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Welche Möglichkeiten gibt es für Pharmazeuten in der Industrie?

Tablette [Quelle: freeimages.com, Autor: alifarid]

Quelle: freeimages.com, alifarid

Pharmaziestudenten werden (Offizin-)Apotheker - oder? Nicht unbedingt, denn auch im Pharmaunternehmen warten spannende Aufgaben. Ausprobieren, ob einem die Arbeit in der Industrie liegt, kann man im pharmazeutischen Praktikum. Dr. André Mang, selbst Pharmazeut, berichtet von seinem Einstieg bei Roche - und wieso er sich heute gar nicht mehr vorstellen könnte, in der Apotheke zu arbeiten.

Was bietet Roche Pharmaziepraktikanten?

Roche ist eine internationale Firma und einer der größten Biotech-Hersteller. Wir haben hauptsächlich Biotech-Produkte in der Pipeline, das ist für junge Leute spannend, weil die Forschung dazu sehr aktuell ist. Wir verlängern mit unserer Arbeit die Lebenszeit von Patienten, unsere Arbeit bringt wirklich Nutzen. Außerdem bietet Roche jungen Menschen sehr gute Karrierechancen. Wenn man als Pharmazeut im Praktikum zu uns kommt, kann man ausprobieren, ob einem die Arbeit in der Industrie Spaß macht. Und man schärft bei uns auch die eigenen Soft Skills. Auch im Lebenslauf macht sich die Station bei Roche später gut. Allerdings sollte man sich bewusst machen, dass man bei Roche wahrscheinlich nicht im Labor forschen wird, sondern eher viele koordinative Tätigkeiten übernimmt.

In welchen Bereichen können Pharmaziepraktikanten bei Roche arbeiten?

Pharmaziepraktikanten arbeiten typischerweise in Produktion und Qualitätskontrolle von Arzneimitteln oder Diagnostika, in Qualitätssicherung, Forschung & Entwicklung und Registrierung & Zulassung. Auch im medizinischen Marketing und im Vertrieb gibt es Stellen, wobei das eher Randgebiete für Pharmazeuten sind.

Welche Aufgaben übernimmt ein Pharmazeut im Praktikum bei Roche?

Das hängt natürlich sehr davon ab, in welcher Abteilung er arbeitet. Ich selbst bin approbierter Apotheker in der Pharmaproduktion und kann somit Pharmaziepraktikanten nach deutscher Approbationsordnung ausbilden. Unsere Pharmaziepraktikanten übernehmen oft Aufgaben im GMP-Bereich (Good Manifacturing Practice), zum Beispiel erstellen sie Dokumentationen, organisieren Besprechungen oder planen eine Reinigungsvalidierung und führen sie teilweise selbst durch. Mit einer Reinigungsvalidierung wird getestet, ob die Maschinen zwischen zwei unterschiedlichen Produktionsvorgängen auch ordnungsgemäß gereinigt werden. Die Praktikanten besprechen dafür mit den Schnittstellen wie Logistik, Qualitätskontrolle und Produktion, wie die Reinigungsvalidierung genau ablaufen soll. Anschließend erstellen sie eine Dokumentation und führen die Validierung in der Praxis durch. Da wir im Dreischicht-Betrieb arbeiten, ist das gar nicht so einfach zu organisieren. Anschließend sammeln die Praktikanten die Ergebnisse und schreiben einen Bericht.

Können Sie noch weitere Beispiele nennen?

Andere Aufgaben eines Pharmaziepraktikanten können zum Beispiel sein, Dokumentationen unserer Prozesse zu aktualisieren. Außerdem geht er auch mal einen Tag zum Beispiel in die Zulassung oder in die Mikrobiologie, damit er auch andere Abteilungen kennenlernt. Je nach Fähigkeiten kann der Praktikant auch Projektarbeit übernehmen und zum Beispiel bei der Optimierung und der Effizienzsteigerung mithelfen. Und nicht zuletzt ist ein Teil des Praktikums auch damit ausgefüllt, den Vorgesetzten auf Sitzungen zu begleiten und dabei zu erleben, welche Aufgaben dieser hat: Wie rekrutiere ich neue Mitarbeiter, wie rede ich mit dem Betriebsrat?

Welche Voraussetzungen muss man mitbringen?

Das Wichtigste ist, dass man Motivation mitbringt. Viele unserer Themen sind für Pharmaziepraktikanten neu – aber man kann alles lernen. Ich freue mich über Praktikanten, die engagiert und interessiert sind und auch mal eine Stunde länger bleiben, wenn es nötig ist. Natürlich sollten die Bewerber auch Grundlagenwissen von der Uni mitbringen. Aber ich schaue nicht nur auf die Noten, sondern vor allem auf die Soft Skills. Denn bei Roche arbeitet man viel organisatorisch, deswegen ist es gut, wenn der der Praktikant planen und kommunizieren kann. Ich nehme lieber jemanden mit einem Zweier-Zeugnis, der mich persönlich überzeugt, als einen Einser-Kandidaten, dem ich gute Koordination und Kommunikation eher weniger zutraue. Und Englisch-Kenntnisse sind hilfreich, weil wir auch international arbeiten.

Wie viel Gehalt bekommen Pharmazeuten im Praktikum bei Roche?

Sie verdienen 1.000 Euro brutto und bekommen das Mittagessen zu vergünstigten Preisen.

Nimmt man von der Arbeit bei Roche auch Wissen fürs Staatsexamen mit?

Das hängt davon ab, in welcher Abteilung man arbeitet. Wenn man in eher "klassischen" Bereichen wie der Produktion oder der Qualitätskontrolle eingesetzt ist, dann nimmt man schon Prüfungswissen aus der Praxis mit. Wir bilden die Praktikanten nach der Approbationsordnung aus und kümmern uns darum, dass sie immer einen Apotheker als Ansprechpartner haben. Und wir stellen die Praktikanten zwei Wochen frei für begleitende Uni-Veranstaltungen.

Welche Entwicklungsmöglichkeiten gibt es für Pharmazeuten bei Roche?

Man kann entweder eine Fachkarriere einschlagen oder in die Managementlaufbahn gehen. Bei der Fachkarriere kümmert man sich eher um wissenschaftlich-fachliche Themen: fachliche Beurteilungen mit Detailkenntnissen im jeweiligen Fachgebiet, zum Beispiel Analytik, oder bei der Produktion von Medikamenten, zum Beispiel als Validierungsexperte. In der Managementlaufbahn geht es primär um Führungsaufgaben zum Beispiel als Team- oder Abteilungsleiter. Mit steigender Hierarchie treten dann die Fachkenntnisse immer mehr in den Hintergrund, hier geht es vor allem darum, Mitarbeiter zu führen, erfolgreiche Teams zusammenzustellen und Projekte abteilungsübergreifend beziehungsweise gegebenenfalls auch global mit anderen Standorten zu koordinieren oder zu leiten.

Welche Möglichkeiten hat man nach dem Praktikum?

Die meisten Praktikanten gehen zurück an die Uni, da in der Pharmazie eine Promotion nicht unüblich ist. Eine Praktikantin ist hier bei uns auch ohne Promotion fest angestellt worden, das kann auch klappen. Wir können nicht immer für jeden guten Praktikanten anschließend eine Stelle finden – das hängt einfach davon ab, ob gerade etwas frei ist. Und ob wir eher Berufsanfänger suchen oder berufserfahrene Mitarbeiter. Aber wenn wir sehen, dass jemand Talent hat und gut zu Roche passt, dann erkundigen wir uns auch mal, ob an anderen Standorten gerade jemand gesucht wird. Und die ehemaligen Praktikanten können über das Bindungsprogramm "Roche Evolution" mit uns in Kontakt bleiben.

Wieso haben Sie sich für Industrie entschieden?

An unserer Uni hielt ein Dozent Vorlesungen, der von Roche kam. Was er berichtete, klang interessant. Als ich mit 25 mit dem Studium fertig war, hatte ich Lust, etwas anderes auszuprobieren, und habe mich bei Roche als Praktikant beworben. Am Anfang war es schon ein wenig ein Kulturschock. Aber die koordinative Arbeit hat mir Spaß gemacht, eigentlich sogar noch mehr als die pharmazeutischen Aufgaben. Ich habe dann schließlich auch meine Doktorarbeit in Zusammenarbeit mit Roche geschrieben. Inzwischen könnte ich mir gar nicht mehr vorstellen, in der Apotheke zu arbeiten.

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