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"Angefangen hat alles mit einer Wette"

U-Bahn Mobilität Geschwindigkeit High Speed [Quelle: Unsplash.com, Autor: Brandon Mowinkel]

Quelle: Unsplash.com, Brandon Mowinkel

Vor zehn Jahren hat die Karriere von Dr. Maximilian Dürre begonnen – als Praktikant bei Siemens Management Consulting (SMC). Heute ist er Vice President im SMC-Büro in Peking. Dazwischen war der Informatiker und Mathematiker als Strategieberater für Siemens auf der ganzen Welt unterwegs. Was ihn an der Beratung reizt und warum gerade Informatiker für eine Karriere als Consultant geeignet sind, erzählt er hier im Interview.

Herr Dürre, wie sind Sie an den Job gekommen, den Sie heute haben?

Angefangen hat alles mit einer Wette: Ein Kommilitone hat ein Praktikum bei SMC gemacht und mir erzählt, wie spannend er es findet und wie gut ich dort hinpassen würde. Gleichzeitig hat er aber nicht geglaubt, dass ich mich dort auch bewerben würde – das hat er mir ganz offen gesagt. Und das hat mich natürlich herausgefordert. Während meiner Promotion habe ich dann ein Praktikum bei SMC gemacht. Obwohl ich Strategieberatung eigentlich nie auf dem Schirm hatte, habe ich so nicht nur die Wette gewonnen, sondern auch meine Berufung gefunden.

Was hat Ihnen denn besonders an der Strategieberatung gefallen?

Einerseits mag ich Herausforderungen – und davon gab es bei SMC genügend. Langweilig wurde es hier nie. Andererseits hab ich den Kontakt mit anderen Menschen genossen, der in anderen Feldern der Informatik normalerweise nicht so intensiv ist. Ich fand es toll, endlich nicht mehr so viel Zeit nur am Schreibtisch zu verbringen. An SMC hat mir gefallen, dass ich auch im Ausland arbeiten kann. Außerdem war mir die Industriewelt von Siemens auf Anhieb sympathisch: Der Konzern gestaltet gerade im Bereich der Digitalisierung die Zukunft mit – genau so, wie Microsoft es vor 30 Jahren getan hat oder Google vor rund 15 Jahren. Es ist toll, ein Teil davon zu sein.

Inwiefern sind Informatiker für die Strategieberatung geeignet?

Im Studium lernt man, vielschichtige Probleme zu verstehen, zu strukturieren und zu vereinfachen. Außerdem bringen Menschen aus meiner Fachrichtung in aller Regel eine gewisse Neugier auf komplexe Themen und Wissbegierde mit. Das sind Fähigkeiten, die man in der Beratung täglich braucht.

Welche Eigenschaften sollte man denn noch mitbringen als Consultant?

Man sollte auf jeden Fall gerne mit Menschen zusammenarbeiten und Teamarbeit als Geschenk betrachten und nicht als lästige Notwendigkeit. Der Teamgedanke ist zentral bei SMC. Anders kann es angesichts der unterschiedlichen und vielschichtigen Projekte von SMC auch kaum funktionieren. Die Mitarbeiter kommen aus allen Divisionen und Einheiten des Siemens-Konzerns – von Energieerzeugung über Mobilität bis zur Medizintechnik. Und da Siemens in mehr als 200 Ländern weltweit tätig ist und die Berater immer beim Kunden vor Ort sind, ist die Arbeit bei SMC sehr international.

Wie kann man sich den Arbeitsalltag oder eine typische Woche als Consultant mit Informatik-Hintergrund vorstellen?

Ob Informatik-Hintergrund oder nicht: Es gibt eigentlich keinen wirklichen Arbeitsalltag. Jedes Projekt, jede Aufgabe und jede Zusammenarbeit ist neu und anders. Unsere Fragestellungen sind genauso unterschiedlich wie die Siemens- Geschäftsbereiche und verändern sich daher auch immer wieder. Damit ist keiner meiner Arbeitstage vorhersehbar – und genau das finde ich toll.

Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich denn gerade?

Besonders mit der Digitalisierung. Dafür bin ich als Informatiker natürlich bestens geeignet. Hier beschäftige ich mich vor allem mit der Fragestellung, wie man Siemens sowohl extern bei der Digitalisierung der Angebote als auch intern bei der Digitalisierung der Arbeitsprozesse voranbringen kann. Der gesamte Konzern ist gerade dabei, sich zu verändern – in einem Tempo, das vor ein paar Jahren noch nicht absehbar war. Es ist ein tolles Gefühl, diese Zukunft aktiv mitgestalten zu können.

Wie hat die Digitalisierung Ihre Arbeit als Strategieberater verändert?

In der Vergangenheit musste man Informationen noch manuell zusammentragen und analysieren – das war sehr zeitaufwendig. Jetzt kann man große Datenmengen viel einfacher und effizienter auswerten. Wir arbeiten weiterhin sehr analytisch, aber wir können viel schneller in die Bewertung und Strategieentwicklung gehen, weil wir dank der Digitalisierung in der Regel sehr schnell ausreichend Daten haben.

Welches war bis dato Ihr spannendstes Projekt, an dem Sie gearbeitet haben?

Eigentlich waren alle Projekte spannend, in denen es darum ging, wie man Siemens digitalisiert. Wir haben uns mit Fragen auseinandergesetzt wie: Welches Portfolio bieten wir in Zukunft an? Welche in der Vergangenheit erfolgreichen Angebote und Services werden ersetzt? Wie schaffen wir echten Mehrwert für den Kunden von morgen? Wie werden wir produktiver? Hier gab es eigentlich wenige Prototypen, an denen wir uns hätten orientieren können. Wir mussten also in alle möglichen Richtungen denken – das hat es besonders spannend gemacht.

Consulting, Digitalisierung, Informatik – das klingt stark nach einem Business, das von Männern dominiert wird. Ist das so?

Nicht ganz. Es gibt zwar derzeit noch mehr Männer bei SMC, aber der Frauenanteil nimmt stetig zu. Wir sind auf einem guten Weg und freuen uns über jede neue Mitarbeiterin, die wir für uns gewinnen können. 

Dieser Beitrag ist zuerst im Ratgeber "Perspektiven für Informatiker" aus der Buchreihe e-fellows.net wissen erschienen.

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