wenn sehr viele Systeme vernetzt sind. Damit hat man dann die Wahl, ob man alle an einem Tag umstellt, oder eben über mehrere Wochen und Monate.

Bei der agilen Migration ist man also unabhängiger?

Ja. Wenn es mit einem System Probleme gibt, oder sich die Anforderungen ändern, kann man andere Komponenten trotzdem wie geplant in Betrieb nehmen. Das spart Kosten, weil man beispielsweise nicht unnötig lange Lizenzgebühren für die alte Software bezahlen muss. Durch den von uns entwickelten Adapter ist es zudem möglich, das alte und das neue System parallel laufen zu lassen, sodass ein reibungsloser Übergang sichergestellt ist. Überhaupt hängt der ganze Ansatz stark von dem Adapter ab – vor allem von dessen Qualität. Da der Adapter zwischen allen Systemen vermittelt, ist es entscheidend, dass er auf dem neuesten Stand der Technik ist und eine ausreichende Performance hat. Um den größtmöglichen Nutzen zu bringen, wird der Adapter immer entsprechend der Kundenanforderungen entwickelt. Genau das leistet TNG. Durch unsere agilen Entwicklungsmethoden können wir jederzeit reagieren, wenn der Kunde eine zusätzliche Funktionalität benötigt.

Wie ist diese Flexibilität möglich?

Wir entwickeln immer in kurzen Sprints, diese dauern meist zwei Wochen. Das erlaubt es uns, neue Anforderungen schnell in der Planung zu berücksichtigen und einzelne Entwicklungsschritte rasch zu priorisieren und umzusetzen. Agile Entwicklung ist bei TNG alltäglich und wird in Projekten eingesetzt, wann immer es die Situation beim Kunden zulässt.

Ist agile Software-Entwicklung heutzutage der Standard bei IT-Projekten?

In Consulting-Firmen und Start-ups hat sich das Verfahren durchgesetzt. Hier ist eigenverantwortliches Arbeiten sehr wichtig: Das Team kennt die Fragestellung und soll selbst eine Lösung finden. Anders sieht es in Großunternehmen aus. Dort sind die Strukturen und Prozesse häufig andere. Hier erhebt der Projektleiter zusammen mit einigen Experten die Anforderungen und gibt sie zur Umsetzung an die Entwickler weiter.

Was sind die besonderen Herausforderungen der agilen Migration – was muss man beachten?

Die agile Migration ist kein Verfahren, dass man pauschal in jedem Fall anwenden sollte. Man benötigt einen Adapter, den man erst entwickeln muss. Wenn also nur eine oder zwei Anwendungen erneuert werden sollen, kann es sinnvoll sein, diese auf einmal zu migrieren. Je komplexer eine Migration wird, desto eher spielt die agile Migration ihre Stärken aus.

Lassen Sie uns einmal einen Blick auf die Branche richten. Mit welchen Trends sollten sich Informatikstudenten und Berufseinsteiger beschäftigen?

Aktuell ist die Speicherung und Verarbeitung von großen Datenmengen, "Big Data", ein wichtiges Thema. Das Wichtigste in der Informatik ist aber, dass Trends kommen und gehen. Technologien und Konzepte, über die heute alle reden, können morgen schon wieder total veraltet sein. Deshalb besteht die Hauptaufgabe darin, auf dem Laufenden zu bleiben. Dabei hilft es, eine Methode zu etablieren, um Trends und Entwicklungen immer im Auge zu behalten und zu verstehen. Bei aller Spezialisierung sollte man sich also die Offenheit für Neues bewahren.

Und wie schafft man es, alle wichtigen Branchen-Trends im Blick zu behalten?

Zunächst einmal sollte man Kanäle identifizieren, über die man Informationen gut aufbereitet und verständlich präsentiert bekommt. Ich persönlich finde heise online hier sehr gut. Twitter ist auch ein super Kanal, um zu sehen, was die Experten der Branche gerade bewegt. Auch ein Besuch bei User Groups lohnt sich, gerade in München gibt es davon sehr viele. Ein Vorteil bei TNG ist, dass auf das Lernen großen Wert gelegt wird: Wir haben alle zwei Wochen einen internen Schulungstag mit Vorträgen, Workshops und Reading Groups. Hier kann man sich mit den Kollegen austauschen, sich mit neuen Technologien beschäftigen und hat einen optimalen Rahmen, um sich weiterzuentwickeln. Dadurch ist es bei TNG relativ einfach, auf dem neuesten Stand zu bleiben.

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