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Eine Reise durch das deutsche Gesundheitssystem

Viele Jahre Forschung sind nötig, bis ein neues Medikament entwickelt ist. Doch damit ist es nicht getan: Denn jetzt muss das neue Medikament zeigen, dass es besser ist als die bereits auf dem Markt verfügbaren. Das zählt zu den Aufgaben der Kollegen bei Roche in Grenzach aus dem Bereich Market Access.

Was macht eigentlich der Bereich Market Access?

Björn Lamprecht: Unsere Aufgabe ist es, den Patienten im deutschen Gesundheitssystem den Zugang zu unseren Arzneimitteln zu sichern und eine angemessene Erstattung durch die Kostenträger zu erreichen. Dabei ist das Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz (AMNOG) sehr wichtig, das 2011 in Kraft getreten ist, und um das sich ein Großteil unserer Arbeit dreht.

Was steht denn in diesem Gesetz?

Björn Lamprecht: Das AMNOG fordert für neue Medikamente den Nachweis eines Zusatznutzens gegenüber bereits zugelassenen Präparaten. Es muss also eine Neuerung auf dem Markt sein. Ein Teil von Market Access beschäftigt sich beispielsweise damit, bereits Jahre vor der Markteinführung die global aufgesetzten Studien zu prüfen, ob sie gemäß den gesetzlichen Anforderungen einen Zusatznutzen für das neue Produkt zeigen können. Eine weitere Einheit koordiniert und erstellt dann das vom Gesetzgeber geforderte Nutzendossier, das quasi der "Beweisführung" dient, also diesen Zusatznutzen glaubwürdig aufzeigt.

Und was genau sind Ihre Aufgaben?

Siri Habersaat: Wir rotieren durch die insgesamt vier Einheiten im Bereich Market Access und arbeiten an ganz unterschiedlichen Projekten in der jeweiligen Fachabteilung  mit. Ich unterstütze zum Beispiel gerade einen Projektleiter bei der Erstellung eines Nutzendossiers. Das ist eine sehr vielfältige Arbeit, denn die Erstellung erfolgt innerhalb eines wissenschaftlich, cross-funktional und interdisziplinär arbeitenden Teams. Dementsprechend ist einiges an zeitlicher und inhaltlicher Koordination erforderlich.

Also keine Laborarbeit?

Siri Habersaat: Nein, wir sind richtige Schreibtischtäter. Die Erforschung im Labor ist einige Zeit vorher erfolgt. Bevor Market Access ins Spiel kommt, sind bereits zehn bis zwölf Jahre Forschungszeit vergangen und erste klinische Studien abgeschlossen.

Björn Lamprecht: Eines unserer Medikamente zur Behandlung von Brustkrebs hat beispielsweise Ende 2014 den gesamten AMNOG-Prozess durchlaufen. Anhand der Studien konnte gezeigt werden, dass es wesentlich effektiver in der Wirksamkeit ist und dabei weniger Nebenwirkungen für die Patientinnen hat als bisherige Produkte gegen diese Krankheit.

Was gehört zu den größten Herausforderungen Ihrer Arbeit?

Siri Habersaat: Eine große Herausforderung ist, dass wir uns in dem sehr komplexen deutschen Gesundheitssystem bewegen mit Gesetzen wie dem AMNOG, aber auch vielen anderen Regelungen - was auch unsere Aufgaben entsprechend komplex macht. Hier ist es wichtig den Überblick zu behalten. Insofern ist die Möglichkeit, durch das Trainee-Programm sämtliche Einheiten von Market Access kennenzulernen und in den jeweiligen Bereichen Expertise aufzubauen besonders hilfreich. Eine weitere Herausforderung ist die wissenschaftliche Aufbereitung aller Studienergebnisse des neuen Medikaments, sodass sie die Anforderungen des Gesetzgebers erfüllen.

Björn Lamprecht: Man muss dazusagen, dass es das AMNOG erst seit 2011 gibt und der Gesetzgeber nicht alle Eventualitäten vorhersehen konnte. Nicht umsonst wird das AMNOG auch als ein "lernendes System" bezeichnet. Für unsere wissenschaftlichen Fragestellungen rund um die Nutzenbewertung haben wir die Möglichkeit, bereits vor Dossiereinreichung mit den zuständigen Vertretern des Gesetzgebers in Dialog zu treten, um sich über Unklarheiten auszutauschen.

Versteht man unter Market Access nicht auch Dinge wie die Preissetzung?

Siri Habersaat: Ja, eine Fachabteilung im Market Access beschäftigt sich genau damit. Und auch das hat mit dem AMNOG zu tun: Seit der Einführung des Gesetzes darf das Pharmaunternehmen den Preis nur noch das erste Jahr frei festsetzen. In diesem ersten Jahr finden die oben beschriebene Nutzenbewertung und eine darauf aufbauende Preisverhandlung statt. 

Mit wem verhandelt man denn da?

Siri Habersaat: Die Preisverhandlungen finden mit dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen statt. Und wenn man einen hohen Zusatznutzen nachweisen kann, das Medikament also deutlich besser ist als der bisherige Standard, hat man natürlich eine bessere Verhandlungsbasis.

Wie sind Sie auf Roche und das Management-Start-Up-Trainee-Programm gekommen?

Siri Habersaat: Ich empfand nach dem Studium ein Trainee-Programm als optimale Gelegenheit, um in den Beruf einzusteigen. Den Bereich Market Access kannte ich bereits von einem Praktikum, also musste ich nicht lange überlegen, als ich die Stellenausschreibung in einer Stellenbörse fand. Außerdem wusste ich, dass Roche führend in der der Entwicklung neuer Arzneimittel ist.

Björn Lamprecht: Ich habe jahrelang in der medizinischen Forschung gearbeitet, wo ich molekulare Ursachen von Krankheiten entdeckt habe, aber leider keine Möglichkeit hatte, mit diesem Wissen auch Medikamente zu entwickeln. Ich kannte mehrere Kollegen, die zu Roche gewechselt sind und sehr positiv über ihren Arbeitgeber berichteten. Zudem wusste ich, dass der Market-Access-Bereich durch das AMNOG gerade stark umgekrempelt wird. Da erschien mir ein Quereinstieg durch das Trainee-Programm sinnvoll.

Für wen ist das Management-Start-Up-Programm im Market Access Ihrer Ansicht nach geeignet?

Siri Habersaat: Unser Bereich ist ein Brückenschlag zwischen Naturwissenschaft und Ökonomie. Daher sind Ökonomen - besonders natürlich Gesundheitsökonomen - wegen ihres wirtschaftwissenschaftlichen Hintergrunds gleichermaßen willkommen wie Naturwissenschaftler, also etwa Biologen, Chemiker oder Mediziner. Genau diese Mischung aus ganz unterschiedlichen Disziplinen am Standort Grenzach ist es auch, die unsere Arbeit sehr abwechslungsreich und vielfältig macht.

Björn Lamprecht: Man sollte in einem der Bereiche, also entweder Naturwissenschaften oder Wirtschaftswissenschaften, Expertise haben. Für das Trainee-Programm sollten die Bewerber über einen Master- oder Diplomabschluss verfügen. Wichtig sind außerdem Kommunikationsstärke und Neugier. Man sollte sich gut in andere Personen hineinversetzen können, da man sowohl innerhalb als auch außerhalb des Unternehmens mit Menschen mit unterschiedlichen Interessen und beruflichem Hintergrund zusammenarbeitet. Hierbei bekommen wir auch innerhalb des Trainee-Programms Unterstützung durch ein speziell für die Trainees angebotenen Curriculums zu genau diesen Themen. Die Trainings finden mit allen Trainees vom Standort Grenzach statt, sodass auch über den eigenen Bereich hinaus ein Austausch mit anderen Abteilungen stattfindet. 

Was machen Sie nach Ende des Trainee-Programms?

Siri Habersaat: Unser Arbeitsvertrag ist unbefristet und nicht auf das Trainee-Programm beschränkt. Nach Ablauf der zwei Jahre Traineezeit ist eine Anschlussposition in einer der vier Fachabteilungen von Market Access vorgesehen.

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