Partner von:

"Mein Tipp fürs Job-Interview: üben, üben, üben"

Handshake, Hand, Händeschütteln, Begrüßung, Willkommen [Quelle: freeimages.com, Autor: FOTOCROMO]

Quelle: freeimages.com, FOTOCROMO

Warum nutzt einem das Wissen aus dem Studium im Job nur bedingt? Projektleiter Manuel Kühn gibt im Interview Tipps für die Bewerbungsgespräche bei SMC. Zudem verrät der Experte für Projekte in Schwellenländern, welche Märkte Siemens im Blick hat und was sein bisher spannendstes Projekt war.

Inwiefern hat Ihr Studium Sie auf die Herausforderungen des Beraterlebens vorbereitet?

Ich habe Wirtschaftsingenieurwesen mit Fachrichtung Maschinenbau studiert und bin jetzt sieben Jahre bei SMC. In dieser Zeit gab es erst ein Projekt, dass wirklich mit meinen Vertiefungsfächern, nämlich Produktionsplanung und -technik, zu tun hatte. Man sollte sich nicht darauf verlassen, dass einem das Spezialwissen aus dem Studium im späteren Job einen riesigen Vorteil verschafft. Vielmehr helfen Methodenkompetenz, strukturiertes Arbeiten, eine gute Auffassungsgabe sowie die Fähigkeit zum Querdenken und Hinterfragen. Dinge, die man optimalerweise in jedem Hochschulstudium erlernt.

Wie war Ihr Start bei SMC?

Ich hatte kein Praktikum in der Beratung gemacht, bevor ich bei SMC eingestiegen bin. Deshalb war mein Start ein Sprung ins kalte Wasser und ich musste ich mir die Denkweise und die Arbeitsmethoden im ersten halben Jahr als Berater von Grund auf erarbeiten. Insofern würde ich sagen: Es schadet nicht, wenn man die Beratung in einem Praktikum kennenlernt, damit man weiß, was auf einen zukommt.

Welche Eigenschaften sollten Bewerber für die Tätigkeit als Strategieberater mitbringen?

Das Studienfach ist nicht entscheidend, aber natürlich muss man für die Tätigkeit als Strategieberater Interesse und Verständnis für ökonomische Zusammenhänge mitbringen. Wichtig sind außerdem eine gute Auffassungsgabe und der Wille, über den Tellerrand zu blicken.

Inwiefern kann man sich auf die Interviews bei SMC vorbereiten?

Der Kandidat sollte im Bewerbungsgespräch zeigen, was in ihm steckt. Da es sich um eine Tätigkeit in der Strategieberatung handelt, sind strukturiertes und analytisches Denken, ein gutes Zahlenverständnis und das Interesse und Verstehen von wirtschaftlichen Zusammenhängen unabdingbar. Vieles davon kann man im Vorfeld üben und sollte das auch - gerade in Bezug auf das Lösen von Fallstudien. Es kommt leider immer wieder vor, dass mich Bewerber persönlich sehr überzeugen, aber die "Pflichtübung", das Lösen der Cases, dann Probleme bereitet. Das ist schade, denn das müsste nicht sein. Mein Tipp für die Gespräche: sich vorbereiten und üben, üben, üben.

Welchen Tipp haben Sie ansonsten für künftige Bewerber?

Aktiv zuhören und zielgerichtet antworten. Darauf achten, was der Interviewpartner sagt, fragt und wie er auf meine Antworten reagiert. Das klingt trivial, ist es aber nicht. Das sind Fähigkeiten, die ein Berater auch im Rahmen der Projektarbeit jeden Tag braucht.

Können Sie sich daran erinnern, wie viele Gespräche mit Bewerbern Sie schon geführt haben?

Über 100 definitiv. Erfahrene Berater sind bei SMC aktiv am Auswahlprozess beteiligt. Das erfolgreiche Absolvieren eines Interviewer-Trainings ist dafür Voraussetzung. Ich führe seit fünf Jahren Gespräche und es macht mir großen Spaß, denn ich lerne spannende Persönlichkeiten kennen. Und nicht zu vergessen: Auch der Interviewer lernt durch die Gespräche.

Sie haben viel Zeit im Ausland verbracht. Was war Ihr spannendstes Projekt?

Viele meiner Projekte waren spannend. Besonders prägend war für mich ein Projekt in Indien. Es ging um Mittelspannungsschaltanlagen, das sind diese grauen Kästen, die man in Indien am Straßenrand sieht. In Deutschland sind sie häufig in kleinen Häuschen eingemauert. Mit ihrer Hilfe werden zum Beispiel Krankenhäuser, Einkaufszentren oder ganze Straßenzüge ans Stromnetz angeschlossen.

Siemens wollte in Indien ein möglichst wettbewerbsfähiges Produkt auf den Markt bringen. Dazu musste die Anlage an die lokalen Gegebenheiten angepasst und vor Ort produziert werden. Die Fragen lauteten: Mit welcher Wertschöpfungstiefe produzieren wir? Welche Lieferanten brauchen wir? An welche Kunden verkaufen wir? Das Projekt umfasste wirklich die ganze Wertschöpfungskette, von der Frage nach der Größe des Markts bis hin zu der Art der Schrauben, die benötigt wurden. Es fühlte sich fast so an, als würde man eine kleine Firma aufbauen.

Worin lag die Herausforderung in diesem Projekt?

Definitiv auf der menschlichen Ebene. Die Mitarbeiter zusammenzubringen und zu motivieren. Und inhaltlich: Sich auf den lokalen Markt einzulassen und zu verstehen, dass Zulieferer wie Kunden anders funktionieren. In Indien wird zwar kostengünstiger produziert, aber das ist nicht der alleinige Grund, weshalb wir die Mittelspannungsschaltanlagen dort herstellen. Das Produkt musste adaptiert werden, und Eigenschaften aufweisen, die es für andere Absatzmärkte nicht benötigt.

In Indien zum Beispiel sind die Anlagen dem Monsun ausgesetzt und es kommt vor, dass sie einmal im Jahr unter Wasser stehen. Dadurch sind die Anforderungen an Wartung und Instandhaltung völlig anders als zum Beispiel in Europa. Die große Herausforderung war es also, sich von seinen Dogmen zu lösen und zu verstehen, was der Kunde wirklich benötigt. "Wartungsfreiheit" war es in unserem Fall nicht. Auch das hört sich trivial an, da man die Perspektive von anderen nicht so schnell annimmt.

Gibt es etwas, was Sie mit nach Hause genommen haben - etwas, das Sie nicht missen möchten?

Indien ist ein tolles Land! Durch meine Arbeit vor Ort hatte ich die Chance, es in seiner ganzen Vielfalt zu erfahren. Ich habe dadurch Menschen getroffen, die ich sonst nie kennengelernt hätte. Der Perspektivenwechsel ist das, was ich nicht missen möchte. Ich würde jederzeit wieder dorthin gehen.

Sie beschäftigen sich mit Zukunftsmärkten. Was versteht man darunter?

Es geht um die Frage: Wo sind die Märkte von morgen? Was qualifiziert einen Markt, um für ein Unternehmen in wirtschaftlicher Hinsicht relevant zu sein? Zukunftsmärkte sind für uns zum Beispiel Länder, in denen die Infrastruktur-Investitionen besonders hoch sind. Wir haben diese Märkte untersucht, gerankt und uns auch über erschwerende Faktoren Gedanken gemacht: fehlende Sicherheit, mangelnde Stabilität, schwierige Geographie.

Welches sind die Zukunftsmärkte von morgen?

Dazu gehören Indonesien, Thailand, Vietnam, Chile, Türkei und Mexiko. Diese Länder sind heute schon aufstrebende Wirtschaftsgrößen, aber in den kommenden 20 Jahren werden diese Länder in ökonomischer Hinsicht weiter an Bedeutung gewinnen. Vietnam zum Beispiel ist in manchen Branchen heute schon eine "verlängerte Werkbank" für China, das wird Veränderungen in Gang setzen.

Was ist das Besondere an Projekten zwischen den Kontinenten?

Beide Seiten sollten einander zuhören. Manchmal existieren Erwartungshaltungen und Eindrücke, die falsch sind. Man muss lernen, dass die Dinge anderswo anders ablaufen, aber nicht unbedingt falsch. Das gilt übrigens für beide Seiten. Echtes Interesse und gegenseitiger Respekt ist die Basis für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.

nach oben
Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

Das könnte dich auch interessieren