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Positive Beispiele für mehr Vielfalt

Heidi S. Diversity Management [Quelle: Bosch]

Quelle: Bosch

Die Ingenieurin, die in der Injektorentwicklung ihren "Mann" steht und der 50-jährige Kollege, der in Asien Weiterbildungsprogramme aufbaut  - Mitarbeiter wie diese sorgen für eine reiche Diversität bei Bosch. Die Expertin Heidi Stock nutzt diese Beispiele, um Kollegen die Vorteile der Vielfalt zu zeigen und für sie erlebbar zu machen.

Bei Bosch steht Chancengleichheit schon seit 1994 auf der Agenda - damals noch als Arbeitskreis "Frauen in Führungspositionen"; heute sorgt die Zentralabteilung für Diversity Management für gleiche Aufstiegschancen beider Geschlechter und für eine Veränderung des Mindsets im Unternehmen. "Wir klären auf, stellen den Nutzen von vielfältigen Teams für das Unternehmen in den Vordergrund und wollen weltweit ein offenes Klima für dieses Thema schaffen", so Heidi Stock. Seit dem Start des Projekts in 2011 hat sich viel geändert: Neben dem Thema "Gender" stehen gleichermaßen weitere Aspekte wie Generationen, Internationalität und Arbeitskultur im Fokus. 

Auch nach außen bekennt sich Bosch offiziell zu seinem aktiven Diversity Management und unterzeichnete 2007 die Charta der Vielfalt und 2011 die Charta für familienfreundliche Arbeitszeiten. Die Außendarstellung steht dabei nur an zweiter Stelle. In erster Linie soll die Chancengleichheit wirklich umgesetzt und auch gelebt werden. 

Warum ist Diversity Management heute so ein großes Thema in Unternehmen?

Die Welt wird globaler, vernetzter, und damit auch unsere Kunden, Partner, Märkte und natürlich Mitarbeiter. Wenn sich die Gesellschaft wandelt, betrifft das auch die Unternehmen und damit die Unternehmenskultur. Bosch ist an über 360 Standorten weltweit tätig, allein in Deutschland trifft man über 120 Nationalitäten an. An manchen Standorten arbeiten heute bis zu vier Generationen zusammen - Frauen wie Männer, denn die alten Rollenbilder heben sich zunehmend auf und auch Frauen interessieren sich mehr und mehr für Technik und Karriere.

All diese Veränderungen stellen Herausforderungen an die Personalpolitik. Zum einen müssen wir unsere Mitarbeiter und Führungskräfte in diesem Wandel begleiten und zum anderen ein Umdenken gegenüber eingefahrenen Rollenbildern fördern. Strukturen und Prozesse müssen auf den Prüfstand gestellt werden, um die vielfältigen Bedürfnisse gut abzudecken. Eines ist sicher: Genau diese bunte Mischung bei Bosch macht uns so erfolgreich und innovativ.

Was machen Sie ganz konkret, um das Umdenken bei Mitarbeitern wie Führungskräften zu fördern?

Informieren und ganz viele Beispiele aufzeigen. Hierzu haben wir im Herbst 2011 eine weltweite interne Kommunikationsinitiative gestartet, in der wir zunächst mit Zahlen, Daten und Fakten arbeiten: Was sagen internationale Studien zum Thema Vielfalt? Warum sind vielfältige Teams innovativer und damit auch erfolgreicher als homogene? Und ist Vielfalt ein rein deutsches Thema? In einem zweiten Schritt haben wir dann gezielt Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter befragt, wie sie Vielfalt bei Bosch erleben und selbst dazu beitragen.

Da gab es zum Beispiel die Ingenieurin, die als Führungskraft in der Männerdomäne Injektorenentwicklung arbeitet, oder einen älteren Mitarbeiter, der vor der Möglichkeit stand, mit über 50 als Trainer nach China und Indien zu gehen. Solche persönlichen Lebensgeschichten und Erfahrungen zum Thema Diversity regen andere Mitarbeiter an, das Thema aktiv in den Arbeitsalltag zu integrieren.

Und welche Maßnahmen kommen als nächstes?

Im nächsten Schritt stehen Erfolgsgeschichten im Mittelpunkt. Ein Beispiel ist unser kleiner Akkuschrauber Ixo, den ein gemischtgeschlechtliches Team entwickelt hat. Während die Männer eher auf die raffinierte Technik fokussiert waren, hatten die Frauen ein kleines, praktisches Gerät im Kopf, das auch leicht in ihre Hände passt. Mittlerweile ist dieser kleine Akkuschrauber unser erfolgreichstes Elektrowerkzeug weltweit - und zeigt, dass Arbeit in gemischten vielfältigen Teams eben sehr erfolgreich ist.

Darüber hinaus bieten wir sowohl für Männer als auch Frauen Diversity-Schulungen an. Für die unterschiedlichen Zielgruppen werden gezielte Schwerpunkte gesetzt. Führungskräfte erfahren beispielweise, wie man Vielfalt bereits bei der Teamzusammenstellung clever berücksichtigen kann. Bei Personalern geht es um die Auswahlkriterien und einen geschärften Blick bei Einstellung und Beförderung. Und für Mitarbeiter generell geht es um die Frage: Wie kann ich selbst zu mehr Vielfalt im Unternehmen beitragen und diese in meinem Team nutzen? Denn nur Vielfalt zu haben bringt in erster Linie nichts. Man muss Vielfalt auch wertschätzen und zum Beispiel die unterschiedlichen Blickwinkel oder Erfahrungen aktiv einbinden und nutzen.

2012 wurde Bosch zum familienfreundlichsten Großunternehmen Deutschlands gekürt. Was machen Sie anders als Ihre Mitstreiter?

Zum einen bieten wir eine ganze Palette an Maßnahmen zur Kinderbetreuung an. Hierzu kooperieren wir mit zahlreichen staatlichen Kindergärten oder dem eigenen Bosch-Kindergarten, bieten Ferienprogramme und individuelle Teilzeitmodelle für Eltern oder auch während der Pflegezeit von Familienangehörigen an. Zum anderen war die Jury in diesem Wettbewerb von unserer aktiven Förderung der flexiblen Arbeit - unabhängig von Zeit und Ort - begeistert. Das hilft nicht nur Eltern bei einer besseren Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf, sondern spricht auch jüngere Generationen gut an. Neue Technologien machen es heute möglich, dass man nicht ständig im Büro sein muss, sondern auch mal von Zuhause aus arbeiten kann. Meinen Kollegen in China oder Brasilien ist es schließlich egal, ob ich sie von meinem Schreibtisch bei Bosch oder daheim anrufe - solange eine gute Internetverbindung gegeben ist.

Wie unterstützt Bosch den Wandel weg von starren Präsenzzeiten hin zu mehr Flexibilität?

Dabei setzen wir vor allem auf das eigene Erleben. Wenn man selbst positive Erfahrungen gesammelt hat, wird man zum Überzeugungstäter und Vorbild und ermutigt auch andere. Deshalb haben wir zum 125. Jubiläum von Bosch das Projekt MORE ins Leben gerufen: 125 Führungskräfte konnten dabei für 125 Tage verschiedene Arbeitszeitmodelle testen – angefangen bei einzelnen Home-Office-Tagen bis hin zur Teilzeit. Wichtig war uns, dass Führungskräfte erleben, dass Zusammenarbeit auch gut funktioniert, wenn man nicht rund um die Uhr im Büro vor Ort ist. Die Resonanz war sehr gut und hat viele Skeptiker überzeugt. Aus diesem Grund führen wir das Projekt seither fort, um weiteren Führungskräften das flexible Arbeiten auf Probe zu ermöglichen. Viele entscheiden sich anschließend dafür, die flexible Variante fortzuführen.

Ein Ziel bei Bosch ist auch, den Anteil der weiblichen Führungskräfte zu erhöhen. Wie ist hier der aktuelle Stand?

Mitte 2014 hatten wir einen Anteil von 12,4 Prozent Frauen in Führungspositionen im ganzen Unternehmen. Unser ambitioniertes Ziel ist es, diesen Anteil auf 20 Prozent bis 2020 zu steigern. Das ist kein leichtes Vorhaben, denn die Mehrheit unserer Mitarbeiter arbeitet in den sogenannten MINT-Fächern, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik. In diesen Fächern ist der Frauenanteil insbesondere in Europa immer noch recht gering, sodass wir bereits im Recruiting darauf achten, auch gezielt Frauen anzusprechen und die Besten für uns zu gewinnen.

Unterstützen Sie Mitarbeiterinnen bei ihrer Karrierelaufbahn?

Wichtig ist in diesem Zusammenhang sicherlich das Mentoren-Programm, in dem sich Frauen mit einem erfahrenen Mentor austauschen und so ihr Netzwerk erweitern können. Dann gibt es das "Business Women's Programm" für unsere Fach- und Führungskräfte. Die Teilnehmerinnen besuchen extra konzipierte Schulungen zu Themen wie Selbstmarketing und Führungskompetenz. Dabei gehen die Trainer ganz speziell auf die Bedürfnisse von Frauen ein.

Außerdem gibt es bei Bosch noch das Frauennetzwerk "Women@Bosch". Dieses Netzwerk organisiert sich selbst an den verschiedenen Bosch-Standorten und bringt Frauen aus unterschiedlichen Bereichen zum Austausch, Netzwerken oder zum  gemeinsamen Weiterbilden zusammen. Diesen informellen Austausch schätzen die Mitarbeiterinnen sehr. All diese Maßnahmen unterstützen sie dabei, ihren eigenen Karrierewunsch zu schärfen, denn hier sind Frauen immer noch viel bescheidener als ihre männlichen Kollegen. Bei einer Beförderung ist dann bei Männern wie Frauen vor allem eines ausschlaggebend: die Kompetenz. Und die muss stimmen.

Suchen Sie auch schon vor dem Berufseinstieg Kontakt zu Frauen?

Ja, natürlich, denn wir möchten ja mehr Frauen für uns gewinnen. Da ist es wichtig, schon früh Kontakt zu haben. Bosch verteilt zum Beispiel Baukästen in Kindergärten, mit denen wir die Kinder früh an Technik heranführen. Außerdem gibt es den "Girls' Day", an dem Schulmädchen sich einen Bosch-Standort ansehen können. Beim "Girls' Campus", den Bosch in Kooperation mit der Robert Bosch Stiftung durchführt, besuchen Gymnasiastinnen technische Einrichtungen wie unsere Forschungsstätten. So erhalten sie Einblicke und Erfahrungen in unterschiedlichen technischen Fächern.
Außerdem gibt es verschiedene Veranstaltungen für Studentinnen, bei denen man zum Beispiel eine unserer Rennstrecken kennenlernt und erfährt, was ein Applikateur genau macht. So wollen wir die Teilnehmerinnen in die Technikwelt von Bosch einführen. Wir sind auch unterstützende Partner bei Initiativen wie "Komm mach MINT", um mehr Frauen für technische Studiengänge zu begeistern, denn dass diese Fächer nur etwas für Jungs sind, ist schon lange überholt. In den Expertenforen von e-fellows.net sind unsere Kollegen auch immer wieder vertreten, kommen mit Studierenden in Austausch und geben Einblick in die Bosch-Welt. Wer Interesse an Bosch hat, kann auch die Zeit zwischen Bachelor und Masterstudiengang nutzen und während unseres PreMaster Programms wertvolle Praxiserfahrung sammeln.

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