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Flexibilität statt "nach mir die Sintflut"

Führungspositionen und Teilzeit bei Roche [Quelle: freeimages, Autor: wonders777]

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Teilzeit und Personalverantwortung müssen sich nicht widersprechen: Christine Hau kümmert sich nicht nur um Investitionen am Standort Mannheim, sondern auch um ihre beiden Kinder. Was es dazu braucht außer einem flexiblen Arbeitgeber und eigenverantwortlichen Kollegen, erklärt sie im Interview.

Frau Hau, Sie haben eine Führungsposition, arbeiten aber nicht Vollzeit?

Nein, ich arbeite 32 Stunden pro Woche wegen meiner beiden Kinder: Meine Tochter ist sieben Jahre alt und mein Sohn zwei.

Und wie sind die 32 Stunden über die Woche aufgeteilt?

Ich arbeite jeden Tag mit relativ fixen Zeiten: Von ungefähr halb neun bis halb vier oder vier bin ich im Büro, danach arbeite ich gegebenenfalls von zu Hause aus weiter. Meine Bürozeiten richten sich eben größtenteils nach den Betreuungszeiten von Kinderkrippe und Hort, wo meine Kinder untergebracht sind.

Welche Aufgaben haben Sie denn als "Head of Reporting & Project Controls"?

Ich bin im Engineering, der technischen Abteilung von Roche in Mannheim. Dort planen wir Investitionen für Gebäude, Produktionseinrichtungen, Labore usw. samt den entsprechenden Einrichtungen. Mein Team und ich sind dabei unter anderem zuständig für Kosten, Termine und Berichtswesen.

Ist es da kein Nachteil, wenn Sie nicht im Büro anwesend sind?

Nein, ich bin zu Hause ja voll arbeitsfähig: Das Telefon stelle ich auf mein Handy um und Zugang zu meinen Arbeits-E-Mails habe ich auch. Meetings halten wir oft via Internet ab.

Dann rufen Ihre Mitarbeiter ja ständig bei Ihnen zu Hause an.

Nein, eigentlich nicht. Meine Kollegen und Geschäftspartner wissen von meinen Bürozeiten, sodass Anrufe zu Hause eher selten sind. Außerdem bin ich so frei und mache das Handy irgendwann auch aus. Ich finde es wichtig, sich zeitlich auch abgrenzen zu können.

Aber Überstunden machen Sie schon…

Ja, natürlich fallen Überstunden an. In so einer Position geht das auch nicht anders. Gerade wenn auch Reisezeiten zu Auswärtsterminen anfallen, lässt sich das nicht vermeiden. Und natürlich auch, wenn es die laufenden Projekte einfordern.

Wie gut kommen Ihre Vollzeit-Mitarbeiter damit klar, wenn Sie als Vorgesetzte immer als Erste gehen?

Ich habe nicht den Eindruck, dass sie das stört. Das liegt aber auch daran, dass wir sehr eigenverantwortlich arbeiten. Ich habe selbst eine Mitarbeiterin, die nachmittags von zu Hause aus arbeitet, weil sie Familie hat. Es kommt eben sehr auf das persönliche Arbeitsumfeld an, ob die Kollegen damit umgehen können und auch, ob dieses Modell zur Arbeitsweise passt.

Wie hilft Ihnen denn Ihr Arbeitgeber dabei, Job und Familie unter einen Hut zu bekommen?

Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der gegenseitigen Flexibilität. Ich habe die Möglichkeit, von daheim aus zu arbeiten. Dafür gehe ich dann auch nicht um halb vier aus dem Büro und sage "nach mir die Sintflut". Auswärtstermine habe ich zum Glück nur wenige. Und als ich auf Teilzeit gewechselt habe, hat Roche eine zusätzliche Assistentenstelle geschaffen, um mich zu entlasten. Außerdem sind meine Kinder glücklicherweise sehr gesund, sodass ich von daher kaum Fehltage habe.

Was ist außerdem noch wichtig für eine gelungene Work-Life-Balance?

Der Erfolg eines solchen Modells steht und fällt mit einer verlässlichen Kinderbetreuung. Damit meine ich sowohl zeitlich verlässlich als auch perspektivisch, also, dass man sich keine Sorgen machen muss, wie lange der Platz noch sicher ist. Ich habe das große Glück, dass meine beiden Kinder zusammen in der Ganztagsbetreuung eines der städtischen Kinderhäuser sind. Diese bieten einen sicheren Betreuungsplatz von der Krippe bis zum Hort, solange wir ihn brauchen. Dieses Konzept finde ich sehr gut.

Apropos Betreuung: Aktuell planen Sie doch auch einen Betriebskindergarten.

Ja, auch das mache ich gerade in meiner Abteilung. Da sind wir aber gerade noch in der Klärungsphase.

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