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Wissenschaftlicher Experte im Dienst des Patienten

Meeting Gespräch Networking Konferenz [© stocktributor - Fotolia.com]

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Eine Publikation schreiben und darauf warten, dass jemand sie liest – damit wollte sich Kai Dittmann nach ein paar Jahren in der Wissenschaft nicht mehr zufriedengeben. Er wünschte sich unmittelbares Feedback und einen messbaren Effekt seiner Projekte. Ganz verzichten wollte er auf das wissenschaftliche Arbeiten trotzdem nicht. Die Lösung? Ein Wechsel als Medical Manager zur Roche Pharma AG.

Sie arbeiten bei Roche als Medical Manager. Welche Aufgaben haben Sie in dieser Position?

Der Medical Manager ist medizinisch-wissenschaftlicher Experte in seinem jeweiligen Indikationsgebiet und arbeitet crossfunktional mit vielen Abteilungen bei Roche. So bildet er  die Schnittstelle sowohl innerhalb "Medical Affairs" als auch zu externen Kundengruppen, wie zum Beispiel Ärzten.

Meine Aufgaben sind sehr vielfältig: Ich organisiere Workshops und Expertenmeetings mit Ärzten, betreue klinische Studien und besuche Kongresse. Außerdem erstelle ich Kommunikationsmaterial für den Außen- und Innendienst und gebe medizinisch-wissenschaftliche Inhalte zu meinem Indikationsgebiet frei, die in Publikationen von Roche erscheinen. Und schließlich trage ich Budgetverantwortung. Hierzu gehört unter anderem die Erstellung eines Jahresplans mit allen Kosten für meinen Verantwortungsbereich, den ich nicht nur kalkuliere, sondern auch präsentiere und verteidige.  

Welches ist Ihr Indikationsgebiet und was ist das Besondere daran?

Mein Indikationsgebiet ist die Hämophilie A, die man im Volksmund auch als Bluterkrankheit kennt. In diesem Markt ist Roche bislang noch nicht vertreten. Als neuer Player müssen wir nun erst einmal lernen, wie das Indikationsgebiet funktioniert und was sich Ärzte und Patienten von neuen Therapieoptionen wünschen. Dazu organisieren wir zum Beispiel sogenannte Advisory Boards, bei denen wir mit den Ärzten unsere Fragen und Anliegen besprechen: Wie unterscheidet sich unser Wirkstoff von den schon am Markt vorhandenen und welche Auswirkungen könnten diese Unterschiede auf die Arbeit von Ärzten und medizinischem Fachpersonal haben? Wie würde eine neue Therapie das Verhältnis zwischen Arzt und Patient oder Hämophilie-Assistent und Patient verändern? Welches Schulungsmaterial benötigt das medizinische Personal, welche Informationen benötigen die Patienten?

Und wie finden Sie diese Ärzte? Können Sie dafür auf ein Netzwerk von Roche zurückgreifen?

Anders als in der Onkologie, wo Roche schon seit Jahrzehnten aktiv ist, gibt es in der Hämophilie noch kein etabliertes Netzwerk. Allerdings ist das Feld in Deutschland relativ klein, wir bewegen uns in einem Bereich von 100 bis 150 Ärzten bei 4.800 Patienten.

Was gefällt Ihnen am meisten an Ihrer Arbeit?

Ich finde es ungemein spannend, mich mit den Ärzten auszutauschen und von ihnen zu lernen. Gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass meine Arbeit wirklich etwas bringt. Als Team stehen wir mit verschiedensten Interessensgruppen im Kontakt und versuchen, ihre Sichtweisen zusammenzubringen. Toll finde ich, dass wir versuchen, die Patienten stets in den Mittelpunkt unserer Betrachtung zu stellen – nur so können wir sicherstellen, dass wir für sie das Optimale entwickeln. In einem Meeting-Raum können wir verschiedenste Szenarien durchspielen – aber letztendlich können uns nur unsere Stakeholder sagen, ob diese auch sinnvoll sind.

Welche Eigenschaften sind in Ihrem Job besonders wichtig?

Die Grundlage ist sicherlich die wissenschaftliche Expertise und die Bereitschaft, diese auf dem aktuellen Stand zu halten, das heißt, Publikationen zu lesen und Kongresse zu verfolgen. In einer cross-funktionalen Position ist es außerdem unheimlich wichtig, teamfähig und gut organisiert zu sein: Als Medical Manager nimmt man an ganz vielen verschiedenen Meetings teil, in denen Anfragen und Aufgaben aus unterschiedlichsten Abteilungen an einen herangetragen werden. Und wenn man dann den Zeitplan nicht einhält, können alle anderen nicht weiterarbeiten. Dafür muss man natürlich auch eine gewisse Belastbarkeit mitbringen: Es gibt immer Phasen, in denen die Arbeitstage etwas länger sind, zum Beispiel, wenn wir den medizinischen Plan aufstellen oder einen Kongress vorbereiten. Aber trotzdem gehe ich am Ende eines solchen Tages zufrieden nach Hause – weil mir die Arbeit einfach Spaß macht.

Bevor Sie zu Roche gekommen sind, hatten Sie schon mehrere Jahre in der Wissenschaft gearbeitet. Warum haben Sie sich zu einem Wechsel entschieden?

Meine Arbeitsgruppe in Göttingen war sehr grundlagenorientiert, hatte als Teil der Universitätsmedizin aber auch einige Anknüpfungspunkte zur Klinik. Ich habe damals gemerkt, dass vor allem Projekte mit Bezug zu den Patienten spannend für mich waren. Wir hatten zum Beispiel Kooperationen, in denen wir Patientenmaterial analysiert und uns den genetischen Hintergrund einer Erkrankung angeschaut haben. Gleichzeitig war ich an einem Punkt angekommen, an dem die Entwicklungsmöglichkeiten begrenzt waren. Deshalb habe ich beschlossen, den Schritt in die Pharmaindustrie zu wagen. Publikationen zu schreiben macht zwar viel Spaß, aber man bekommt kein unmittelbares Feedback. In meinem Job bei Roche sehe ich direkt, was ich für die Patienten tue, und das ist natürlich eine große Motivation für mich.

Was Sie sagen, gilt ja grundsätzlich für alle Pharmahersteller. Was macht Roche besonders?

Roche ist ein sehr innovationsgetriebenes Unternehmen, das immer am Puls der Zeit sein will. Deshalb werden hier keine Generika oder Biosimilars entwickelt. Dies spiegelt auch das Leitbild von Roche wider: "Doing now what patients need next". Unser Ziel ist es, die Therapieoptionen, die wir neu entwickeln, den Patienten möglichst schnell zugänglich zu machen. Dadurch gibt es einen permanenten Fortschritt, wir reagieren ständig auf den Markt und versuchen, die Therapie zu optimieren. Abgesehen davon war Roche für mich auch deshalb interessant, weil es ein weltweit führendes und agierendes Unternehmen ist, in dem Deutschland ein wichtiger Standort ist. Als Medical Manager habe ich viel mit unserer Zentrale in Basel zu tun und nehme auch an den globalen Telefonkonferenzen teil.

Ist Ihnen der Wechsel aus der Wissenschaft in die Industrie schwergefallen?

Es wird ja immer wieder behauptet, dass der Wechsel von der Wissenschaft in die Pharmaindustrie immer schwerer würde, je länger man an der Uni bleibt. Aber bei mir war das nicht der Fall. Im Gegenteil: Ich hatte eher das Gefühl, dass ich in der Wissenschaft vieles gelernt habe, was mir heute im Job nützt. Ich musste auch für meine Publikationen extrem organisiert arbeiten und war es schon gewohnt, Daten vorzustellen, sei es nun auf Seminaren im eigenen Haus oder auf Kongressen. Daher ist mir die Einarbeitung bei Roche nicht sonderlich schwergefallen.

Sie sind zwar erst seit Anfang des Jahres bei Roche – trotzdem die Frage: Welche Entwicklungsmöglichkeiten hat ein Medical Manager langfristig im Unternehmen?

Eine Möglichkeit wäre ein Wechsel ins Headquarter. Wer lieber in Grenzach bleiben will, kann eine Position als Teamleiter anstreben oder in eine andere Abteilung gehen. Anbieten würde sich zum Beispiel die Abteilung Market Access, die den Marktzugang neuer Medikamente begleitet.

Vielen Dank für das Interview, Herr Dittmann.

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