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Vorleben, wie sich Kinder und Karriere vereinbaren lassen

Führungspositionen und Teilzeit bei Roche [Quelle: freeimages, Autor: wonders777]

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Zwei Kinder und eine Führungsposition - das klingt nach Erfüllung, aber auch nach harter Arbeit. Was tun, wenn die Kinder krank werden? Welche Unterstützung gibt es? Zwei Managerinnen von Roche berichten im Interview, wie sie es schaffen, Kinder und Karriere zu vereinbaren.

Wie organisieren Sie sich zwischen Führungsposition und Familie?

Ich arbeite Vollzeit und habe zwei Kinder. Wichtig sind für uns natürlich Ganztageskindergarten und -grundschule. Aber auch unser soziales Netzwerk, Familie und Freunde. Wir wechseln uns zum Beispiel untereinander ab beim Abholen der Kinder. Ich habe sehr flexible Arbeitszeiten und kann durch elektronische Unterstützung auch jederzeit noch Aufgaben von daheim erledigen. Generell ist Flexibilität von beiden Seiten gefordert: Ich kann auch mal früher aus der Arbeit gehen, wenn ein Kind krank wird. Dafür bin ich aber auch gerne bereit, außerhalb der regulären Arbeitszeiten zu arbeiten.

Was genau machen Sie bei Roche?

Meine Abteilung mit 20 Mitarbeitern ist dafür verantwortlich, die klinischen Prüfpräparate für Europa freizugeben. Bei der Freigabe sehen wir das Medikament selbst nicht, sondern prüfen anhand von Dokumenten, ob es in Ordnung ist. Wir kontrollieren dabei zum Beispiel den Herstellungsprozess und die Verpackung.

Die Medikamente, die wir prüfen, sind noch nicht freigegeben für den allgemeinen Gebrauch. Sie werden in klinischen Studien verwendet, in denen noch einmal kontrolliert wird, ob sie die gewünschte Wirksamkeit und Unbedenklichkeit für die Patienten aufweisen. Meine Abteilung und ich begleiten somit die Geburtsstunde eines neuen Arzneimittels - es ist sehr spannend, diese neuen Therapieansätze aus der Nähe mitzuerleben. Mein Arbeitsalltag ist geprägt von vielen Sitzungen, Terminen und internationalen Kontakten - das ist ja auch das Schöne an einer Führungsposition: Man spricht sehr viel mit Menschen.

Welche Angebote hat Roche für Mitarbeiter mit Familie?

Ein tolles Angebot, das wir auch genutzt haben, ist die firmeneigene Kinderkrippe. Sie wird gerade auch noch ausgebaut für ältere Kinder. Außerdem sponsert Roche die Ferienbetreuung von Mitarbeiter-Kindern und bietet hierüber Spielgruppen, Bastelnachmittage und sehr vielfältige Aktivitäten an. Das ist wirklich eine tolle Unterstützung, sonst wäre es schwierig, die Ferien zu überbrücken. Und mit den flexiblen Arbeitsarbeiten unterstützt Roche mich natürlich auch.

Was ist das größte Problem, wenn man Kind und Karriere unter einen Hut bringen will?

Schwierig ist, wenn irgendetwas nicht so funktioniert wie geplant. Zum Beispiel, wenn ein Kind krank wird. Oder wenn ein Kind mal schlecht gelaunt ist und Zuwendung braucht, man selbst aber unter Termindruck steht. Kinder sind ja keine Maschinen, die so funktionieren, wie man es gerne möchte. Aber es finden sich immer Lösungen.

Haben es Männer leichter, Familie und Beruf zu vereinbaren?

Ich denke schon, weil von einer Frau von vornherein mehr erwartet wird. Außerdem stellen Frauen in diesem Punkt höhere Ansprüche an sich selbst: Wir wollen unbedingt beides perfekt auf die Reihe bekommen, Kinder und Karriere. In manchen Köpfen ist das alte Rollenbild noch fest verankert, das macht es nicht einfacher. Aber der Wandel im Denken wird sich immer weiter fortsetzen, denn aufgrund des Fachkräftemangels wird es immer selbstverständlicher werden, dass auch Frauen mit Kindern anspruchsvolle Jobs haben.

Eine Führungsposition in Teilzeit - ist das eine sinnvolle Option?

Ich finde es gut, dass es bei Roche die Möglichkeit gibt, in Teilzeit zu arbeiten. Aber in gewisser Hinsicht ist es auch schwierig, weil man sowohl der Familie als auch der Arbeit gerecht werden will und dann die Gefahr besteht, dass man deutlich mehr Stunden arbeitet, als man laut Vertrag sollte. In manchen Stellen ist Teilzeit-Arbeit gut möglich. Eine Führungsposition in Teilzeit ist schwierig, wenn auch nicht unmöglich, weil man ja auch für seine Mitarbeiter da und ansprechbar sein möchte.

Wie gut lassen sich Kinder und Karriere vereinbaren?

Es ist heute schon viel einfacher und besser als vor einigen Jahren. Ich möchte allen Mut machen: Das klappt schon, man muss sich einfach die nötige Hilfe suchen. Wenn man sich genauer danach umsieht, gibt es viel mehr Unterstützung als man vorher dachte. Es ist wichtig, dass wir Frauen jetzt vorleben, wie sich Kinder und Karriere vereinbaren lassen - auch für die Generationen nach uns.

Sie haben bei Roche eine Führungsposition und sind Mutter - wie organisieren Sie sich?

Ich arbeite Vollzeit und habe zwei Kinder im Alter von sechs und neun Jahren. Auch mein Mann hat eine volle Stelle als Leiter Controlling. Unser Sohn ist im Kindergarten und unsere Tochter in der Schule, teilweise mit Ganztagsbetreuung. An drei Nachmittagen in der Woche betreut unsere Kinderfrau die Kinder, die glücklicherweise auch sehr flexibel auf Terminverschiebungen reagieren kann. Sie passt auch mal abends auf unsere Kinder auf oder länger in den Ferien.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Ich habe Medizin studiert und arbeite jetzt bei Roche als Medical Leader. Ich bin zuständig für das Team "Her2 Franchise", also für Medikamente zur Therapie von Brustkrebs. Wir erarbeiten gemeinsam mit Studiengruppen die medizinische Strategie für Medikamente ein bis zwei Jahre vor der Zulassung und überlegen uns, welche weiteren Studien Sinn machen.

Wir sind in die Durchführung von Phase-IV-Studien eingebunden, das heißt, wir erfassen die Sicherheitsdaten und legen zum Beispiel fest, welche speziellen Subgruppen untersucht werden sollen. Außerdem kümmern wir uns um Schulungen für Kollegen. Ich reise sehr häufig, weil ich auf vielen Brustkrebskongressen präsent bin.

Wie unterstützt Sie Roche?

Indem das Unternehmen mir Zugeständnisse macht. Als ich mit dem Job anfing, war man noch der Meinung, dass man den Beruf des Medical Managers in Teilzeit nicht gut ausüben könne. Als ich dann aber einige Jahre später mein erstes Kind bekam, konnte ich danach doch in Teilzeit wieder einsteigen. Ich habe auch als erste in unserer Abteilung zeitweise im Home Office gearbeitet, was sehr gut geklappt hat.

War es gleich klar für Sie, dass Sie schnell wieder in den Job zurück möchten?

Nach dem zweiten Kind wollte ich eigentlich drei Jahre zu Hause bleiben. Aber ich habe schnell gemerkt, dass das nichts für mich ist. Ich habe mich sehr gefreut, wieder in meinen Beruf zurückkehren zu können. Zunächst war ich drei Tage pro Woche im Büro - so habe ich mich gut wieder ins Arbeitsleben eingefunden.

Auf welche Probleme stößt man, wenn man halbtags arbeitet?

Es hat mich immer gestört, dass manche in solchen Fällen sagen: "Sie arbeitet 'nur' Teilzeit". Das klingt gleich so abwertend. Wenn ich als Führungskraft die Wahl hätte zwischen einer exzellenten, erfahrenen Teilzeitkraft und einem unerfahrenen Einsteiger, der Vollzeit arbeitet, würde ich die Teilzeitkraft nehmen.

Obwohl Sie "nur" Teilzeit gearbeitet haben, sind Sie trotzdem auf ‌eine Führungsposition befördert worden?

Ja, Ende 2009 ging meine damalige Vorgesetzte in die Konzernzentrale und ich wurde von ihr sehr unterstützt. Ich habe die Führungsposition als Medical Leader für Brust- und Eierstockkrebs übernommen. Ich habe meine Zeit zunächst auf 90 Prozent aufgestockt und wollte mir den Freitagnachmittag freihalten. Aber das war eine Illusion und hat nicht funktioniert. Meiner Erfahrung nach kann jeder, der über 80 Prozent arbeiten will, auch gleich eine Vollzeitposition annehmen. Wenn man sich in so einem Fall gut strukturiert und ab und zu von Zuhause aus arbeitet, hat man mehr davon. Manche Sachen kann ich im Home Office sogar besser erledigen. Ich unterstütze meine Mitarbeiter auch dabei, wenn sie von Zuhause arbeiten möchten.

Und wie vereinbaren Sie heute die Vollzeitstelle und die Betreuung Ihrer Kinder?

Ich habe eine vertragliche Vereinbarung mit Roche, die mein Vorgesetzter auch sehr unterstützt. Obwohl ich Vollzeit arbeite, kann ich - wenn ich nicht auf Dienstreise bin - donnerstags um 16 Uhr aus dem Büro gehen und am Freitag um 13 Uhr. Dafür arbeite ich aber zusätzlich noch sechs Stunden im Home Office. Dann kümmere ich mich um die Aufgaben, die ich als Führungskraft einfach nicht liegen lassen kann. Als Teamleiterin muss ich präsent sein am Arbeitsplatz und Zeit haben für spontane Besprechungen. Also priorisiere ich zum Beispiel meine E-Mails und hebe mir manche davon für abends oder für das Wochenende auf, um mehr Zeit für meine Kollegen vor Ort zu haben.

Wie reagieren Sie auf Unvorhergesehenes - wenn zum Beispiel ein Kind krank wird?

Dann springt unsere Kinderfrau ein. Zur Not, wenn zum Beispiel auch die Kinderfrau krank ist, kann ich meine Eltern anrufen. Auch unser Netzwerk, unsere Freunde können mal aushelfen. Und ich habe auch schon von zuhause gearbeitet, wenn die Kinder krank sind, das funktioniert in Ausnahmefällen.

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