Partner von:

Anlagenqualifizierung in Arizona

Saguara-Kakteen in Arizona [Quelle: Pixabay.com, Autor: PublicDomainPictures]

Quelle: Pixabay.com, PublicDomainPictures

Drei Monate für Roche in Tucson arbeiten: Als Ingenieurin Sonja Schweiker diese Möglichkeit geboten wurde, zögerte sie nicht lange. Im Interview teilt sie ihre Erfahrungen und ihre neu entdeckte Liebe für die Wüste.

Sie leiten den Qualifizierungssupport bei Roche Diagnostics in Mannheim. Welche Aufgabe hat diese Abteilung?

Bevor eine neue Maschine bestellt wird, schauen wir uns an, welche Funktionen die Anlagen haben soll und welche Vorschriften damit erfüllt werden müssen, und schreiben die "User Requirements". Die Vorschriften für die Anlagen ergeben sich zum Beispiel aus dem Medizinproduktegesetz oder aus den Regularien der Food & Drug Administration (FDA). Die Anlagenhersteller designen die Anlage entsprechend, entwerfen die technische Zeichnung und Schaltplan sowie ein Programmkonzept und legen uns das dann vor. Wenn ich das Design akzeptiere, wird die Maschine gebaut. Nachdem die Anlage zusammengebaut ist, prüfe ich dann noch einmal im Rahmen von Funktions- und Installationstests, ob das Design auch so umgesetzt wurde, wie es geplant war.

Sie waren letztes Jahr für drei Monate in den USA. Haben Sie dort auch im Qualifizierungssupport gearbeitet?

Ein Teil meiner Aufgaben war die Qualifizierung eines Ansatzsystems. Außerdem habe ich in einem Projekt für eine automatische Montagemaschine für Dispenser-Spendeeinheiten für Reagenzien mitgearbeitet und dafür unter anderem ein Serialisierungskonzept erstellt. Die Anlage wurde von einem Projektteam von Roche in Mannheim konstruiert; ich war deren Ansprechpartnerin vor Ort. Abschließend habe ich noch eine Präsentation gehalten, wie das Qualifizierungsvorgehen hier in Mannheim aussieht.

Wie kam der Austausch zustande?

Ich hatte schon länger den Wunsch, für drei bis sechs Monate ins Ausland zu gehen, und hatte bereits angefangen, Kontakte zu den Roche-Niederlassungen in Branchburg und Pleasanton zu knüpfen. Ein Projektleiter aus dem Nachbarbereich, der Prozessautomation, hat das mitbekommen und mich gefragt, ob ich Interesse hätte, ihn in einem Projekt bei Ventana (Roche-Gruppe) in Tucson/Arizona zu unterstützen.

Die eigentliche Herausforderung bestand darin, diese Idee zu konkretisieren und voranzutreiben. Vor dem Aufenthalt musste einiges geklärt werden und ich habe mit sehr vielen Personen gesprochen: mit dem Projektleiter, mit meinem Chef, mit der Personalabteilung hier in Mannheim, mit meinem zukünftigen Vorgesetzten und der HR in Tucson. Die Koordination war nicht ganz einfach, aber letztendlich hat alles geklappt.

Wer hat sich um die Organisation vor Ort gekümmert?

Das hat alles die Firma Ventana gemacht – und das war richtig gut! Ich habe zum Beispiel ein Apartment gestellt bekommen und auch ein Auto. Nur das Benzin musste ich selbst bezahlen. Außerdem hat Ventana eine Stadtrundfahrt organisiert, bei der mich jemand ein paar Stunden durch die Stadt gefahren, mir die ein oder andere Sehenswürdigkeit in Tucson gezeigt und erzählt hat, was für Amerika im Allgemeinen und für Tucson im Besonderen typisch ist.

Und wie hat Ihnen Tucson gefallen?

Ich muss gestehen, dass ich anfangs skeptisch war. Ich kam mitten in der Nacht an und dachte erst, ich wäre mitten in der Prärie gelandet. Am nächsten Morgen habe ich festgestellt, dass ich tatsächlich in der Stadt war – ich hatte die Häuser im Dunkeln nur nicht sehen können, weil sie so flach und hinter Büschen versteckt sind. Heute liebe ich Tucson. Natürlich ist das Geschmackssache, weil es in der Wüste liegt. Aber die riesigen Saguara-Kakteen sind schon allein beeindruckend, diese gibt es auch nur in Arizona. Ich habe während dieser Zeit auch angefangen, mit einem Arbeitskollegen zu klettern, und das war in dieser Landschaft natürlich der Wahnsinn!

Welche Unterschiede zwischen Deutschland und den USA sind Ihnen besonders aufgefallen?

Die Atmosphäre in den USA ist lockerer. Erweckt man den Eindruck, dass man Hilfe benötigt, wird man sofort angesprochen. Da sind die Amerikaner äußerst zuvorkommend. Für mich war es aber eine Herausforderung, in dieser Atmosphäre unangenehme Themen anzusprechen. Wenn alle so höflich sind, möchte man ja auch nicht der Elefant im Porzellanladen sein. An die Kritikkultur musste ich mich also erst einmal herantasten, aber nach drei, vier Wochen hatte ich das dann auch raus.

Was noch anders ist: In den USA sind die Ideenfindungsphasen sehr lang. Man macht dort sehr intensiv Brainstorming und lädt dazu viele Leute an einen Tisch. Das war für mich ungewohnt, weil in Deutschland viele Prozesse sehr standardisiert sind. Beeindruckt hat mich auch, wie gut die Amerikaner sich selbst präsentieren und Begeisterung für ein Thema wecken können.

Was war die beste Erfahrung, die Sie in den drei Monaten in Tucson gemacht haben?

Ich würde sagen, das Projekt an sich und dass ich die Qualifizierung während meiner Anwesenheit abschließen konnte. Selbstverständlich war das nicht, denn leider war im Projekt zunächst etwas schiefgegangen und wir mussten die Zeitverzögerung aufholen. Aber das Team hat gut zusammengehalten und es hat niemand gemurrt, auch wenn wir mal am Wochenende arbeiten mussten. Umso schöner war dann das Gefühl, als der Job erledigt war. 

Hat sich Ihre Arbeitsweise durch den Amerika-Aufenthalt verändert?

Ich bin inzwischen seit acht Jahren in derselben Abteilung. Da ist es sehr wichtig, dass man sich ab und an resettet, sich neue Ideen holt, neue Wege und Optimierungsmöglichkeiten kennenlernt. Durch den USA-Aufenthalt hinterfrage ich jetzt zum Beispiel abteilungsinterne Prozesse viel stärker. Die "We can do it"-Mentalität war in Amerika sehr stark ausgeprägt. Ich empfand das sehr motivierend und versuche, dies auch hier umzusetzen.

Haben Sie noch Kontakt zu den Leuten, die Sie in den USA kennengelernt haben?

Meinem Chef schicke ich hin und wieder Grüße und mit einer Kollegin bin ich nach wie vor sehr gut befreundet. Ein anderer Kollege kommt bald für drei Monate nach Deutschland. Da habe ich ein bisschen nachgeholfen und für ihn Kontakte geknüpft. Er wird in der Prozessautomation eingesetzt und an einer Anlage mitarbeiten, die Bluttestkarten für den afrikanischen Markt herstellt. Die große Herausforderung dabei ist es, die Kosten für die Testkarten sehr gering zu halten.

Was begeistert Sie an Roche als Arbeitgeber?

Als Qualifizierungsingenieurin bei Roche habe ich die Möglichkeit, in viele verschiedene technische Systeme reinzuschauen. Wir qualifizieren Verpackungsanlagen, Ansatzsysteme sowie Abfüllanlagen für Reagenzien, und wir sind in der Teststreifenproduktion tätig. Bei jeder Qualifizierung muss man sich neu rein denken, die Technik verstehen und die Vorschriften anwenden, was das Ganze sehr spannend macht. Außerdem gibt es auf dem Markt viele innovative Technologien. Als Projektleiter hat man die Chance, die eine oder andere davon einzusetzen.

Was mir bei Roche auch sehr gefällt, sind die Entwicklungsmöglichkeiten und das Arbeitsklima. Der Umgang miteinander ist sehr freundlich und auf jeden Fall anders als in anderen Firmen, zumindest basierend auf dem, was ich von Freunden erzählt bekomme. Bei uns arbeitet man miteinander, nicht gegeneinander.

nach oben
Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

Das könnte dich auch interessieren