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Mit Bosch auf Weltreise

International, Flaggen, Reisen (© Pixelot - Fotolia.com)

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Die Übersicht der Bosch-Standorte weltweit liest sich für die Mitarbeiter ein wenig wie ein Reisekatalog. Denn all diese Standorte sind mögliche Ziele für Entsendungen. Aber anders als im Urlaub lernt man bei der Arbeit im Ausland einen neuen Ort richtig gut kennen. Und erfährt, wieso Chinesen nicht nein sagen können, warum Franzosen kreativ sind - und warum in der Türkei bei Preisverleihungen Volksfeststimmung herrscht.

Worin unterscheidet sich das Arbeitsleben in der Türkei von dem in Deutschland?

Zunächst einmal gibt es hier eine 45-Stunden-Woche und keine Teilzeitarbeit. Die Mitarbeiter sind aber trotz der langen Arbeitszeiten sehr positiv eingestellt. Alle gehen höflich und freundlich miteinander um und sind auf ein gutes Arbeitsklima bedacht. Arbeit und Freizeit werden hier in der Türkei nicht so stark getrennt wie in Deutschland. Wir unternehmen viel gemeinsam nach der Arbeit. Wir machen miteinander Sport wie Bowling und Volleyball. Es gibt auch einen Fotoclub, und oft veranstalten wir Grillabende.

Generell ist die Stimmung in der Türkei lockerer als in Deutschland. Einmal war ich bei der Verleihung des europäischen Qualitätspreises, den unser Werk zum zweiten Mal gewonnen hatte. Dort herrschte Volksfeststimmung, es wurden Fahnen verteilt und wie in der Disko Popmusik gespielt. Der Vorteil meines Aufenthalts hier in der Türkei ist auch, dass ich an vielen Veranstaltungen und Meetings in der Führungsebene teilhaben kann, wie zum Beispiel an Leadership-Symposien. Das liegt auch daran, dass die Türken sehr statusbewusst sind. Ein Gruppenleiter in der Türkei hat einen sehr hohen Stellenwert, ein Manager ist in der Türkei sehr angesehen. Man hat damit einen exponierten Status.

Wie kamen Sie in die Türkei?

Ich habe 2001 bei Bosch in der Entwicklungsabteilung für Dieseleinspritzdüsen angefangen, 2005 bin ich zum Bereich "Gasoline Systems" gewechselt. Dort hatte ich viel mit den Bosch-Werken in Bamberg und Blaichach zu tun. Wegen dieser Erfahrung hat man mich dann gefragt, ob ich in die Türkei gehen und dort eine neue Entwicklungsgruppe ins Leben rufen will.

Wie haben Sie sich durch die Arbeit im Ausland verändert?

Da ich eine Entwicklungsgruppe ganz von vorne aufbauen musste, gab es viele organisatorische Probleme zu lösen. Dadurch bin ich auf jeden Fall selbstbewusster geworden. An meiner Arbeitsweise an sich hat sich aber nichts geändert.

Was war Ihr schönstes Erlebnis im Ausland?

Wunderbar ist, dass ich eine Wohnung mit Blick aufs Marmarameer habe, mit Terrasse und Pool. Ansonsten konnte ich hier schon schöne Urlaube machen, zum Beispiel eine Tour an der Nord-Agäis bis hinunter nach Izmir. Und ich finde es toll, dass ich hier selbstständig arbeiten kann. Ich bin direkt dem Werksleiter unterstellt und arbeite ganz eigenverantwortlich.

Muss man Türkisch sprechen, um in der Türkei zu arbeiten?

Meine Mitarbeiter sprechen glücklicherweise alle deutsch. Daher muss ich im Arbeitsalltag kein Türkisch sprechen. Mit unserer Personalabteilung kommuniziere ich auf Englisch. Aber im Alltag brauche ich natürlich Türkisch-Kenntnisse - mit meinem Grundwissen komme ich ganz gut durch.

Wie kam es, dass Sie nun in China arbeiten?

Für meine Frau und mich stand schon länger fest, dass wir gemeinsam ins Ausland gehen möchten. Was die Ziele anbelangt, waren wir offen - nur nach Indien und China wollten wir nicht unbedingt. Mein damaliger Chef half mir dabei, eine Tätigkeit im Ausland zu finden. Kurz darauf gab es ein erstes Gespräch mit unserem Einkaufsleiter und meinem jetzigen Mentor, in dem sich ziemlich schnell China als Zielland herauskristallisierte. Als ich entgegnete, dass ich mir wegen des Landes noch etwas unsicher sei, meinte mein Gesprächspartner: "Dann müssen wir Sie mal nach China schicken." So kam es dann auch, ich ging auf Inforeise und stimmte dann der Entsendung nach China zu. Mittlerweile sind wir fast eineinhalb Jahre in China.

Sprechen Sie Chinesisch?

Nein, ganz wenig. Aber meine Frau und ich nehmen Unterricht. In kleineren Restaurants ist es schon hilfreich, wenn man auch auf Chinesisch bestellen kann. Wir wohnen in Suzhou, das ist eine sehr internationale Stadt. Außer beim Taxifahren kommt man in vielen Situationen ohne Chinesisch durch.

Worin unterscheidet sich das Arbeitsleben in China von dem in Deutschland?

Die Bosch-Werke sind weltweit gleich aufgebaut, deshalb ist es prinzipiell eher einfach. Auch die Vorgehensweisen sind ähnlich, das hilft einem im Ausland schon. Ich habe hier in China außerdem relativ viele deutsche Kollegen, die ich teilweise schon kannte. Ein großes Thema ist natürlich die Sprache. Arbeitssprache ist Englisch, aber das ist natürlich sowohl für die Deutschen als auch für die Chinesen eine Fremdsprache. Daher verbringt man viel Zeit mit Erklären.

Die Unterschiede zwischen den Kulturen finde ich spannend. Ich bin zum Beispiel gerne mal ironisch, das verstehen die chinesischen Kollegen aber häufig nicht. Zu Beginn habe ich mich schon gewundert, dass meine Ironie nicht ankommt. Inzwischen versuche ich zu erklären, was Ironie ist und was ich damit meine. Die chinesischen Kollegen wiederum tun sich schwer, "nein" zu sagen. Denn das bedeutet Konflikt, und den will man in China vermeiden. Zur Vorbereitung habe ich an einem interkulturellen Seminar von Bosch teilgenommen, das war gut und sehr hilfreich. Allerdings ist China natürlich ein sehr großes Land, und nicht alle Regeln gelten für alle Gebiete.

Haben Sie sich durch die Arbeit im Ausland verändert?

Ja, ich sage nicht mehr "Gesundheit", wenn jemand niest ;-). Außerdem bin ich gelassener geworden. Am Anfang hat mich noch Vieles auf die Palme gebracht, weil es nicht so gelaufen ist, wie ich es mir vorgestellt habe. In Deutschland läuft alles eher geradlinig ab, in China manchmal über Umwege. Als wir hier ankamen, war unser Gepäck nicht da, weil der Container sechs Wochen im Hafen festhing. Die Personalabteilung in China sah das ganz locker: "Ist doch toll, dann müssen Sie jetzt erstmal nicht auspacken und haben eine entspannte Zeit."

Meine chinesischen Mitarbeiter sind oft noch nicht so lange dabei, deshalb muss ich hier sehr viel mehr erklären. Hier führt man sehr eng und fragt oft nach dem Projektfortschritt - in Deutschland würde man damit den Eindruck vermitteln, seinen Mitarbeitern nichts zuzutrauen. Man muss sich einfach umstellen, der Führungsstil ist ein anderer.

Was war Ihr schönstes Erlebnis in China?

Die Geburt unserer zweiten Tochter. Was natürlich auch toll ist: Man kann hier einen anderen Teil der Welt bereisen, wir waren auf der Insel Sanya, das ist das "Hawaii Chinas", außerdem in Schanghai und Hongkong. Und das chinesische Neujahrsfest war beeindruckend, es gab jeden Tag Feuerwerk und eine große Party.

Was hat Sie in China am meisten überrascht?

Vieles. Der "Kapitalismus" hier hat mich sehr überrascht, denn offiziell ist China ja ein kommunistisches Land. Es gibt nichts, was man hier nicht kaufen kann. Auf den Straßen sieht man viele Mercedes und Rolls-Royce. Überrascht hat mich auch, dass Elektronik nicht billig ist, sondern teurer als in Deutschland.

Eigentlich hatten meine Frau und ich den Eindruck, dass wir interkulturell sehr kompetent und offen sind. Aber mittlerweile haben wir doch gemerkt, dass es gar nicht so einfach ist, hier Fuß zu fassen. In China gibt es wenig Mittelschicht - für die einen sind wir viel zu reich, für die anderen bettelarm. Kontakt aufnehmen ist da schwierig. Wir haben auch chinesische Freunde, aber die sprechen alle deutsch oder englisch. Das ist praktisch, so haben wir Dolmetscher, auch für kulturelle Angelegenheiten.

Wieso haben Sie nach Frankreich gewechselt?

Bei Bosch ist das Ziel, dass der Führungsnachwuchs Auslands- und Führungserfahrung sammelt und verschiedene Funktionen kennenlernt. Ich habe zunächst mehrere Jahre im Controlling und in Finanzen gearbeitet und dann in den Einkauf gewechselt. Vor einiger Zeit habe ich dann mit meinem Vorgesetzten besprochen, wie mein nächster Karriere-Schritt aussehen könnte. Wir beschlossen, dass die nächste Station im Ausland und eine Leitungsfunktion in Finanzen sein sollte. Zur Auswahl standen China und Frankreich - Frankreich war dann interessanter, weil ich dort sowohl im Controlling als auch in Finanzen / Buchhaltung arbeiten konnte.

Worin unterscheidet sich das Arbeitsleben in Frankreich von dem in Deutschland?

Inhaltlich unterscheidet sich die Arbeit nicht, wir benutzen die gleichen IT-Systeme, das gleiche Vokabular wie in Deutschland. Im Ablauf unterscheidet sich die Arbeit aber schon. In Frankreich herrscht ein direkterer Führungsstil als in Deutschland, es gibt einen Chef im Haus. Deshalb kann man von Mitarbeitern auch nicht die gleiche Selbstständigkeit und Autonomie erwarten wie in Deutschland. In Frankreich stimmen sich die Kollegen öfter mit dem Chef ab als in Deutschland. Die Aufgaben werden in kleineren Teilschritten erledigt, es wird viel diskutiert.

Was mir auch aufgefallen ist: Deutsche halten eher Deadlines ein. Franzosen sind andererseits kreativer und anpassungsfähiger. In Frankreich ist es kein Problem, drei Wochen in eine Richtung zu arbeiten und dann in der vierten Woche in eine andere Richtung zu gehen. Da gibt das ganze Team trotzdem noch alles. In Deutschland wären die Mitarbeiter in so einem Fall vielleicht beleidigt. Deutsche Mitarbeiter arbeiten geradlinig auf ein Ziel hin, wirken dabei aber auch manchmal etwas starrsinnig. In Frankreich geht es eher im Zickzack hin und her, sie erreichen das Ziel aber auch. Wenn sich die Begleitumstände massiv ändern, dann können sich die Franzosen viel besser anpassen. Für mich ergibt sich daraus, dass man am besten in gemischten Teams arbeiten sollte, dann kommt man am kraftvollsten nach vorne.

Wie wichtig ist die Sprache?

Ohne Französisch-Kenntnisse kann man meiner Meinung nach in Frankreich nicht arbeiten. In Frankreich ist die Sprache der Schlüssel zum Erfolg. Interkulturelle Affinität ist extrem wichtig, ich konnte mich über die Sprache schnell integrieren.

Haben Sie sich durch die Arbeit im Ausland verändert?

Ich schätze jetzt strukturiertes Arbeiten und Termintreue noch stärker als früher. Auf der anderen Seite ist mir aber auch bewusst geworden, dass gemischte Teams einen großen Vorteil haben. Und natürlich gibt es auch "deutsche Franzosen" und "französische Deutsche", also strukturierte Franzosen und kreative Deutsche. Hier in Frankreich ist mein Arbeitstag länger geworden, aber meine Mittagspause auch. Es ist unmöglich, um 16.30 Uhr mit der Arbeit aufzuhören. Alle arbeiten hier von 8 bis 18 Uhr, die Manager bis 19 Uhr. Aber es ist auch üblich, eineinhalb Stunden Mittagspause zu machen, von der deutschen Industrie war ich das nicht gewohnt. 

Was war Ihr schönstes Erlebnis im Ausland?

Was mich beruflich sehr gefreut hat: Nach anderthalb Jahren in Frankreich meinte eine französische Kollegin zu mir: "Du bist jetzt richtig in Frankreich angekommen, man merkt gar nicht mehr, dass du ein deutscher Boschler bist." Das war für mich ein sehr schönes Feedback. Privat freue ich mich, dass meine Frau und ich französische Freunde gefunden haben. Wir waren schon zu verschiedenen Feiern eingeladen, da kann ein Mittagessen auch mal bis 22 Uhr dauern, weil man bei gutem Essen und interessanten Gesprächen die Zeit vergisst.

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