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Roche Start Up Programm Engineering [Quelle: Roche]

Quelle: Roche

Seit drei Monaten Trainee bei Roche und dann schon vor 300 Menschen sprechen? Als Sigurlin Atladottir diesen Auftrag bekam, konnte sie es kaum glauben. Im Interview erzählt sie, warum Herausforderungen wie diese sinnbildlich für das Start Up Programm des Unternehmens sind und wie sie als Isländerin die deutsche Arbeitskultur wahrnimmt.

Warum sind Sie nach Deutschland gekommen? Und wie führte Sie Ihr Weg dann zu Roche?

Deutschland steht für mich wie kein zweites Land für mein Fach, das Ingenieurwesen. Da ich außerdem Deutsch lernen wollte, war es naheliegend, hier einen Teil meines Studiums zu absolvieren. Dass ich nun auch mein Trainee-Programm in Deutschland mache, hat tatsächlich vor allem mit Roche zu tun, weniger mit dem Standort. Ich habe mich in meinem Studium auf Pharmaproduktion spezialisiert und so war für mich klar, dass ich in einem Gesundheitsunternehmen arbeiten will – und am liebsten in einem Biotech-Unternehmen. Da war Roche für mich ganz klar die erste Adresse.

Weshalb haben Sie sich für ein Trainee-Programm entschieden statt für den Direkteinstieg?

Ein Trainee-Programm ist ein cooler Weg, um eine Firma kennenzulernen, denn durch die Rotation in den Projekten bekommt man automatisch einen Rundumblick. Als Start-Up-Teilnehmer bei Roche im Programm Business and Engineering hat man zusätzlich die Sicherheit eines unbefristeten Vertrages, ohne sich schon festlegen zu müssen, welche Stelle man hinterher antritt. Das ergibt sich dann aus den eigenen Interessen und dem Bedarf des Unternehmens.

Vor meiner Bewerbung habe ich mich natürlich auch über das Start Up Programm informiert und habe überall nur Positives gelesen. Es hieß, dass das Programm gut aufgebaut sei, der integrierte Auslandsaufenthalt sehr gut organisiert werde und die Rahmenbedingungen auch passen würden. Heute kann ich das alles bestätigen.

Wie sah der Bewerbungsprozess aus?

Ich hatte zuerst ein Telefoninterview und wurde dann zum Assessment-Center nach Mannheim eingeladen. Das AC bestand aus einer Gruppenaufgabe, zwei simulierten Mitarbeitergesprächen und einem Business Case. Das Verfahren war sehr professionell und fair: Ich hatte gleich das Gefühl, dass, wer auch immer einen Platz im Programm bekommt, auf einer guten Basis ausgewählt wird und der richtige Kandidat sein wird. Ich habe auch andere Assessment-Center kennengelernt und der Prozess bei Roche war im Vergleich dazu durchweg sehr transparent und von hoher Qualität.

Sie haben sich im Assessment-Center durchgesetzt und einen Platz im Start Up Programm bekommen. Wie liefen die ersten Wochen ab?

Wie jeder Mitarbeiter, der bei Roche anfängt, hatte ich zunächst eine eintägige Einführung. Dadurch konnte ich bereits erste Kontakte zu Mitarbeitern knüpfen, die zur gleichen Zeit im Unternehmen anfingen. Danach ging es direkt mit dem ersten Projekt los. Dieses Projekt war aber eher klein, sodass mir genug Zeit blieb, erst einmal in der Firma anzukommen und die Menschen kennenzulernen. Sehr hilfreich ist dafür auch die Trainee-Community bei Roche. Im Programm Business und Engineering sind wir aktuell um die 20 Trainees in Mannheim und Penzberg und treffen uns regelmäßig, zum Beispiel zum Mittagessen. Besonders war in meinem Fall noch, dass gleich in der dritten Woche das jährliche Roche-Trainee-Event mit allen aktiven Trainees und auch den Alumni stattgefunden hat. Dadurch habe ich sehr schnell Anschluss gefunden.

Das Business und Engineering Programm bei Roche dauert zwei Jahre, in denen Sie mehrere Abteilungen durchlaufen. Wie werden diese Stationen ausgewählt?

Jeder Trainee hat einen Mentor, ein Senior Manager aus dem Unternehmensbereich, in dem man sein Trainee-Programm absolviert. Der Mentor hilft bei der Entscheidung, welche Abteilungen und Projekte zu den eigenen Plänen und Zielen passen. Die Bandbreite an möglichen Projekten ist in meinem Bereich Pharma Manufacturing sehr groß: Man kann in die Betriebstechnik gehen, in die Produktion, das Qualitätsmanagement, den Business Support, die Planung … Im Prinzip stehen einem in jeder Abteilung die Türen offen, sofern dort ein vernünftiges Projekt vorhanden ist. Ein Projekt dauert in der Regel zwischen drei und sechs Monaten, abhängig davon, wie viel zu tun ist.

Was war bislang Ihr interessantestes Projekt?

Das ist schwer zu sagen, da die Projekte so unterschiedlich sind. In meinem jetzigen Projekt in der Quality-Einheit geht es beispielsweise darum, den Umzug von elf Laboren in ein neues Gebäude zu organisieren. Das hört sich erst einmal klein an, erfordert aber viel Koordination. Ich bin in diesem Projekt verantwortlich für den Umzug, die Optimierung und Harmonisierung von 5S- und Kanban-Systemen zwischen elf Laboren. Das heißt, ich muss die Verantwortlichen der fünf Labore zusammenbringen und mit ihnen gemeinsam festlegen, wie wir im neuen Gebäude ein gutes, harmonisches System aufsetzen können. Außerdem versuche ich, im Unternehmen Best Practices für einen solchen Umzug ausfindig zu machen, und überlege, wie man deren Learnings in unserem Fall umsetzen kann.

Sie machen also vor allem Projektmanagement?

In meinem aktuellen Projekt ja. Ich hatte aber auch schon Projekte, in denen meine Aufgaben vor allem technischer Natur waren. Mein erstes Projekt war zum Beispiel Teil einer Validierung; es ging darum, dass ein Prozess zwischen zwei Produktionslinien transferiert werden sollte. Ich musste dazu die beiden Linien miteinander vergleichen und darstellen, wie die Voraussetzungen und Abläufe im Einzelnen aussehen und wo sie sich unterschieden. Ein anderes technisches Projekt hat mich nach Penzberg geführt, wo die Wirkstoffe hergestellt werden. Dabei ging es um die Optimierung eines Geschäftsprozesses, der Abweichungen identifiziert, bewertet und verbessert. Das Projekt war Teil eines großen globalen Projektes, das mehrere Standorte betroffen hat. Telefonkonferenzen um 7 Uhr morgens mit Singapore und Kalifornien standen dabei auch auf dem Programm. Das war auch sehr spannend.

Was schätzen Sie denn – abgesehen von den spannenden Aufgaben – noch an der Arbeit bei Roche?

Die Mitarbeiter von Roche sind alle sehr hilfsbereit und kümmern sich gerne um die Belange anderer. Speziell am Start Up Programm schätze ich, dass man unglaublich viele Chancen bekommt und sehr viel ausprobieren und erreichen kann, wenn man diese Chancen ergreift. Ich hatte zum Beispiel im letzten Jahr in drei unterschiedlichen Situationen die Gelegenheit, vor jeweils 300 Menschen zu reden – und das erste Mal gleich nach drei Monaten. Zweimal habe ich bei Versammlungen Teile von Projekten vorgestellt, mit denen ich mich gerade befasst hatte. Der dritte Anlass war ein interner Kongress, bei dem ich die Keynote-Session mitentwickelt und moderiert habe. Im ersten Moment dachte ich mir nur: "Was, echt???" Aber dann ging alles wunderbar und es hat mir richtig Spaß gemacht.

Das Start Up Programm beinhaltet auch einen Auslandsaufenthalt. Haben Sie den schon absolviert?

Tatsächlich noch nicht. Ich werde aber ab April für drei Monate nach San Francisco gehen und mir dort die Spätprozessentwicklung anschauen. In Mannheim bin ich ja an einem Manufacturing-Standort, aber mir war es wichtig, so viel von der Kette zu sehen wie möglich. Daher gehe ich jetzt mit dem Auslandsaufenthalt noch mal einen Schritt zurück Richtung Prozessentwicklung. Ich freue mich unglaublich auf diesen Einsatz, denn man kann in San Francisco bestimmt sehr viel erleben – on and off work.  

Wissen Sie denn schon, was Sie nach dem Trainee-Programm machen werden?

Ich habe das Programm ja gerade erst zur Hälfte absolviert, daher fange ich auch jetzt erst an, mich mit dieser Frage zu beschäftigen. Ich bin aber zuversichtlich, eine passende Stelle bei Roche zu finden: Durch die Projekte knüpfe ich viele Kontakte und die Leute, für die ich gearbeitet habe, wissen auch, wann ich mit dem Programm fertig bin. Da ergibt sich sicherlich etwas.

Sie arbeiten als Isländerin in Deutschland. Wie unterscheidet sich unsere Arbeitskultur von der in Ihrer Heimat?

Ich würde sagen, das betrifft vor allem die Art, wie die Menschen kommunizieren, über welche Themen man spricht und über welche nicht. In Deutschland wird meist zwischen Berufs- und Privatleben getrennt und man lernt von seinen Kollegen oft nur die professionelle Seite kennen. In Island ist das viel integrierter: Kollegen sind meistens auch Freunde. Man lädt sich oft gegenseitig nach Hause ein, isst miteinander, veranstaltet ein BBQ oder plant gemeinsame Unternehmungen in der Freizeit.

Möchten Sie irgendwann wieder nach Island zurückgehen?

Da bin ich tatsächlich absolut flexibel. Ich habe mittlerweile in so vielen Ländern gelebt, auch in Brasilien, Asien und Amerika, und dabei gemerkt, dass es letztlich egal ist, in welchem Land ich lebe. Jedes hat seine Einzigartigkeiten, die ich genießen kann, wenn ich dort bin. Jedes Land hat auch störende Eigenheiten, die man dann aber manchmal vermisst, sobald man weg ist. Letztlich ist es egal, wo ich bin – ich kann immer ins Flugzeug steigen und meine Familie und meine Freunde besuchen.

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