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Software gegen Geldwäsche

Geldwäsche, Geld, Geldscheine (Quelle: freeimages.com, steved_np3)

Quelle: freeimages.com, steved_np3

Wie legt eine Bank eigentlich fest, wer einen Kredit bekommt? Wie schützt sie sich vor Kreditausfällen? Melanie Maier von Bosch Software Innovations entwickelt Software für Stress-Tests, Risiko-Analyse und Bonitätsbewertung. Und lernt dabei auch selbst von den Banken.

Bosch Software Innovations entwickelt Software für Unternehmen und hat dabei zwei Schwerpunkte: Finance-Lösungen und E-Mobility. Bosch Software Innovations liefert Lösungen für Kundenmanagement, Compliance, Kredit- und Risikomanagement. Die E-Mobility-Sparte kümmert sich um die Bereitstellung von Elektromobilitätsdiensten über das Internet, zum Beispiel Ladestationen für Elektro-Autos.

Verhindern Sie mit Ihrer Arbeit Geldwäsche und Finanzbetrug?

Das machen unsere Kollegen aus der Compliance-Abteilung. Sie stellen den Kunden Software bereit, mit der diese regelbasiert prüfen können, ob in ihrem Unternehmen alle Richtlinien eingehalten werden. In meiner Abteilung unterstützen wir unsere Kunden, zum Beispiel Banken, bei der Risiko-Analyse und Bonitätsbewertung. Das ist ja gerade auch ein großes Thema in den Medien. Mit unserer Software erstellen und pflegen unsere Kunden Rating-Modelle, mit deren Hilfe entschieden wird, welches Rating ein Kunde bekommt. Darauf basierend wird entschieden, ob ein Kreditnehmer einen Kredit bekommt und wenn ja, zu welchen Konditionen.

Das heißt, Sie sind eine Finanzspezialistin?

Wir sind fachlich nicht so tief drin, dass wir die Berechnungslogik selber erarbeiten. Die Modelle geben die Banken bei einer Beratungsagentur in Auftrag. Für die Umsetzung der Modelle brauchen wir eine gewisse Affinität zur Mathematik, da die Modelle teilweise etwas komplexere mathematische Berechnungen enthalten. Der Kunde hat normalerweise eine fundierte finanzmathematische Ausbildung und ein mathematisches Verständnis hilft dabei, die Anforderungen des Kunden zu verstehen. Außerdem ist es gut, wenn man Einblick und Erfahrung im Finance-Bereich hat, aber das ist nicht zwingend nötig. Die meisten, die bei uns anfangen, haben diese Erfahrung nicht, vieles lernt man dann nach und nach im Job. Außerdem gibt es in unseren Projekten auch viele ganz klassische Entwickler-Aufgaben, für die man kein Finance-Wissen benötigt. Was die Entwicklungsaufgaben angeht: Für die Entwicklung in unseren Produkten und Projekten verwenden wir Java. Es ist also hilfreich, wenn man die Grundlagen objektorientierter Programmiersprachen beherrscht und fundierte Java-Kenntnisse mitbringt.

Sollten nicht alle Banken schon längst ein Rating-Modell haben, um die Kreditwürdigkeit ihrer Kunden berechnen zu können?

Das stimmt, die Eigenkapitalbestimmungen, Basel II genannt, sind nicht neu. Banken müssen ihre Kunden schon immer "raten", also ihre Kreditwürdigkeit berechnen. Die Realität in den Banken sieht aber meist so aus, dass bisher eine Excel-Lösung verwendet wird oder viele verschiedene Individuallösungen eingesetzt werden und somit eine sehr inhomogene System-Landschaft besteht. Der Nachteil dabei: Die Berechnung ist oft nicht standardisiert, es können nicht mehrere Anwender gleichzeitig arbeiten, der Prozess ist nicht durch Software unterstützt. Um die bestehenden Defizite zu lösen, kommen wir von Bosch Software Innovations ins Spiel: Mit unseren Produkten setzen wir Software-Lösungen um, die die Berechnungslogik in Regelmodelle abbilden und somit verständlicher und transparenter sind. Der Kreditrisikomanagement-Prozess besteht nicht nur aus der Ermittlung von Ratings, sondern fordert unter anderem die Durchführung von Stress-Tests. Auch dafür bieten wir Lösungen an.

Was genau versteht man unter einem Stress-Test?

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) hat festgelegt, dass auf Stress-Tests mehr Wert gelegt werden muss. Der Stress-Test findet nach dem Rating statt. Dabei simuliert man: Was passiert, wenn eine neue Krise kommt? Sind wir dann ausreichend abgesichert? Mit Stress-Tests können Unternehmen simulieren, wie sie auf kritische Situationen reagieren und welche potenziellen Auswirkungen das auf das Portfolio hat. Zum Beispiel können sie simulieren, ob sie Worst-Case-Szenarien überleben würden.

Und wie wird Bosch Software Innovations dabei aktiv?

Wir führen zusammen mit unseren Kunden Projekte durch, um die meist historisch gewachsene, bestehende Lösung beim Kunden durch eine einheitliche, webbasierte Anwendung zu ersetzen. Dabei erarbeiten wir zusammen mit dem Kunden Regelmodelle, mit denen wir die Oberfläche zur Eingabe der Stresstest-Parameter definieren. Außerdem legen wir die Logik für die Einbeziehung der Stress-Parameter in die Berechnung der Ratings fest. Meist sind auch die Ratingmodelle mit unserer Lösung umgesetzt, mit denen die ursprüngliche Berechnung der Ausfallwahrscheinlichkeit der Ratings ohne Stress-Parameter durchgeführt wurde. Die Stresstest-Anwendung führt eine Berechnung durch, um die Stresssituation mit verschiedenen Parametern zu testen. Das Besondere an unserer Software ist, dass sie eine grafische Oberfläche hat. So wird die Berechnungslogik für die Mitarbeiter der Bank verständlich dargestellt und ist nicht nur Java-Programmiercode, den nur Entwickler verstehen. Die Kunden sollen so viel wie möglich selbst in der Hand haben und auch die Modelle selbst weiter pflegen können.

Sie arbeiten ja sozusagen an den Herzstücken der Banken mit. Ist das eine sensible Aufgabe?

Ja, mit den Rating-Modellen arbeiten wir an dem, was die Kernkompetenz der Bank ausmacht. Daher sind wir extrem darauf bedacht, sorgfältig mit den Modellen umzugehen. Es darf zum Beispiel auf keinen Fall passieren, dass ein Kunde ein Modell von einem anderen Kunden zu Gesicht bekommt.

Wer sind Ihre Kunden?

Natürlich Banken. Aber Risikobewertung ist nicht mehr nur für Banken relevant, sondern mittlerweile auch für Unternehmen interessant. Im Automobil-Sektor sind bei Krisen zum Beispiel gerade die kleineren Zulieferer stark belastet, weil sie mit den Automobil-Unternehmen nur wenig große Kunden haben. Für diese Unternehmen ist es daher wichtig, ihr Risiko zu bewerten: Wie wahrscheinlich ist es, dass ich bezahlt werde von meinen Kunden, an die ich liefere? Wie wahrscheinlich ist es, dass mein Kunde ausfällt?

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Ich bin Projektleiterin, mein Arbeitsalltag besteht viel aus klassischem Projektmanagement: Ich kümmere mich um die Budgetplanung und um die Abstimmung mit den Kunden, verteile die Aufgaben und behalte den Projektfortschritt im Blick. Ich kümmere mich auch darum, das Modell beim Kunden auszuliefern und organisiere Workshops, in denen ich die Kunden schule, damit sie mit dem Modell umgehen können. Momentan betreue ich zwei Kunden, einer davon ist eine große deutsche Immobilienbank, für die wir eine Rating-Anwendung umgesetzt haben und die wir jetzt bei der Weiterentwicklung der Anwendung um weitere Modelle unterstützen. Selbst programmiere ich nur noch wenig. Meistens leite ich Teams mit bis zu sechs Personen oder arbeite selbst bei der Umsetzung der Modelle mit. Die Dauer und Größe der Projekte ist dabei sehr unterschiedlich. Manchmal dauern sie nur zwei, drei Monate, manchmal aber auch ein Jahr oder länger.

Übernehmen Sie auch Projekte im Ausland?

Ja, ich war schon für ein Projekt in den USA und habe dort unseren US-amerikanischen Standort unterstützt. Auch in der Schweiz arbeiten wir oft, weil dort viele Banken ansässig sind. Ich habe auch schon Workshops in Brüssel und in Österreich abgehalten. Für unseren Job braucht man ein wenig Reisebereitschaft, aber wir reisen nicht extrem viel. Manchmal stehen Auslandsprojekte für ein paar Monate an, bei denen wir uns in der Abteilung aber auch abwechseln.

Was macht Ihnen an Ihrer Arbeit besonders Spaß?

Ich finde den engen Kontakt zu den Kunden gut. Wir haben viel mit den Experten aus den jeweiligen Fachbereichen zu tun, die mit uns zusammen das Projekt umsetzen. Von denen können wir jedes Mal etwas lernen. Mir gefällt auch, dass wir gezielt die Fachanwender in die Umsetzung einbeziehen und nicht nur irgendwelche Programme auf Basis von technischen Spezifikationen entwickeln, bei denen wir den fachlichen Hintergrund nicht verstehen. Stattdessen arbeiten wir eng mit den Finance-Experten zusammen, sprechen über die fachlichen Anforderungen und erarbeiten zusammen die Lösung. Meine Arbeit ist abwechslungsreich, weil die Voraussetzungen beim Kunden immer unterschiedlich sind und daher immer spezielle Anpassungen nötig sind. Außerdem gefällt mir meine Abteilung richtig gut: Bei uns im Team gibt es einen starken Zusammenhalt, wir machen auch in unserer Freizeit viel gemeinsam und es herrscht eine freundschaftliche Atmosphäre.

Welche Voraussetzungen sollte man für ein Praktikum oder einen Festeinstieg bei Software Innovations mitbringen?

Man sollte die Motivation mitbringen, sich für Projekte einzusetzen und immer wieder Neues zu lernen. Dann kommt es darauf an, für welchen Weg man sich bei uns entscheidet. Einsteiger haben die Wahl zwischen einer Fachkarriere als Informatiker oder der Karriere als fachlicher Berater. Als Berater sollte man Lust aufs Reisen haben und mit einem technischen Hintergrund fällt die Einarbeitung leichter. Ein Informatik- oder Wirtschaftsinformatik-Studium ist optimal. Als Berater hilft es außerdem, wenn man sich schnell auf den Kunden einstellen und sich in seine Themen eindenken kann. In einer Fachkarriere als Informatiker kann man sich hauptsächlich aufs Entwickeln konzentrieren und muss sich auch nicht so tief in die Finance-Themen einarbeiten. 

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