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Apotheke oder Industrie?

Medikamente [Quelle: freeimages.com, Autor: zeathiel]

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Pharmazeuten haben die Wahl zwischen der Arbeit in der Apotheke oder in der Industrie. Aber welche Unterschiede gibt es da eigentlich? Im Pharmazie-Praktikum bei Roche fand Stephanie es heraus. Im Interview verrät sie, was den Ausschlag für die Pharmabranche gegeben hat.

Wieso haben Sie sich für ein Pharmaziepraktikum bei Roche entschieden?

Nach dem zweiten Staatsexamen schließt sich ein praktisches Jahr an, wobei laut Approbationsordnung mindestens die Hälfte in einer öffentlichen Apotheke stattfinden muss. Für die zweiten sechs Monate kann man sich zum Beispiel auch für die Pharmaindustrie oder für eine Krankenhaus-Apotheke entscheiden. Ich wollte unbedingt auch die Industrie kennenlernen. Roche war mir ein Begriff, es gibt wenig Pharmazie-Studenten, die das Unternehmen nicht kennen. Außerdem hatte ich von Kommilitonen, die dort gearbeitet haben, nur Positives über Roche gehört. Als ich dann eine passende Stellenausschreibung entdeckt habe, habe ich mich beworben und bin genommen worden.

In welchem Bereich haben Sie Ihr Praktikum absolviert?

In "Technical Regulatory Affairs", bei Roche Pharma. Das ist die Abteilung, die sich um die Zulassung neuer Arzneimittel kümmert.

Welche Aufgaben hatten Sie im Praktikum?

Meine Abteilung war für die Zulassung eines neuen Antikörpers zuständig. Ich bin sofort prima ins Team integriert worden und konnte ein Projekt eigenständig übernehmen, den Compliance-Check. Es handelt sich dabei um eine unabhängige Überprüfung der Zulassungsunterlagen durch eine externe Firma. Ich sollte sicherstellen, dass alle Rohdaten der Entwicklung mit den Daten im Dossier für die Überprüfung übereinstimmen.

Wie sind Sie dabei vorgegangen?

Ich habe dafür mit einer Firma in San Francisco zusammengearbeitet, die den "Compliance-Check" durchgeführt hat. Ich war sozusagen der Mittelsmann zwischen dem amerikanischen Unternehmen und Roche.

Inwiefern haben Sie das Wissen aus Ihrem Studium benötigt?

Ich konnte mein Grundlagenwissen anwenden, gerade zur Immunologie und Analytik. Es war wichtig, dass ich mich auskannte und wusste: Was ist ein Antikörper, was macht er? In den Zulassungsunterlagen kamen sämtliche Methoden vor, die ich im Studium gelernt hatte. Nur durch mein Fachwissen konnte ich mir einen Überblick darüber verschaffen, was in den Dokumenten eigentlich steht und was man alles für eine Zulassung benötigt. Ich fand es sehr spannend zu sehen, wie umfangreich so ein Antrag ist. Außerdem hatte ich Glück, weil mein Praktikum gerade in die Zeit kurz vor der Zulassungseinreichung fiel. Dadurch habe ich einiges von den Meetings mit den Behörden mitbekommen und durfte auch die Präsentationen dafür gestalten.

Wie unterscheiden sich Studium und Praxis?

Mein Studium ist breit angelegt, da werden viele Fachbereiche behandelt. Im Praktikum wurde es dann spezifischer, man kann sich für einen längeren Zeitraum in ein Thema vertiefen. Ich habe wirklich nochmal viel dazugelernt.

Haben Sie zu Beginn Ihres Praktikums auch Überraschungen erlebt?

Ich war überrascht, wie schnell ich selbstständig arbeiten durfte. Ich hatte von Anfang an das Gefühl, ein Teil des Teams zu sein; typische Praktikanten-Tätigkeiten fielen kaum ins Gewicht. Stattdessen habe ich ein eigenes Projekt übernommen. Das ist in der Apotheke anders, da ist man vor dem dritten Staatsexamen nicht fertig ausgebildet und muss viel dazulernen, bevor man selbstständig arbeiten und seine erste Kundenberatung durchführen kann.

Welche Unterschiede gibt es darüber hinaus zwischen der Arbeit in der Apotheke und der bei Roche?

Ich habe das Gefühl, dass ich mich bei Roche noch stärker weiterentwickeln kann. Ich arbeite so viel mit anderen Abteilungen zusammen und lerne dabei dazu. Und es gibt so viele Einsatzmöglichkeiten für Pharmazeuten im ganzen Konzern.

Was hat Ihnen im Praktikum am meisten Spaß gemacht?

Der Kontakt zur Firma aus San Francisco. Wir standen in einem regen Austausch und ich konnte so nebenbei auch mein Englisch trainieren, das hat mir viel Spaß gemacht. Auch fachlich fand ich den Bereich super, in dem ich gearbeitet habe. Ich habe einen wichtigen Abschnitt der Zulassung miterlebt. Gerade diese Phase war aufregend, weil man dann das Ergebnis jahrelanger Arbeit ganzer Abteilungen von Forschung bis zur Zulassung sieht.

Wie ging es nach dem Praktikum für Sie weiter?

Ich bin übernommen worden und arbeite jetzt als Referentin Qualitätssicherung bei Roche Diagnostics. Der Übergang war total super - während der Zeit, in der ich noch für mein drittes Staatsexamen lernen musste, konnte ich halbtags arbeiten. Und dadurch, dass ich meine Stelle schon hatte, konnte ich an die Prüfungen auch entspannter herangehen.

Welche Aufgaben haben Sie jetzt?

Ich habe von Pharma zu Diagnostics gewechselt und insofern ist alles noch recht neu für mich. Roche Diagnostics stellt verschiedene Testsysteme her, das geht von Drug Monitoring über Schwangerschaftstests bis hin zur Krebsdiagnostik. Das Feld ist also enorm vielfältig, das macht es für mich sehr interessant. Ich arbeite jetzt in der Abteilung "Change Control" in der Qualitätssicherung. Wir stellen sicher, dass bei sämtlichen Änderungen eines Produkts die Qualität beibehalten wird, dass also die Tests sicher sind und das Ergebnis stimmt.

Was ändert sich an den Produkten?

Es gibt sehr viele verschiedene Arten von Änderungen, zum Beispiel Konzentrationsänderungen, Einengen beziehungsweise Aufweiten von Sollwertbereichen, Änderungen im Labeling und so weiter. Solche Neuerungen können beispielsweise nötig werden, um die Prozesse zu verbessern. Man muss viel Grundwissen besitzen, um die Änderungen bewerten zu können. Momentan bin ich noch in der Einarbeitungsphase, die ein halbes Jahr dauert.

Warum haben Sie sich bei Ihrem Berufseinstieg für die Industrie entschieden?

Ich bin noch jung und wollte einfach etwas Neues ausprobieren. Das Arbeitsklima bei Roche ist sehr gut, das war mir immer wichtig. In einer Apotheke arbeitet man in eher kleinen Teams und kann nicht so viele verschiedene Bereiche kennenlernen. In der Industrie hat man spezifischere Aufgaben und geht fachlich mehr in die Tiefe.

Können Sie sich vorstellen, von der Industrie wieder in die Apotheke zu wechseln?

Momentan nicht, ich fühle mich hier sehr wohl und mir macht die Arbeit viel Spaß. Ich werde es auf mich zukommen lassen, welchen Weg ich einschlagen werde. Es gibt noch keinen festen Plan, mal sehen, welche neuen Chancen sich ergeben. Prinzipiell denke ich, dass ein Wechsel von der Industrie zur Apotheke einfacher ist.

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