Partner von:

Mit 24 schon Chef

Vorstandsassistent [Quelle: freeimages, Autor: Mart1n]

Quelle: freeimages, Mart1n

Früh als Chef Verantwortung übernehmen - das geht bei Roche. Alexander Fischer verrät, was für ihn als junge Führungskraft die größte Herausforderung ist und wieso man nicht zu forsch agieren sollte.

Sie sind relativ jung in eine Führungsposition gestartet – muss man dabei auf bestimmte Dinge besonders achten?

Ich war 24, als ich Gruppenleiter im Schulungsmanagement geworden bin. Als junger Chef sollte man meiner Meinung nach immer sehr gut vorbereitet sein und auf ein sicheres Auftreten achten, gerade bei Besprechungen. Wichtig finde ich auch, nicht übers Ziel hinauszuschießen. Meine Mitarbeiter sind zum Beispiel alle älter als ich - da muss man aufpassen, dass man als junge Führungskraft nicht direkt alles neu und anders machen will. Stattdessen sollte man seine Mitarbeiter mit einbeziehen und sein Handeln erklären, damit können Aktivitäten nachvollzogen werden und Veränderungen lassen sich leichter durchführen. Generell braucht man als Vorgesetzter eine gute Menschenkenntnis. Es gibt keine Musterlösungen, wie Mitarbeiter geführt werden. Es ist einfach wichtig, dass man sich selbst treu bleibt und sich nicht verstellt.

Wie war das erste Mitarbeiter-Gespräch als Chef?

Es war ein ungewohntes Gefühl, weil man normalerweise auf der anderen Seite sitzt. Ich musste das erste Mal selbst die Themen setzen und Fragen stellen. Ich war aber nicht aufgeregt, auch weil ich meine Mitarbeiter schon gut kannte – ich hatte schon vorher in der Abteilung gearbeitet. Wichtig sind ein Gespür für die Stimmung der Mitarbeiter, Spontanität, zwischen den Zeilen lesen zu können und dass man dem Mitarbeiter genug Raum gibt, über seine Probleme, Aufgaben und Befindlichkeiten zu sprechen. Dann greift man sich die Themen heraus, bei denen man glaubt, helfen zu können.

Was ist für Sie die größte Herausforderung?

Wenn meine Mitarbeiter persönliche Probleme haben, seien es nun Krisensituationen, Krankheiten oder Konflikte im Privatleben. Solche Probleme nimmt man auch mit ins Büro. Ich glaube, bei diesen Themen ist es wichtig, dass man als Vorgesetzter seine Mitarbeiter gut kennt und auf sie eingehen kann. Außerdem ist es eine Herausforderung, dass man jederzeit für jeden erreichbar und ansprechbar sein muss. Dazu kommt, dass andauernd neue und ungewohnte Aufgaben auf einen einprasseln. Das ist manchmal anstrengend, weil man viel reagieren muss. Als Führungskraft hat man oft keinen fest abgesteckten Aufgabenbereich, sondern muss sich seine Prozesse selbst gestalten. Aber im Gegenzug ist es sehr erfüllend, wenn man eine eigene Idee umsetzen kann oder einen Prozess verbessert.

Welche Fehler sollte man als Führungskraft vermeiden?

Wenn man in die Führungsrolle kommt, sollte man nicht zu forsch agieren. Gerade wenn man noch jung ist, möchte man vielleicht sofort die ganze Abteilung umkrempeln. Aber das erzeugt Unmut bei Mitarbeitern, Risse, die später schwer zu kitten sind. Daher sollte man behutsam vorgehen und erstmal nachforschen, was vorher in der Abteilung passiert ist, wie das Verhältnis der Mitarbeiter zur früheren Führungskraft war und wie gewisse Prozesse entstanden sind. Erst wenn man das alles verstanden hat, sollte man damit beginnen, Prozesse umzugestalten.

Außerdem ist es wichtig, die Mitarbeiter gut kennenzulernen und sich ein gutes Verhältnis zu ihnen aufzubauen. Ich würde meinen Führungsstil als eher kooperativ und wenig autoritär bezeichnen. Dabei darf man natürlich in keine Kumpel- oder Freundesrolle hineinrutschen, denn man muss auch durchgreifen können, wenn ein Problem auftritt. Außerdem finde ich es wichtig, Mitarbeitern viel zuzutrauen und sie dazu zu ermutigen, selbst Entscheidungen zu treffen. Es wäre falsch, als Chef alle Aufgaben an sich zu reißen. Stattdessen ist es besser, die Eigenverantwortung der Mitarbeiter zu stärken, nur dann entwickeln sie sich weiter.

Was muss man mitbringen, wenn man eine leitende Position einnehmen möchte?

Ehrgeiz ist sicher hilfreich. Aber aus meinen Gesprächen mit anderen Führungskräften habe ich auch mitgenommen: Eine Führungsposition kann man nicht wirklich planen. Man kann darauf hinarbeiten, aber es gehört auch ein wenig Glück dazu. Was man auf jeden Fall mitbringen sollte: den Willen, Menschen zu führen und Arbeitsprozesse zu gestalten. Außerdem eine gute Menschenkenntnis. Natürlich muss man auch fachlich gut sein, aber oft sind die weichen Faktoren für die Führungsrolle entscheidender. Wenn man in einer globalen Organisation arbeitet, braucht man darüber hinaus Organisationsgeschick und Diplomatie, um die hohe Komplexität zu meistern und zwischen verschiedenen Interessen zu vermitteln.

Kann man sich auf eine Führungsposition vorbereiten?

Auf die meisten Situationen als Führungskraft kann man sich nicht vorbereiten. Stattdessen sollte man einfach eine gewisse Neugier für Menschen mitbringen, und auch Stressresistenz. Dann ergeben sich viele Dinge von selbst. Außerdem wird man mit der Übertragung der Führungsverantwortung durch verschiedene Leadership-Module beim Thema Führung bestens unterstützt.

Was schätzen Sie selbst an Vorgesetzten?

Ehrlichkeit und die Fähigkeit, den Mitarbeitern die Geschäftszusammenhänge im Großkonzern zu vermitteln. Ich finde, das tun Führungskräfte noch viel zu wenig. Nur jemand, der die Zusammenhänge versteht, kann daraus etwas für sich ableiten und seine Aufgaben dementsprechend strukturieren und sich verbessern. Außerdem sollte man gut moderieren und Ergebnisse präsentieren können, auch auf Englisch.

Wie positioniert man sich am besten in der Arbeit, wenn man eine Führungsposition anstrebt?

Es ist wichtig, einen guten Draht zu seinem Chef zu haben. Dann kann man mit ihm einfach darüber reden, dass man gerne eine Führungsposition einnehmen würde und sie oder ihn fragen, ob dies wohl das Richtige wäre. Der eigene Vorgesetzte hat bereits viel Erfahrung mit Führungsaufgaben und kennt seinen Mitarbeiter – er sollte ihn einschätzen können und erklären, was auf einen zukommt. Außerdem sollte man natürlich schlicht seine Arbeit gut machen und sich dadurch schon einen guten Ruf aufgebaut haben. Man kann zusätzlich auch mit der Personalabteilung darüber sprechen, dass man sich eine solche Position gut vorstellen kann. Wichtig ist letztlich die eigene Einstellung - man sollte eine Führungsposition nicht nur deshalb anstreben, weil man "Karriere" machen will. Bei Roche gibt es zum Beispiel auch die Möglichkeit einer Fachkarriere, also der Weiterentwicklung ohne Personalführung.

nach oben
Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

Das könnte dich auch interessieren