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Idealerweise halb deutsch, halb brasilianisch

Internationale Teams bei Bosch [Quelle: freeimages.com, Autor: silviogs]

Quelle: freeimages.com, silviogs

Die Deutschen sind den Brasilianern manchmal zu direkt, stellt Praktikant Jonatas bei Bosch fest. Und Yalcin erklärt, warum man sich in der Türkei die Rechnung fürs Mittagessen nicht teilt. Drei Mitarbeiter von Bosch berichten, was interkulturelle Zusammenarbeit in der Praxis bedeutet und wieso die ideale Arbeitsweise halb brasilianisch und halb deutsch ist.

Wie kommt es, dass die Logistik bei Bosch in Stuttgart so international ist?

Wir sind die Zentral-Abteilung in der Logistik des Geschäftsbereichs Diesel und führen Standards und Prozesse ein - auch in über 20 Auslandsstandorten. Daher ist es zweckmäßig, dass bei uns viele internationale Kollegen arbeiten. Sie kommen von ausländischen Bosch-Standorten zu uns, bleiben durchschnittlich drei Jahre und tragen dann ihr Wissen wieder in ihre "Heimat-Abteilungen". Auch auf diesem Weg können wir Prozesse standardisieren – und uns außerdem gut mit den internationalen Werken austauschen. Derzeit arbeiten bei uns Kolleginnen und Kollegen aus Italien, Tschechien, Brasilien, Indien, der Türkei, Russland und Frankreich.

Welche Schwierigkeiten bringt die Arbeit in internationalen Teams mit sich?

Bei der Zusammenarbeit stellen wir natürlich immer wieder fest: Wir kommen aus unterschiedlichen Kulturen, das lässt sich nicht wegdiskutieren. Das ist einerseits bereichernd, andererseits muss man Missverständnisse mit einkalkulieren. Es kann zum Beispiel zu Verständigungsschwierigkeiten aufgrund von Sprachproblemen kommen - aber Bosch unterstützt die Zugezogenen mit Sprachkursen. Gerade in unserer Abteilung profitieren wir aber sehr stark von ausländischen Mitarbeitern, denn durch sie bekommen wir einen Draht zu den internationalen Werken.

Was gefällt Ihnen an der Arbeit in internationalen Teams?

Ich finde das sehr bereichernd - man entdeckt neue Perspektiven. Ich bekomme durch meine Kollegen mit, wie andere Kulturen ticken. Und ich habe den Eindruck, dass sich die Kollegen aus dem Ausland hier bei uns in Deutschland wohlfühlen und sich gut einleben.

Waren Sie selbst auch schon im Ausland?

Ja, ich bin ab und zu für Geschäftsreisen im Ausland. Außerdem habe ich drei Jahre lang mit meiner Familie in Budweis in Tschechien gelebt - das war eine sehr schöne Zeit. Meine Arbeit bei Bosch hat es mir im Endeffekt leichter gemacht, mich im neuen Land zu integrieren. Denn die Bosch-Werke funktionieren überall auf der Welt recht ähnlich. Das Team war sehr jung und es hat viel Spaß gemacht, dort zu arbeiten, weil so vieles im Aufbau war. Tschechien hat in den Jahren nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, wie alle Ostblockländer, eine sehr schnelle Entwicklung durchgemacht.

Wieso haben Sie innerhalb von Bosch von der Türkei in das deutsche Büro in Stuttgart gewechselt?

Um mich weiterzuentwickeln. Ich möchte noch mehr Erfahrung sammeln, viel lernen und viel sehen. Und ich möchte natürlich auch mein Deutsch verbessern.

Welche Aufgaben übernehmen Sie hier in Deutschland?

Ich arbeite in Stuttgart in der Diesel-Logistik-Zentralabteilung im Team, das fürs Controlling zuständig ist. Wir kontrollieren die Logistik-Kosten und die Bestände. Ich selbst bin für Lean Management und das Bosch-Production-System verantwortlich und unterstütze Werke, die Hilfe von uns aus der Zentralabteilung brauchen. Wir analysieren Werke und identifizieren Verbesserungspotenzial - zurzeit arbeiten wir zum Beispiel an einem Projekt, um die Transportzeiten zu verkürzen. Bei all dem haben wir natürlich immer die Kosten im Blick.

Welche Unterschiede gibt es zwischen der Arbeit in der Türkei und in Deutschland?

In der Türkei werden die Ziele sehr stark von oben vorgegeben, in Deutschland ist Eigeninitiative wichtiger. Hier arbeite ich außerdem sehr strukturell und konzeptionell, in der Türkei war ich mehr mit der Umsetzung beschäftigt. Außerdem ist man in der Türkei verantwortlich für eine größere Breite an Themen, in Deutschland ist man spezialisierter.

Welche kulturellen Unterschiede stellen Sie fest?

Da wir eine so internationale Abteilung sind, ist es wichtig, sich die kulturellen Unterschiede bewusst zu machen, um die anderen besser zu verstehen. Wenn ich zum Beispiel in der Türkei in ein Restaurant gehe – egal mit wem – bestehen immer alle darauf, die komplette Rechnung zu übernehmen. Aber in Deutschland teilt man den Betrag untereinander auf – das ist für mich eher ungewohnt. In der Türkei kann man eher auch mal etwas mündlich erledigen, was man in Deutschland schriftlich macht. Außerdem sind die Deutschen sehr pünktlich – wenn man in der Türkei mal fünf Minuten zu spät kommt, ist das nicht so schlimm.

Gibt es etwas, dass Sie in Deutschland überrascht hat?

Die Leistungen vom VfB Stuttgart. Ich bin erst seit vier Wochen in Deutschland und war schon drei Mal beim VfB im Stadion. Wenn ich in der Türkei bin, bin ich Fan von Galatasaray Istanbul, aber hier in Deutschland bin ich Stuttgart-Fan.

Wieso sind Sie für Ihr Praktikum nach Deutschland gekommen?

Ich habe schon in Brasilien als Werkstudent für Bosch gearbeitet und dort die deutsche Arbeitskultur kennengelernt. Deswegen wollte ich auch einmal in Deutschland arbeiten und noch mehr über Bosch lernen. Hier sind alle sehr organisiert und strukturiert - das gefällt mir. In Brasilien geht es informeller und spontaner zu.

Und welche Aufgaben haben Sie?

Ich arbeite in der zentralen Logistik-Abteilung der Diesel System Business Division an verschiedenen Projekten mit, bereite Berichte und Analysen vor und präsentiere sie in Meetings. Außerdem sammle ich Informationen aus den weltweiten Logistik-Teams. Unsere Abteilung ist dafür verantwortlich, ihr Wissen und Best Practices an die internationalen Logistik-Büros weiterzugeben - deswegen müssen wir natürlich wissen, wo die anderen Abteilungen stehen. Gerade analysieren wir, welche Transportart am effizientesten ist. Ich lerne einiges, was mir sehr viel Spaß macht.

Welche Unterschiede gibt es zwischen der Arbeit in Brasilien und in Deutschland?

Ich kann nur von meinen Erfahrungen sprechen und weiß nicht, ob man das verallgemeinern kann. Aber ich finde, dass die Deutschen strukturierter und geplanter sind. Außerdem kommunizieren die Deutschen sehr direkt – Brasilianer sind da oft diplomatischer. In Brasilien würde man so eine direkte Art der Kommunikation persönlich nehmen. Andererseits sind wir in Brasilien flexibler, wenn wir ein Problem lösen – das macht uns auch recht produktiv. Ich finde einen Mix aus deutschen und brasilianischen Herangehensweisen am sinnvollsten, damit erzielt man in der Arbeit die besten Ergebnisse.

Ist Ihr Team hier in Deutschland international?

Ja, es ist sehr international. Hier arbeiten Kollegen aus der Türkei, China, Italien und Deutschland. Das finde ich super - in so einem internationalen Team hat man bessere Ideen, ist kreativer und hat unterschiedliche Perspektiven auf ein Problem. Wir geben uns besonders viel Mühe, die Ideen und Argumente der Kollegen zu verstehen - das führt dazu, dass wir Probleme besser durchdringen und optimale Lösungen finden. Natürlich kann das auch manchmal schwierig sein. Aber wir profitieren alle von der interkulturellen Zusammenarbeit und werden dadurch flexibler und produktiver.

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