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"Market-Access-Manager gehen auf Trüffelsuche"

Medikamente [Quelle: freeimages.com, Autor: zeathiel]

Quelle: freeimages.com, zeathiel

Wer bestimmt eigentlich den Preis eines Medikaments, wenn es auf den Markt kommt? Und wie weist man den Nutzen eines Arzneimittels nach? In der Abteilung 'Market Access' bei Roche arbeiten Spezialisten, die sich um genau diese Fragen kümmern und 'auf Trüffelsuche gehen'.

Was macht die Abteilung "Market Access" bei Roche?

Momentan konzentriert sich unsere Arbeit sehr auf das Arzneimittelneuordnungsgesetz (AMNOG). Das besagt unter anderem, dass die Pharmaunternehmen den Zusatznutzen jedes neuen Medikaments nachweisen müssen, um dessen Preis mit dem Spitzenverband der Krankenkassen verhandeln zu können. Wir von "Market Access" erstellen die Dossiers, die beim Staat eingereicht werden müssen und in denen wir den Zusatznutzen unserer Medikamente nachweisen.

Wie genau weisen Sie den Nutzen nach?

In unseren Dossiers tragen wir alle Informationen zum Medikament zusammen, erläutern die Wirkweise und weisen so den Zusatznutzen nach. Die Krankenkassen in Deutschland möchten wissen: Wenn ich für dieses Medikament Geld ausgebe, welchen Nutzen bringt es dem Patienten? Bringt es mehr Nutzen als die Arzneimittel, die schon auf dem Markt sind? Die Methodik, mit der der Zusatznutzen nachgewiesen werden muss, wurde und wird im Wesentlichen vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) von den Behörden entwickelt und nicht von den Pharmaunternehmen. Dabei gibt es natürlich auch eine Reihe von Streitpunkten.

Grundsätzlich wurde die frühe Nutzenbewertung dazu geschaffen, die Versorgung zu verbessern und im Krankheitsfall die besten und wirksamsten Arzneimittel zur Verfügung zu stellen. Diese Haltung des Gesetzgebers ist nachvollziehbar. In vielen Ländern müssen Hersteller nachweisen, welchen Nutzen ihre Innovationen stiften. Dieses Vorgehen trifft seitens der Industrie auf breite Akzeptanz. Das "Wie" in diesem Prozess ist jedoch entscheidend. Das neue Bewertungsverfahren befindet sich nach wie vor in einem Findungsprozess, bei dem alle beteiligten Partner sich grundsätzlich bemühen, das neue System für alle zu einer praktikablen Lösung zu entwickeln. Gleichzeitig haben die bisherigen Erfahrungen mit dem AMNOGG allerdings auch aufgezeigt, dass innovative Arzneimittel deutschen Patienten nicht mehr unmittelbar zur Verfügung stehen könnten. Hier müssen Hersteller und Gesetzgeber den Dialog fortführen, um den Zugang zu innovativen Arzneimitteln langfristig zu sichern.

Was passiert mit dem Medikament, bis Sie das Dossier erstellt haben?

Die Pharmaunternehmen können das Medikament in Deutschland, sobald es die Zulassung erhalten hat, auf den Markt bringen, und zwar zunächst zu einem von ihnen festgelegten Preis. Das bedeutet, dass die Patienten das Medikament sofort erhalten, wenn es zugelassen ist. Gleichzeitig beginnt der Bewertungsprozess. Wir von "Market Access" müssen zu diesem Zweck unser Dossier einreichen, sobald das Medikament auf den Markt gekommen ist. Anschließend bewerten verschiedene Einrichtungen das Dossier und Roche steigt in die Preisverhandlungen ein, die bis zu sechs Monate dauern. Nach einem Jahr gilt dann nicht mehr der Einführungspreis des Medikaments, sondern der mit dem Spitzenverband der Krankenkassen verhandelte.

Welche Aufgabe haben Sie in diesem Prozess?

Als Market-Access-Manager erstelle ich ein Dossier für ein bestimmtes Produkt - dieses hat einen Umfang von mehreren hundert Seiten. Um den Nutzen des Medikaments herauszustellen und alle Informationen zu sammeln, leite ich ein Projektteam, das aus Mitarbeitern aus den verschiedenen Abteilungen und von externen Agenturen besteht. Ich muss mich mit dem Medikament auskennen, zum Beispiel sollte ich die Behandlungsleitlinien kennen.

Was macht Ihnen an Ihrer Arbeit Spaß?

Mir macht die Detailarbeit Spaß, ich habe die Möglichkeit, tief in ein Thema einzutauchen und mich mit den Einzelheiten zu beschäftigen. Außerdem finde ich es toll, dass ich ein Projektteam leiten kann. Wir Market-Access-Manager gehen auf Trüffelsuche, wir müssen Wissen zusammenführen und die richtigen Fragen stellen. Ein Großteil des Wissens ist ja im Unternehmen vorhanden, aber ich muss herausfinden, wo ich es herbekomme. Außerdem sind die "Spielregeln" für den Nachweis des Nutzens und für die Preisverhandlungen von Land zu Land unterschiedlich. Das macht meine Arbeit auch nochmal spannender.

Woher bekommen Sie als VWLer Ihr medizinisches Wissen?

Vieles lese ich mir an. Aber ich spreche auch viel mit Ärzten und bin im Kontakt mit den Kollegen aus der Zulassung, um auf dem Laufenden zu bleiben darüber, wann das Medikament auf den Markt kommt und wie viel Zeit wir noch für das Erstellen des Dossiers haben.

Wie lange arbeiten Sie an einem Dossier?

Meist beginnt man mit der Arbeit am Dossier ein Jahr, bevor das Medikament auf den Markt kommen soll. Die Bearbeitung eines Dossiers dauert neun bis zwölf Monate.

Wie behalten Sie den Überblick über die vielfältigen Regulierungen im Arzneimittelmarkt?

Ich lese die Gesetzestexte und die Änderungen und tausche mich mit meinen Kollegen aus. Ab und zu reise ich auch zu Fachkongressen.

Wie kamen Sie zu Roche?

Ich habe VWL studiert, mich auf Gesundheitsökonomie spezialisiert und darin auch promoviert. Anschließend bin ich bei einer Agentur eingestiegen, die Pharmaunternehmen beim Markteintritt berät. Dort habe ich mein Handwerkszeug gelernt und auch schon Projekte mit Roche umgesetzt. Dabei habe ich einen sehr guten Eindruck von Roche gewonnen. Die Arbeit dort reizte mich, außerdem hat Roche eine volle Pipeline an Medikamenten, die in den verschiedenen Phasen der Entwicklung stecken.

Welche beruflichen Pläne haben Sie?

Ich wechsle gerade meinen Job, ich arbeite weiterhin im Market Access, aber nun auf internationaler Ebene. In meiner neuen Position betreue ich mehrere Länder und habe eine strategischere Funktion.

Wie sichern Sie den uneingeschränkten Marktzugang für Roche-Präparate?

Seit 2011 gibt es das Arzneimittelneuordnungsgesetz, kurz AMNOG, und seitdem ist die Preisbildung für Medikamente nicht mehr frei, sondern unterliegt einem öffentlich gesteuerten Prozess. Roche hat darauf reagiert, indem es die Abteilung Market Development umstrukturiert hat. In diese Abteilung gehören auch wir vom "Market Access" - wie der Name schon sagt, kümmern wir uns um den Markteintritt des Produkts. Wir schreiben Value Dossiers für den Markteintritt des Medikaments.

Wie entwickelt sich der Bereich "Market Access" bei Roche?

Der Marktzugang ist gerade in Deutschland und Europa die Priorität Nummer eins von Roche, das hat auch der Vorstandsvorsitzende so definiert. Daher hat man sehr positive Entwicklungschancen, wenn man im "Market Access" arbeitet und bekommt viel Aufmerksamkeit im Unternehmen.

Was muss man mitbringen für einen Einstieg in "Market Access"?

Die Anforderungen sind sehr vielfältig, damit muss man zurechtkommen. Einsteiger müssen ein gutes ökonomisches Verständnis mitbringen und einen soliden naturwissenschaftlichen Hintergrund, um die Ergebnisse, die sie verarbeiten müssen, wissenschaftlich zu durchdringen. Eine Doppelqualifikation ist wünschenswert, zum Beispiel ein MBA und ein Master of Public Health oder ein Studium in Naturwissenschaften, Medizin oder Pharmazie. Man kann aber auch mit einem BWL-Studium zu uns kommen und seine naturwissenschaftlichen Kenntnisse nach und nach ausbauen. Aber auch Soft Skills sind wichtig: Man muss in der Lage sein, ein Team zu führen, mit Agenturen zusammenzuarbeiten und von den Kollegen die Informationen zu bekommen, die man für seine Arbeit braucht. Das ist im Zweifelsfall sogar wichtiger als die besten fachlichen Ausgangsbedingungen. Wir sind gerade dabei, ein Trainee-Programm für unsere Abteilung ins Leben zu rufen, bieten Stipendien an und betreuen Bachelor- und Master-Arbeiten - es gibt also vielfältige Möglichkeiten, bei uns einzusteigen.

Wie viel Statistikwissen muss man für die Arbeit in Market Access mitbringen?

Wir haben Statistiker im Haus, die uns unterstützen. Wichtiger ist eine gewisse Detail-Orientiertheit und Gründlichkeit, die man mitbringen sollte.

Welche Entwicklungsmöglichkeiten gibt es in Ihrer Abteilung?

Es gibt sowohl die Möglichkeit, sich in eine globale Position weiterzuentwickeln, als auch vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten in der Organisation in Grenzach. Wie gesagt, unsere Abteilung bekommt so eine hohe Aufmerksamkeit im Unternehmen, dass die Mitarbeiter auch in General-Management-Funktionen entwickelt werden sollen.

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