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Von der Wandfarbe zum Teststreifen

Chancen für Naturwissenschaftler und Ingenieure bei Roche [Quelle: freeimages, Autor: greschoj]

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Wieso man nach einer Dissertation über das Trocknungsverhalten von Wandfarbe bei Roche einsteigt? Imke Ludwig berichtet im Interview von ihrem Ein- und Aufstieg im Unternehmen sowie den vielfältigen Karrieremöglichkeiten für Naturwissenschaftler und Ingenieure bei Roche.

Wie sind Sie zu Roche gekommen?

Ich habe Chemieingenieurwesen an der Universität Karlsruhe, heute KIT, studiert. Während meiner Promotion habe ich an einer Konferenz zum Thema "Trocknung dünner Filme und Schichten" teilgenommen – mein Dissertationsthema war die Untersuchung des Trocknungsverhaltens von Latex-Dispersionen, die zum Beispiel in Wandfarbe eingesetzt werden. Dort habe ich einen Roche-Mitarbeiter kennengelernt, der für Diabetes Care die Trocknung der Wirkstoffe von Glucose-Teststreifen untersucht hat. Im Gespräch mit ihm habe ich festgestellt, dass mein Profil gut zu den Anforderungen bei Roche passen könnte und dass es im Unternehmen vielfältige Stellen und Möglichkeiten für Ingenieure gibt. Als sich meine Promotion dann dem Ende zuneigte, habe ich auf der Homepage von Roche eine Stelle gefunden, die prima zu meinen Studienschwerpunkten passte. Ich habe mich beworben und zusätzlich meinem Kontakt von der Konferenz meine Unterlagen zugeschickt. Nach zwei Wochen hatte ich ein Vorstellungsgespräch und bekam den Job.

Für welche Stelle haben Sie sich beworben?

Ich habe mich als Entwicklungsingenieurin in der Prozessentwicklung bei Roche Professional Diagnostics beworben. Dort war es unter anderem meine Aufgabe, mir zu überlegen, wie die nächste Generation von Blutgerinnungsteststreifen aussehen könnte: Können wir bessere und kostengünstigere Materialien einsetzen? Wo in der Produktion gibt es Schwierigkeiten? Welche Prozesse kann man optimieren? Oder kann man irgendwo neue Wege beschreiten? Zunächst war ich überwiegend in diesen Entwicklungsprojekten beschäftigt, dann wurde ich zudem Projektleiterin von Teams, die an der Optimierung existierender Produkte arbeiteten.

Wie ging Ihre Karriere dann weiter?

Mittlerweile bin ich seit sieben Jahren bei Roche. Nach drei Jahren habe ich bei Professional Diagnostics innerhalb der Prozessentwicklung die Gruppierung Sondermaschinenbau, ein Team von acht Mitarbeitern, übernommen. Dieses Team ist wie ein kleines Maschinenbau-Unternehmen im Unternehmen, denn wir konstruieren die Maschinen zur Produktion von Teststreifen aufgrund der Komplexität der Prozesse zum Großteil selber. Das sind dann sogenannte "Sondermaschinen", in deren Konstruktion viel firmeneigenes Know-how eingeflossen ist.

Maschinenbauer und Konstrukteure designen die Maschinen am Computer mittels CAD. Später wird die Fertigung der einzelnen Teile in Auftrag gegeben und die Maschine aufgebaut. Die Kollegen aus der Automation schreiben die Software, mit der man später die Maschine bedienen kann. Wenn die Anlage aufgebaut ist, wird in einer Qualifizierung geprüft, ob auch wirklich alles so funktioniert wie geplant. Erst dann wird sie an die Produktion übergeben. Bis dahin liegt die Verantwortung für Konstruktion, Bau und Inbetriebnahme der Maschine beim jeweiligen Maschinenprojektleiter aus meinem Team.

Anschließend habe ich die Abteilungsleitung für den Bereich Prozessentwicklung und Sondermaschinenbau mit ungefähr 20 Mitarbeitern übernommen. Damit war ich und mein Bereich neben der Entwicklung und Realisierung von Produktionsmaschinen auch für die Entwicklung neuer Teststreifenkonzepte, für die Herstellungsprozesse in unserem Technikum und für die Produktion neuer Teststreifen-Prototypen verantwortlich.

Können Sie eines Ihrer Projekte schildern?

Da der Bedarf an Blutgerinnungsteststreifen über die Jahre immer weiter angestiegen ist, reichten die bestehenden Produktionsmaschinen nicht mehr aus, um die geforderten Mengen zu produzieren, und es mussten neue gebaut werden. Ich habe die Gesamtleitung dieses Produktionsprojekts übernommen und den Fortschritt gegenüber einem Lenkungsausschuss vertreten. Zunächst haben wir analysiert, wie viele neue Maschinen wirklich benötigt werden und wo mögliche Engstellen liegen. Die darauf basierende Kostenschätzung ergab ein Investitionsvolumen von ungefähr zehn Millionen Euro.

Für alle Maschinen gab es Teilprojektleiter, die ich koordiniert habe. In einem ersten Schritt wurden in den einzelnen Projektteams die Anforderungen an die verschiedenen Maschinen in Form von sogenannten Lasten- und Pflichtenheften abgestimmt und dokumentiert. Ein wichtiges Thema bei allen Maschinenprojekten war natürlich immer die Einhaltung des Terminplans, da alles rechtzeitig beschafft und konstruiert werden musste, um Engpässe bei der Produktion zu vermeiden. Wir haben zeitweise an drei Maschinen gleichzeitig gearbeitet; da ist gutes Projektmanagement enorm wichtig. Das Ganze war für mich eine tolle Erfahrung: Die Arbeit war sehr interdisziplinär, weil viele verschiedene Roche-Abteilungen involviert waren.

Welche Aufgaben haben Sie derzeit?

Ich bin mittlerweile zu Roche nach Basel gewechselt – das war eine private Entscheidung, weil mein Partner dort wohnt. Ich arbeite jetzt bei Roche Pharma im Bereich Technical Development. Dort leite ich Investitionsprojekte im Pharma-Umfeld. Aktuell konzipieren wir einen neuen Reinraum für die Abfüllung von flüssigen Arzneiformen, sogenannte Parenteralia. Noch bin ich in der Einarbeitungsphase, orientiere mich neu und erweitere mein Netzwerk. Viel Wissen aus meiner Zeit bei Diagnostics ist auch hier wertvoll, aber ich muss darüber hinaus auch noch viel über die Produkte und Prozesse bei Roche Pharma lernen – eine tolle neue Herausforderung. Parallel dazu betreue ich auch Innovationsprojekte, in denen wir neue Technologien erforschen.

Was gefällt Ihnen besonders an Ihrer Arbeit bei Roche?

Das Arbeitsklima bei Roche finde ich einfach klasse. Alle sind hilfsbereit und aufgeschlossen. Mittlerweile habe ich durch meine Projekte und Netzwerke sieben Roche-Standorten besucht und überall nette, engagierte und kompetente Kollegen getroffen. Was mir außerdem gut gefällt: Man erlebt die Leitwerte von Roche – Mut, Integrität und Leidenschaft – wirklich im Arbeitsalltag.

Welche Einstiegsmöglichkeiten haben promovierte Naturwissenschaftler bei Roche?

Promovierte Naturwissenschaftler findet man bei Roche häufig in der Forschung und Entwicklung, in der Qualitätskontrolle, in der Analytik und in der Grundlagenforschung, um nur ein paar Beispiele zu nennen – und zwar sowohl bei Roche Pharma als auch bei Roche Diagnostics. Bei Roche Pharma sind neben Biologen und Chemikern natürlich Pharmazeuten sehr gefragt. Abgesehen vom Fachbereich kann man sich zwischen dem Direkteinstieg und dem Start-Up-Programm entscheiden. Letzteres ist ein mehrjähriges Programm mit verschiedenen Stationen, von denen eine im Ausland absolviert wird. Das ist ein guter Ausgangspunkt für diejenigen, die ins Management möchten.

Welche Entwicklungsmöglichkeiten hat man?

Als Fachexperte führt man meist keine Mitarbeiter, sondern entwickelt sich über die Jahre zu einem gefragten Spezialisten für ein bestimmtes Thema oder Forschungsgebiet. Eine andere Entwicklungsmöglichkeit stellt die klassische Linienfunktion dar, bei der man zuerst als Gruppenleiter kleine Teams leitet und nach und nach mehr Verantwortung auch für größere Einheiten übernimmt. Oder man macht eine Projektleiter-Karriere – das trifft besonders häufig auf Ingenieure zu, die zum Beispiel Bau- oder Maschinenprojekte betreuen. Man arbeitet dann in der Matrix, hat meist keine direkt berichtenden Mitarbeiter, aber oft eine große Budgetverantwortung. Aber prinzipiell kann man sagen, dass auch ein späterer Wechsel zwischen einmal eingeschlagener Fach- und Führungslaufbahn möglich ist.

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