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Industrie statt Apotheke

Labor Pharmazie Mikroskop [© micromonkey - Fotolia.com]

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Wer Pharmazie studiert, landet hinter dem Verkaufstresen einer Apotheke? Nicht unbedingt – denn auch in der Industrie können Absolventen ihr Wissen einbringen. Ob dir diese Arbeit liegt, kannst du im pharmazeutischen Praktikum herausfinden. Tobias Steffan und Birgit Ohlinger von der Roche Pharma AG stellen Aufgaben und Perspektiven vor.

In welchen Abteilungen können Pharmazeuten im Praktikum bei Roche arbeiten?

Steffan: Die Praktikanten können bei uns im Bereich PTQP-Release in vier Abteilungen eingesetzt werden - der Qualitätskontrolle, der Qualitätssicherung und in den beiden sogenannten QP- oder Freigabeabteilungen, die für die Versorgung des Markts und der klinische Studien verantwortlich sind.

Ohlinger: Ich habe das zweite Halbjahr meines praktischen Jahres in der Abteilung "Pharma Quality Marketed Products" absolviert. Die Abteilung ist maßgeblich verantwortlich für die Freigabe von fertig zugelassenen Medikamenten für den europäischen Markt.

Welche Aufgaben hatten Sie dort?

Ohlinger: Ich habe vor allem die Qualified Persons (QPs) in der Abteilung unterstützt, indem ich an der Erstellung von Antwortbriefen für Marktreklamationen beteiligt war und die Beurteilung von Temperaturabweichungen im Rahmen von Warentransporten vorbereitet habe. Das sind Anfragen von Apotheken, die von uns wissen möchten, ob sie ein Medikament trotz Temperaturabweichungen zum Beispiel während des Transports weiter vertreiben können.

Außerdem war ich an einem größeren globalen Projekt beteiligt. Hier ging es um die Optimierung eines Umpackungs- und Freigabeprozesses in Griechenland. Ich war dafür zuständig, die Meetings und Telefonkonferenzen mit unseren griechischen Kollegen zu organisieren, Präsentationen zu erstellen und die Arbeitsanweisung anzupassen.

Dieses Projekt hat mir sehr viel Spaß gemacht, weil mir dabei viel Verantwortung übertragen wurde und ich durch die Organisation und Teilnahme tiefe Einblicke in die Welt des Projektmanagements erhalten habe. Solche Erfahrungen kann man natürlich in einer öffentlichen Apotheke nicht machen.

Was ist für Sie der Unterschied zwischen der öffentlichen Apotheke und einem Arbeitsplatz in der Industrie?

Ohlinger: Die Aufgaben in der Apotheke haben mir ebenso viel Freude gemacht, decken aber nur einen Teil des möglichen Arbeitsfeldes eines Apothekers ab. Dieses wollte ich mit allen damit verbundenen Herausforderungen kennenlernen. Bei Roche hat man natürlich auch Routinetätigkeiten, aber immer wieder neue spannende Projekte – auch auf globaler Ebene und in Zusammenarbeit mit vielen anderen weltweit verteilten Abteilungen. Dadurch kann man nie genau sagen, was der aktuelle Tag an aufregenden Aufgaben und Eindrücken bringt.

Herr Steffan, welche Aufgaben haben die Pharmaziepraktikanten in Ihrer Abteilung?

Steffan: In der Qualitätskontrolle übernehmen die Pharmaziepraktikanten viele klassische Labortätigkeiten. Die sind bei uns sehr heterogen und reichen weit über die Erfahrungen des Studiums hinaus. Die Praktikanten erlernen den Umgang mit hochpotenten Small Molecules, also kleinen Arzneistoffmolekülen, bis hin zu den sogenannten Biologics wie therapeutische Antikörper und Enzyme - zum Beispiel gegen Krebs.

Zusätzlich erleben die Praktikanten die ganzen Prozesse und Tätigkeiten, die es benötigt, um ein GMP-konformes Arbeitsumfeld zu entwickeln, aufrechtzuerhalten und gegebenenfalls gegenüber Behörde zu verteidigen. Unsere letzte Praktikantin hat zum Beispiel ein Laborgerät ausgesucht, bestellt und GMP-konform qualifiziert.

Laborarbeit ist ja ein wesentlicher Bestandteil des Pharmaziestudiums, da bringen die Praktikanten sicherlich schon einiges an Know-how mit. Aber wie ist das mit administrativen Aufgaben, Frau Ohlinger? Wie konnten Sie dabei Ihr Wissen aus dem Studium anwenden?

Ohlinger: Der pharmazeutische Background war auch hier ein großer Vorteil, da man im Studium lernt, wie ein Medikament entwickelt, hergestellt und geprüft wird. Außerdem haben wir im Studium durchaus schon etwas zum Thema GMP gelernt, sodass mir die Begriffe bekannt waren.

Und ich finde, durch das streng getaktete Studium zwischen Vorlesungen, Praktika und Lernen entwickelt man ein gutes Zeitmanagement - das man hier definitiv braucht.

Wie sieht die Betreuung im Praktikum aus?

Ohlinger: Ich hatte in meiner Abteilung eine Qualified Person als Mentorin, die mich eingearbeitet und mir gezeigt hat, wo ich in den Systemen alles finde. Im Büro saß ich mit ihr und einer weiteren QP an einer Schreibtischinsel, sodass ich immer direkt fragen konnte, wenn irgendetwas aufkam. Außerdem hatten wir jede Woche einen festen Termin, in dem wir meine Fragen und Anregungen besprochen und ich auch Feedback bekommen habe.

Steffan: Die Betreuung muss durch einen approbierten Apotheker erfolgen, das ist durch die Approbationsordnung so festgelegt. In der Qualitätskontrolle haben wir das so gestaltet, dass ich als Mentor fungiere. Die fachliche Betreuung läuft in der Regel über einen Apotheker-Kollegen in der Funktion eines Quality Control Managers – dieser vermittelt in enger Betreuung die fachlichen und GMP-Themen.

Mir ist es wichtig, dass ich ein bisschen weitergebe, was ich während meines eigenen Praktischen Jahres erlebt habe. Einen Teil meines Praktischen Jahres habe ich ebenfalls in der Industrie verbracht und dort wichtige Impulse für meine spätere Berufswahl gefunden. Ich bin in einer öffentlichen Apotheke groß geworden und kannte dieses klassische Umfeld sehr genau. Durch das Praktikum habe ich entdeckt, was es an neuer und spannender Analytik gibt, wie ein international vernetztes Unternehmen funktioniert und wie wichtig Personalführung ist. Für mich war im Anschluss klar, dass ich mir das für meine Zukunft vorstellen kann. Meine Motivation ist es, diese Erfahrung an die nächste Generation der Apotheker weiterzugeben.

Welche Voraussetzungen muss man für ein Pharmaziepraktikum bei Roche mitbringen?

Steffan: Rein formal brauchen Sie ein abgeschlossenes zweites Staatsexamen. Wir legen Wert auf einen überdurchschnittlichen Abschluss, das heißt, die zukünftigen Kollegen sollten zum einen sehr fleißig sein und zum anderen ein ausgeprägtes Qualitätsbewusstsein mitbringen – auch und vor allem was ihre eigene Arbeit angeht. Außerdem natürlich Interesse an Analytik, Teamgeist und natürlich das Allerwichtigste: viel Neugier.

Wie läuft das Bewerbungsverfahren ab?

Ohlinger:  Nachdem ich mich auf die Stelle beworben hatte, wurde ich relativ schnell zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Geführt habe ich es mit der Abteilungsleiterin und einer Kollegin aus der Personalabteilung. Das Gespräch empfand ich als sehr angenehm und informativ. Anschließend hatte ich noch ein weiteres Gespräch mit zwei Qualified Persons aus der Abteilung, die mir meine möglichen Aufgaben vorgestellt und meine Vorkenntnisse abgefragt haben. Und das Beste: Schon am nächsten Morgen habe ich Bescheid bekommen, dass es klappt.

Welche Perspektiven haben die Praktikanten bei Roche Pharma?

Steffan: Wenn sie aufgeweckt sind, eröffnen sich ihnen daraus auch Möglichkeiten für einen späteren Job – so wie zum Beispiel bei Birgit. Sie hat die Chance genutzt, sich hier sehr positiv zu zeigen, und ist nun nach einer entsprechenden Bewerbung Mitarbeiterin in der Nachbarabteilung. Auch das Management-Start-Up-QP-Programm ist im Anschluss eine Option für die Pharmaziepraktikanten. Auch wenn die Auswahlverfahren unabhängig sind, wissen sie durch die Zeit im Unternehmen einfach schon, auf welche Stelle sie sich bewerben können und was sie hierfür mitbringen müssen – das ist natürlich ein gewisser Vorteil. Zudem haben Arbeitszeugnisse Roche-intern eine andere Aussagekraft, als wenn sie von anderen Unternehmen sind.  

Was schätzen Sie an Roche als Arbeitgeber?

Steffan: Die Roche Pharma AG ist aus meiner persönlichen Erfahrung ein sehr guter und verantwortungsvoller Arbeitgeber. Das Arbeitsumfeld ist sehr offen und freundlich, so dass man Privates und Berufliches sehr gut kombinieren kann. Das merkt man unter anderem an der Stimmung und Leistungsbereitschaft des jungen und dynamischen Teams. Tagsüber wird konzentriert gearbeitet – ein gemeinsamer Feierabend ab und an darf daher nicht fehlen. Zusätzlich stimmen aber auch die harten Fakten, also Bezahlung und Benefits. Wenn ich mit früheren Kommilitonen spreche, die in anderen großen Unternehmen arbeiten, dann merke ich immer wieder, dass Roche in dieser Hinsicht ein außergewöhnlicher Arbeitgeber ist. Und als Letztes: Die Entwicklungsmöglichkeiten sind ausgesprochen gut. Wer einige Jahre hier in Grenzach gearbeitet hat, hat natürlich auch an den anderen Standorten gute Karten.

Ohlinger: Ich habe mich während der Praktikumszeit bei der Roche Pharma AG sehr wohl gefühlt – so sehr, dass ich wiederkommen wollte. Zudem versucht Roche, sich in Bezug auf die Gestaltung der Arbeitsplätze und die darüber hinausgehenden Angebote immer weiter zu verbessern – ob durch Sportprogramme oder die Kinderkrippe. Highlight sind immer wieder besondere Veranstaltungen, zum Beispiel diese Woche das Spendenevent "Children's Walk" oder zu Beginn des Jahres der "Corporate Day" im Europapark. Man merkt auch, dass das Leitbild "Doing now what patients need next" nicht nur daher gesagt ist, sondern wirklich im Alltag gelebt wird.

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