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"Die Verschwendung vor Augen"

Lernfabrik McKinsey (Autor: WavebreakMediaMicro, Quelle: Fotolia.com)

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Um zu sparen, müssen Unternehmen nicht unbedingt Personalkosten reduzieren. Enormes Potenzial gibt es auch bei der Energie - vor allem für die deutsche Industrie. Bis zu 30 Prozent sind möglich, sagt Dr. Detlef Kayser, Senior Partner bei McKinsey. Ein industrieübergreifendes McKinsey-Team führte eine Studie durch, in deren Folge die Unternehmensberatung zusammen mit der TU München eine 'Lernfabrik für Energieproduktivität' einrichtete.

Die Lernfabrik ist rund 200 Quadratmeter groß und produziert Komponenten für ein medizinisches Gerät. So erleben die Studierenden der TUM Energieproduktivität in einem realen Umfeld. In der Lernfabrik prüfen sie die Wirksamkeit ihrer Energiespar-Ideen. Ist das Ergebnis positiv, wird die Idee weiterentwickelt. Für Ingenieure und Manager gibt es zusätzlich ein spezielles Trainingsprogramm rund um das Thema Energieproduktivität.

Was hat Sie als Ingenieur in die Beratung verschlagen?

Als ich Mitte der 90er-Jahre promovierte, gab es die vielen Informationen über Unternehmen oder Bewerbungsprozesse noch gar nicht, wie sie heute das Internet bietet. Ich kannte mich also insgesamt nicht sehr gut aus. Mein Institut an der TU Braunschweig war allerdings sehr groß. Wir hatten ungefähr 50 wissenschaftliche Mitarbeiter und sogar zwei Forschungsflugzeuge. Um unsere Arbeit zu finanzieren, brauchten wir also einiges an Drittmitteln. Diese erhielten wir von der Industrie. Als Leiter des Teilbereichs für Navigationssysteme hatte ich viel mit Industriepartnern zu tun und nahm an Workshops und Seminaren teil. Bei diesen Seminaren waren oft Unternehmensberater dabei - so habe ich Kontakte zur Branche geknüpft.

Und dann haben Sie direkt nach der Promotion bei McKinsey unterschrieben?

Nein, ganz so schnell ging es nicht. Der Beruf des Unternehmensberaters stand erst einmal gar nicht in meinem Fokus. Die Berater haben mich aber gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, bei McKinsey einzusteigen. Also begann ich, mich mit dem Gedanken zu beschäftigen und habe dann auf einer Karriere-Messe an der Uni ein Bewerbungsgespräch geführt, das sehr positiv verlief. Den Ausschlag zur Entscheidung, die Forschung hinter mir zu lassen, gab vor allem, dass ich nach meiner intensiven Forschung einer von rund 30 Experten weltweit war, die mein Thema wirklich durchdrungen hatten, und dass die Vorlaufzeiten zur Realisierung in meinem Fachgebiet sehr lang waren. Ich wollte schneller Ergebnisse meiner Arbeit erfahren und entschied mich, bei der Unternehmensberatung einzusteigen. Bei McKinsey habe ich mir dann in den ersten Jahren bewusst auch andere Industrien angeschaut und bin erst danach wieder zur Luftfahrtbranche zurückgekehrt.

Sie haben im letzten Jahr eine Studie zur Energieeffizienz durchgeführt. Was sind die zentralen Ergebnisse?

Bei dieser Studie haben wir vor allem die Prozessindustrie (wie Chemie- oder Lebensmittelherstellung) und die diskrete Industrie (zum Beispiel die Automobilherstellung) untersucht. Noch vor wenigen Jahren war das Thema Energieeffizienz vielen Unternehmen nicht wichtig, es gab keine Anreize, an dieser Stelle zu sparen. Das hat sich inzwischen geändert, Energieeffizienz ist in den Fokus gerückt. Unsere Berechnungen haben ergeben, dass die Fertigungsindustrie in Deutschland enorm an Energiekosten einsparen könnte: Im Ergebnis ließen sich Steigerungen der Rentabilität um bis zu drei Prozentpunkte erreichen. Bei den Volumina der Branche sind das mehrere Milliarden Euro.

Wie hängen die Lernfabrik und die Studie zusammen?

Wir haben 2007 unsere Lernfabrik an der TU Darmstadt eröffnet, die vor allem die Prinzipien des Lean Management vermittelt. Diese Fabrik ist sehr erfolgreich, das Konzept hat sich bewährt. Zudem hatten wir in den letzten Jahren mehrere Studien, zum Potenzial der Branchen in Deutschland sowie gemeinsam mit dem BDI zu Energieeffizienz. Dieses Know-how und Branchenwissen wollten wir kombinieren. Dahinter stand die Frage: "Wie wird die industrielle Produktion grüner?" Um unsere Studienerkenntnisse den Entscheidern besser vermitteln zu können, haben wir uns entschieden, erneut eine Lernfabrik ins Leben zu rufen.

Hätte eine Präsentation der Studie nicht gereicht?

Im Zuge der Studie haben wir festgestellt, dass das Thema Energiesparen in vielen Firmen präsent ist. Allerdings fällt es vielen Managern und Mitarbeitern schwer, das eigentlich vorhandene Wissen auch praktisch umzusetzen. Wenige Firmen haben das Thema in ihre Firmenkultur integriert. In der Lernfabrik ist es nun möglich, den Firmen zu zeigen, wie sie das Thema besser umsetzen können. Die Mitarbeiter machen haptische Erfahrungen, können also die Maschinen anfassen, die Vorgänge beobachten und experimentieren. Diese Erfahrungen bleiben dann viel besser im Gedächtnis, als wenn wir nur einen Vortrag zum Thema halten würden.

Wie werden die Ausbildung der Studenten und das Training der Ingenieure und Manager aussehen?

Die Studenten der TU bedienen und warten die Maschinen und kümmern sich um die Produktion. Daneben lernen sie in Vorlesungen am Institut für Werkzeugsmaschinen und Betriebswissenschaften (IWB) die Theorie und setzen ihre Erkenntnisse dann in der Fabrik in die Praxis um. Die Art, wie Manager und Mitarbeiter in der Fabrik lernen, ist etwas anders. Wir bieten Seminare über einen oder mehrere Tage an, in denen wir den Teilnehmern vermitteln, worauf man achten sollte – also "learn to see". Dabei geht es vor allem darum, ihnen die Verschwendung plastisch vor Augen zu führen.

Werden auch "Externe" an den Seminaren in der Lernfabrik teilnehmen können?

Die Lernfabrik wird im Herbst 2009 eröffnet. In der ersten Zeit richtet sie sich vor allem an die Studenten der TU München und an Mitarbeiter und Manager unserer Partner. Ich denke aber, dass wir das Konzept bald auch ausweiten für andere Studenten und dass auch "Externe" dann Seminare buchen können.

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