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Den Alltag eines Consultants kennenlernen und gleichzeitig in einem der größten deutschen Unternehmen arbeiten: Als Praktikantin im Bosch Inhouse Consulting konnte Luisa Furmanski das verbinden. Im Doppelinterview mit einem erfahrenen Kollegen erzählt sie von ihrem Projekt und verrät, was Bosch externen Beratungen voraushat.

Frau Furmanski, warum machen Sie Ihr Praktikum nicht in einer klassischen Unternehmensberatung?

Furmanski: Ich wollte zwar den Alltag im Consulting kennenlernen, aber mir gleichzeitig auch Bosch als möglichen Arbeitgeber anschauen. Außerdem war ich zum Zeitpunkt meiner Bewerbung gerade in Kanada im Auslandssemester und konnte deshalb nicht an Case Interviews in Deutschland teilnehmen. Das war aber bei vielen Unternehmensberatungen Voraussetzung. Bosch hat mir stattdessen ein Telefoninterview ermöglicht. Das hat mir natürlich in die Hände gespielt, weil ich so direkt nach dem Auslandsaufenthalt das Praktikum anknüpfen konnte.

Hoppe: Wenn ein Bewerber am selben Tag an- und wieder abreisen kann, laden wir ihn schon zu einem Gespräch vor Ort ein. So können wir uns persönlich ein Bild von dem Kandidaten machen und natürlich auch umgekehrt der Bewerber von uns. Ein Auslandsaufenthalt sollte einer Bewerbung aber nicht im Weg stehen – dafür ist Auslandserfahrung viel zu wichtig. Deswegen machen wir in solchen Fällen Ausnahmen.

Auf welchem Projekt sind Sie eingesetzt, Frau Furmanski? Und was sind Ihre Aufgaben?

Furmanski: In meinem Projekt geht es um den Automotive Aftermarket und dabei speziell um die Vertriebskosten. Um Anhaltspunkte für Optimierungen zu bekommen, haben wir uns zunächst Gedanken gemacht, welche KPIs für das Geschäft von Relevanz sind. Anschließend haben wir ein Umfragetemplate erstellt, das an vorher definierte Bereiche verschickt und von diesen ausgefüllt wurde. Teil meiner Aufgabe war es, die so gewonnenen Daten zu aggregieren, aufzubereiten, wo notwendig zu bereinigen und zu analysieren. Danach haben wir aus dem Datenmaterial gemeinsam erste Hypothesen und Aussagen abgeleitet. Persönlich fand ich es sehr interessant, dass bereits die Auswertung der Daten einige überraschende Ergebnisse hervorgebracht hat. Diese wurden dem Kunden dann in Workshops präsentiert. Ich habe beispielsweise an einem Workshop mit allen regionalen Vertriebsleitern teilgenommen, bei dem wir über die Analyseergebnisse diskutiert haben – teilweise sehr kontrovers. Häufig stellte sich heraus, dass regionale Spezifika eine große Rolle spielen und deshalb auch besonders berücksichtigt werden müssen.

Was war für Sie bislang die schönste Erfahrung im Praktikum – und die wichtigste Erkenntnis?

Furmanski: Es war sehr motivierend, dass meine Analyseergebnisse im Workshop nicht nur präsentiert, sondern auch von allen Workshop-Teilnehmern ernst genommen und intensiv diskutiert wurden. So hatte ich das Gefühl, einen wertvollen Beitrag zur Projektarbeit zu leisten. Bemerkenswert ist auch, dass ich als Praktikantin nicht nur während der Projektarbeit gut integriert war, sondern auch abends nach der Arbeit beim gemeinsamen Essen. So habe ich sehr schnell Zugang zu den Kollegen gefunden und mich ins Team integriert.

Gelernt habe ich, dass Beratung mehr ist als das Erstellen von Hochglanzfolien und das Ableiten generischer Aussagen. Vielmehr geht es um harte, fundierte Fakten, die sehr sorgfältig aufbereitet und analysiert werden müssen, um zu einer Entscheidungsgrundlage zu kommen.

Hoppe: Wir legen großen Wert darauf, dass unsere Praktikanten nicht nur Zuarbeit machen, sondern Aufgaben mit Tiefgang bekommen, die ein hohes Maß an Eigenverantwortung und Selbständigkeit erfordern. Wir sehen in unseren Praktikanten vollwertige Teammitglieder – sie nehmen beispielsweise auch an allen Teambesprechungen oder an Kundenworkshops teil und wir wollen auch, dass die Praktikanten dort ihre Meinungen und Ideen aktiv einbringen.

Wie laufen die Einarbeitung und die Betreuung während des Praktikums ab?

Furmanski: Am ersten Praktikumstag startet man im Office in Stuttgart. Dort bekommt man den Firmenausweis, Laptop, Freischaltung zu den Laufwerken und eine erste Einweisung zum Projekt. Am nächsten Tag geht's dann aber auch schon direkt aufs Projekt vor Ort. Dort habe ich in meinem Team einen "Buddy" als festen Ansprechpartner, mit dem ich Fragen speziell zum Praktikum klären kann. Fachliche Fragen kann ich aber grundsätzlich jedem aus meinem Team stellen. Die Kollegen sind alle sehr offen und nett – egal wen ich frage, mir wird immer geholfen.

Gibt es für Praktikanten bei Bosch besondere Vorteile?

Hoppe: In erster Linie profitieren unsere Praktikanten von einem sehr guten Einblick in die Bosch-Welt – durch den Austausch mit den Kollegen, den Kunden und anderen Praktikanten, aber auch durch unsere internen Veranstaltungen wie zum Beispiel unser "Friday Morning Special": Jeden zweiten Freitag haben wir Vorträge aus unterschiedlichsten Bereichen des Konzerns zu aktuellen Themen. Letzte Woche ging es um das Projekt "Connected Parking“, das nicht nur ein hoch-innovatives Thema auf dem Weg zum automatisiertes Fahren ist, sondern Bosch auch eine Vielzahl völlig neuer Geschäftsmodelle eröffnet. Praktikanten erhalten übrigens monatlich 975 Euro Gehalt; die auf dem Projekt entstehenden Reise- und Hotelkosten werden selbstverständlich auch übernommen

Welche Voraussetzungen muss ich mitbringen, um ein Praktikum bei Ihnen machen zu können?

Hoppe: Sie müssen auf jeden Fall als Student immatrikuliert sein. Freiwillige Praktika können wir Ihnen für drei Monate anbieten, Pflichtpraktika auch gerne länger. Ansonsten muss man eine gewisse Flexibilität mitbringen. Wir sind von Montag bis Donnerstag vor Ort bei unseren Kunden. Wir legen bei der Auswahl unserer Praktikanten hohe Maßstäbe an: Gute Noten sind dabei ein wichtiges Kriterium, aber natürlich nicht allein ausschlaggebend. Interessant sind für uns solche Lebensläufe, die erkennen lassen, dass der Kandidat hohe Lernbereitschaft und Neugierde mitbringt, aber auch gleichzeitig den Anspruch hat, eigene Ideen mit einzubringen. Analytische Stärken und die Fähigkeit, Dinge kritisch zu hinterfragen und ganzheitlich zu bewerten, versuchen wir in den Interviews mit den Kandidaten zu erkennen. Selbstverständlich erwarten wir auch hohes Engagement, denn wir lassen den Stift nicht um fünf Uhr nachmittags fallen. Trotzdem hält sich die Arbeitszeit in einem vernünftigen Rahmen: Bei uns sitzt kein Praktikant bis Mitternacht am Schreibtisch.

Schließlich ist uns die Teamfähigkeit wichtig. Natürlich hat jeder von uns seine eigenen Aufgaben, aber wir stimmen uns trotzdem ständig untereinander ab. Wenn man vier Tage pro Woche beim Kunden in einem Raum arbeitet, dann muss die Chemie einfach stimmen. Abends gehen wir auch oft noch gemeinsam essen, aber das ist natürlich jedem freigestellt. Wenn jemand lieber ins Hotelzimmer oder den Fitnessraum geht, ist das kein Problem.

Welche Perspektiven haben ehemalige Praktikanten denn allgemein bei Bosch und speziell im Bosch Inhouse Consulting?

Hoppe: Im Inhouse Consulting stellen wir keine Berufseinsteiger ein – das machen wir ganz bewusst nicht und das unterscheidet uns auch von externen Unternehmensberatungen. Wir setzen für unsere Projekte erfahrene Bosch-Manager ein, die teilweise schon ganze Werke oder große Entwicklungsbereiche geleitet haben. Ergänzt wird unser Team durch einige Kollegen, die langjährige Erfahrungen bei namhaften externen Unternehmensberatungen haben.

Einen Einstieg ins Bosch Inhouse Consulting nach einem erfolgreichen Praktikum bieten wir also grundsätzlich nicht an. Wir können aber für gute Praktikanten viele Türen im Konzern öffnen, indem wir Empfehlungen aussprechen oder auch Praktikanten ganz gezielt vermitteln, zum Beispiel für Auslandspraktika oder Werkstudententätigkeiten in anderen Bereichen und letztlich natürlich auch für die Junior-Manager-Programme (JMP), die eine sehr attraktive Einstiegsmöglichkeit bei Bosch sind.

Können Sie sich einen Einstieg bei Bosch vorstellen, Frau Furmanski?

Furmanski: Ich finde das Junior Managers Program sehr interessant und werde mich wahrscheinlich darauf bewerben. Während des Praktikums habe ich, zwei aktuelle und viele ehemalige JMPs kennengelernt, die im Rahmen ihres Programms auch einige Monate in der Inhouse Consulting verbringen beziehungsweise verbracht haben. So konnte ich schon viel über das Programm erfahren und finde diese Art von Einstieg sehr interessant.

Letzte Frage: Wie unterscheidet sich die Arbeit im Inhouse Consulting von einer externen Beratung?

Furmanski: Viele unserer Kollegen sind schon sehr lange bei Bosch und das macht sich natürlich im Alltag bemerkbar: Sie kennen die Prozesse, die IT-Systeme und die Bosch-Sprache und wenn es darum geht, sich Daten zu beschaffen, wissen sie meist, wer die richtigen Ansprechpartner sind. Dadurch können wir sehr schnell ins Projekt einsteigen.

Hoppe: Ein weiterer Unterschied ist sicherlich, dass wir als Inhouse Consulting Teil des Unternehmens sind. Unsere Kunden stehen uns dadurch sehr offen gegenüber, weil das Wissen im Unternehmen bleibt. Außerdem werden wir zwar meist von den Bosch-Geschäftsbereichen beauftragt, das Inhouse Consulting berichtet aber direkt an den CFO des Konzerns. Daran zeigt sich schon der Stellenwert, den Bosch dem Inhouse Consulting als Alternative zu externen Beratern beimisst. Uns ist es wichtig, gemeinsam Lösungen mit unseren Kunden zu erarbeiten, die ja gleichzeitig unsere Kollegen sind – getreu unserem Leitbild "Your Success is our Profession“. Dabei bewahren wir uns aber auch unsere Unabhängigkeit und die notwendige kritische Distanz, um mit unseren Ergebnissen einen Mehrwert im Konzern zu schaffen.

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