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Zahlenkünstler in der Beratung

Mathematiker bei McKinsey (Autor: Gina Sanders, Quelle: Fotolia.com)

© Gina Sanders - Fotolia.com

Was machen Mathematiker eigentlich nach ihrem Studium? Die meisten bleiben der Wissenschaft treu und arbeiten an Hochschulen. Angebote von Banken locken einen weiteren Teil in den Arbeitsmarkt. Daneben gibt es heute einen zunehmenden Bedarf an Mathematikern bei Versicherungen und Unternehmensberatungen. Auch McKinsey sucht Mathematiker, die ihre analytischen Fähigkeiten in der Beratung umsetzen möchten. Wir sprachen mit Dr. Peter Breuer, der Professor werden wollte und heute Partner im Kölner Büro der Management-Beratung ist.

Herr Dr. Breuer, Ihr Karriereweg wirkt sehr zielstrebig. Hatten Sie schon vor oder während Ihres Mathematikstudiums den Plan, Partner bei McKinsey zu werden?

Nein, überhaupt nicht. Für den typischen Mathematiker, so wie ich es damals war, spielt ja das Thema Karriereplanung kaum eine Rolle. Mein Antrieb waren dagegen der Spaß am logischen Denken und die Freude an der Wissenschaft an sich. Wie ich damit einmal Geld verdienen könnte, beschäftigte mich damals noch nicht sehr.

Welches Berufsziel hatten Sie denn angestrebt?

Während des Studiums hatte ich kein festes Berufsziel, zumal ich zunächst promovieren wollte. Im Anschluss sah ich mich vor die beiden klassischen Jobs für Mathematiker gestellt: entweder eine akademische Laufbahn oder ein Job als Versicherungsmathematiker. Damals wollte ich am liebsten bei der reinen Mathematik bleiben und Professor werden.

Wie kam die Wende von der Wissenschaft zur Beratung?

Zwei Dinge waren ausschlaggebend: Zum einen habe ich die Wissenschaft als recht einsamen Job erlebt, bei dem ich nur wenig im direkten Austausch mit anderen gearbeitet habe. Teamarbeit war eine Seltenheit. Zum anderen spielten private Entwicklungen eine Rolle. Durch das Ende einer langjährigen Beziehung musste ich lernen, dass das Leben schlecht planbar ist. Mein Fazit: Wenn das so ist, dann möchte ich zumindest beruflich etwas machen, das mich weiterbringt. Ein guter Freund von mir war damals schon Berater bei McKinsey und wies mich auf diese Option hin. Er schätzte mich so ein, dass ich die richtige Mischung aus analytischer und sozialer Kompetenz einbringen könnte. Ich war neugierig, schickte meine Bewerbung los und erhielt kurz darauf eine Einladung zum Gespräch.

Haben Sie sich Ihre Entscheidung lange überlegt?

Nein, ich fühlte mich wohl, habe zugesagt und bin heute immer noch davon überzeugt, dass das die richtige Entscheidung war. Die Mischung und die Unternehmenskultur machen es aus. Ich schätze die vielseitigen und interessanten Kollegen – ein Umfeld, das ich vorher so nicht kannte. Darüber hinaus konnte ich mich von Beginn an für die Aufgaben und auch für die Vorgehensweise begeistern. In der Beratung gehört ständiges Lernen dazu. Und das Lösen kniffliger Fragen machte mir schon immer Spaß. Ich hoffe, das klingt nicht komisch, aber ich kann wirklich sagen: Ich liebe diesen Beruf.

Bei McKinsey einzusteigen ist das eine, Partner zu werden etwas anderes. War dieser Teil der Karriere geplant?

Nicht von Beginn an, das hat sich Schritt für Schritt entwickelt. Als ehemaliger Leistungsschwimmer waren mir kompetitive Elemente beim Zusammenwirken von Menschen nicht fremd. Bei McKinsey fand ich eine sehr transparente und faire Art der Leistungsbewertung, die mich motiviert hat. Recht schnell, nach rund zweieinhalb Jahren, bin ich Projektleiter geworden und habe gemerkt, dass mir diese Rolle ganz besonders liegt. Das hat meinen Ehrgeiz geweckt und ich wollte weitermachen. Ganz besonders wichtig war mir dabei immer die Möglichkeit, mir die Kollegen selbst aussuchen zu können, mit denen ich arbeiten möchte. Meine Projekte habe ich nie nach bestimmten Unternehmen oder Branchen ausgewählt. Vielmehr ließ ich mich von der Frage leiten: Mit welchen Kollegen kann ich gut zusammenarbeiten und mit welchen möchte ich danach auch noch ein Bier trinken gehen?

Woran arbeiten Sie jetzt als Partner?

Zurzeit habe ich zwei große Klienten, eine weltweite Handelskette und ein großes deutsches Automobilunternehmen. Daneben spielt der Aufbau von Wissen und funktionaler Expertise eine wichtige Rolle. Konkret bedeutet das Forschungsgruppen zusammenzustellen, die bestimmte Themen wie den Einkauf im Einzelhandel untersuchen. Das ist momentan ein spannendes Feld, insbesondere seit es neue Handelsschranken für China gibt, die den Einkauf von Textilien verändern.

Ihr Tipp für die Mathematiker unter den e-fellows?

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass Praxiserfahrung, nach Möglichkeit schon während des Studiums, das beste Mittel zur Vorbereitung aufs Berufsleben ist. Ein dreimonatiges Praktikum bei McKinsey ist zum Beispiel eine sehr gute Möglichkeit, die Unternehmenswelt kennen zu lernen. Nutzen Sie Chancen wie diese.

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