Partner von:

500 Milliarden Euro verschenktes Potenzial

Deutschland schöpft das Potenzial der Digitalisierung nicht aus [Quelle: Pixabay.com, Autor: geralt]

Quelle: Pixabay.com, geralt

Laut einer Studie des McKinsey Global Institutes nutzt die deutsche Wirtschaft gerade mal zehn Prozent ihres digitalen Potenzials – und liegt damit weit hinter Vorreitern wie Großbritannien oder den USA. Dabei ließe sich mit einer besseren Ausschöpfung der Möglichkeiten ein großes Plus für das Bruttoinlandsprodukt erwirtschaften.

Deutschland hat den wirtschaftlichen Nutzen der Digitalisierung offensichtlich noch nicht erkannt: Momentan werden nur zehn Prozent des Potenzials durch die Digitalisierung genutzt. Weit abgeschlagen hinter Länder wie Großbritannien (17 Prozent), den Niederlanden und Schweden (je 15 Prozent) oder den weltweit führenden USA (18 Prozent), liegt die Bundesrepublik damit sogar unter dem EU-Durchschnitt von 12 Prozent. Bei optimaler Nutzung dieses Potenzials könnte das Bruttoinlandsprodukt bis 2025 jedes Jahr um einen Prozentpunkt wachsen – das entspricht circa 500 Milliarden Euro. Entsprechend größer fällt der Wert für ganz Europa aus: Hier handelt es sich um 2,5 Billionen Euro.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des McKinsey Global Institute (MGI), die Ende Juni in Paris vorgestellt wurde. Der Think Tank der Unternehmensberatung hat dafür erstmals einen "Industry Digitisation Index" gebildet, der unter Berücksichtigung aller relevanten Branchen den Digitalisierungsgrad für jedes Land berechnet. Demnach macht die Digitalwirtschaft derzeit 5,4 Prozent der Gesamtwirtschaft Deutschlands aus. Hier, wie auch bei der Zahl der Internetnutzer, liegt Deutschland über dem europäischen Durchschnitt. Während in den anderen EU-Staaten 75 Prozent der 16- bis 74-jährigen regelmäßig im Internet surfen, sind es in Deutschland 85 Prozent. Offenbar lassen sich die Internetnutzer nicht an der schlechteren Netzanbindung stören: Nur 92 Prozent der Haushalte sind in Deutschland mit schnellen mobilen Datenverbindungen (3G) ausgestattet, der EU-Durchschnitt liegt dagegen bei 98 Prozent.

Konsumieren statt produzieren

In allen EU-Ländern sind die Informations- und Telekommunikationsbranche sowie Medien und Finanzdienstleistungen weit mehr digitalisiert als kapitalintensive Branchen wie Fertigungsindustrie, Gesundheitswesen oder Bauwirtschaft. Deutschland schneidet vor allem im Dienstleistungs-, Transport- und Logistikbereich schlechter ab als der Durchschnitt. "Der Digitalisierungsgrad der deutschen Industrie ist aktuell sehr viel geringer, als man es erwarten würde", sagt McKinsey-Seniorpartner Karel Dörner. Das liege mitunter daran, dass die meisten Investitionen in die Industrie 4.0 erst in den letzten drei Jahren erfolgt sind.

In Summe ist Europa der Studie zufolge mehr Konsument als Produzent von digitalen Dienstleistungen wie Software oder Onlineplattformen: Das Handelsbilanzdefizit gegenüber den USA liegt bei 5,6 Prozent des gesamten Dienstleistungsverkehrs. Besonderen Nachholbedarf für Europa gibt es in der Gründerszene. Zwar kommen auch einige erfolgreiche Start-ups aus Berlin, London, Paris und Stockholm, von den amerikanischen Pendants San Francisco oder New York sind die europäischen Standorte aber noch weit entfernt. "Wir sehen allerdings, dass Europa bei den Zukunftsthemen 'Internet der Dinge' und 'Big Data' aufholt. Diese Technologien werden für unsere industriebasierte Volkswirtschaft entscheidend sein", resümiert Dörner.

Lässt sich die Digitalisierung beschleunigen?

Für einen schnellen Fortschritt der Digitalisierung sieht die Studie sowohl Unternehmen als auch Behörden und Bürger in der Verantwortung: Während Unternehmen alle für ihr Geschäftsmodell vorhandenen Digitalisierungsmöglichkeiten nutzen sollten, sei es die Aufgabe der Regierung, den entsprechenden regulatorischen Rahmen und Bildungsinitiativen für digitale Kompetenzen zu schaffen. Gleichzeitig müssten sich die Bürger auf eine technologiebasierte Arbeitswelt einstellen, sich entsprechend qualifizieren und die Vorteile des Internets noch gezielter nutzen.

nach oben
Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

Das könnte dich auch interessieren