Partner von:

Talent und Teamkultur - Juristen bei McKinsey

Tischkicher [Quelle: freeimages, Autor: meltingdog]

Quelle: freeimages, meltingdog

Die Aufgaben einer internationalen Topmanagement- Beratung erfordern höchste Fachkompetenz – und zwar nicht nur Wirtschafts-Expertise. Deshalb sind auch Juristen als Berater gefragt. Ihr strukturiertes Denken und ihre rechtliches Know-how helfen bei McKinsey, den Klienten kompetente Beratung anzubieten.

Schon der Gründungsvater des Unternehmens, James O. McKinsey selbst, wählte einen Wirtschaftsanwalt als Unterstützung an seiner Seite. Marvin Bower führte die Firma nach McKinseys Tod weiter und legte den Grundstein des heutigen Erfolgs. Auch heute hat lediglich die Hälfte der Berater bei McKinsey einen wirtschaftswissenschaftlichen Studiengang absolviert. Neben Ingenieuren, Natur- und Geisteswissenschaftlern bilden Juristen eine der wichtigsten wirtschaftsfremden Fachgruppen. Die Beratung sucht nämlich nicht nach bestimmten Studienfächern - sondern nach Talent.

Der Generalist unter den Beratungen

Schließlich will McKinsey als Ansprechpartner allen Branchen zur Verfügung zu stehen. Hierfür ist vielseitiges Spezialwissen, nicht nur aus direkt wirtschaftsorientierten Fachgebieten, vonnöten. Vor allem bei Klienten aus der Finanz- und Versicherungsbranche müssen rechtliche Vorgaben präzise analysiert werden und in Planung und Beratung einfließen. Das bedeutet aber nicht, dass Juristen auf bestimmte Klienten- gruppen festgelegt wären. Nur wer sich für seine Aufgabe begeistert, ist voll engagiert - deshalb wählt jeder Berater selbst die Industrie und das Thema, in dem er tätig werden möchte.

Studium: Jura. Berufswunsch: Berater!

Wer nach seinem Jura-Abschluss bei McKinsey durchstarten will, benötigt sehr gute Examensnoten - und den unbedingten Willen, Berater zu werden. Um den zu testen, sollten Studenten eines der jährlich rund 150 Praktika in der Top-Management-Beratung absolvieren. Die ersten Jahre nach dem Berufseinstieg dienen dann der Weiterbildung und Spezialisierung. Die fehlende wirtschaftswissenschaftliche Basis wird in mehreren Trainings - dem so genannten "Mini-MBA" - ausgeglichen. Eine weitere Voraussetzung für eine erfolgreiche Beraterlaufbahn bringen Jura-Absolventen bereits aus ihrem Studium mit: Die Fähigkeit, Probleme methodisch und strukturiert anzugehen.

Die meisten Jura-Studenten wollen einen klassischen Beruf wie Rechtsanwalt oder Richter ergreifen. Was hat Sie an der Unternehmensberatung gereizt?

Ich hatte schon einige Jahre als Rechtsanwalt gearbeitet, bevor ich zu McKinsey kam – bei Hengeler Mueller in Frankfurt und Düsseldorf und ein Jahr in der Rechtsabteilung von Morgan Stanley in London. Zu meinen Spezialgebieten zählten Mergers & Acquisitions und Kapitalmarktrecht – im Grunde sehr spannende Rechtsgebiete. Mir hat die Arbeit auch viel Spaß gemacht. Nur habe ich immer mehr gemerkt, dass mich die wirtschaftlichen Entscheidungen mehr interessierten als die juristische Umsetzung. Für meinen Geschmack saß ich auch einfach zu viel am Schreibtisch. Kurzum: Ich wollte die wirtschaftlichen Entscheidungen mitgestalten - und das kann man nirgends besser als bei McKinsey. Im Sommer 2000 stieg ich dann direkt als Associate Principal in die Bereiche Financial Institutions und Corporate Finance ein.

Was sind Ihre Aufgaben bei McKinsey?

Den größten Teil meiner Zeit verbringe ich zusammen mit meinen Teams bei der Beratung meiner in- und ausländischen Klienten, die überwiegend Börsen, Asset Manager und Banken sind. Daneben leite ich weltweit die Börsen-Praxis von McKinsey, das heißt ich koordiniere die Klientenaktivitäten und die Entwicklung des relevanten Fachwissens in diesem Bereich. Außerdem bin ich für das Recruiting von Juristen in Deutschland zuständig und sitze in verschiedenen Personalkomitees. Die Bandbreite meiner Aufgaben ist wirklich gewaltig – auch räumlich. Meine Projekte haben mich schon fast überall durch Europa und weite Teile Asiens geführt: von Kasachstan über Kuwait bis nach Shanghai.

Hat Ihnen Ihre Berufserfahrung dabei geholfen?

Sogar außerordentlich. Wenn es um die Auswahl von Investmentbanken und Anwaltskanzleien oder die Abwicklung von Unternehmenstransaktionen geht, bin ich für meine Kollegen der erste Ansprechpartner. Zu einer meiner Spezialitäten gehört es, Unternehmen bei der strategischen Umsetzung der Regulierung in ihren Industrien zu beraten.

Und wie "tickt" eine Unternehmensberatung wie McKinsey?

Auf jeden Fall anders, als man denkt. McKinsey ist schon etwas ganz Spezielles. Ich habe anfangs eine Weile gebraucht, um mich an die sehr ausgeprägte Teamkultur hier zu gewöhnen. Rechtsanwälte sind ja in der Regel Einzelkämpfer. Innerhalb kürzester Zeit musste ich mir das McKinsey-Handwerk aneignen, musste im Schnelldurchgang die Arbeitsweise der Teams lernen, begreifen, wie sie denken und handeln. Das ist leichter gesagt als getan.

Was ist das Besondere an dieser Arbeitsweise?

McKinsey-Berater arbeiten immer miteinander – und sie sind Menschen jeder Ausprägung, mit ganz unterschiedlichen Ausbildungen und Backgrounds. Viele Juristen werden sich jetzt denken: Das kann ja nicht gut gehen. Aber das Erstaunliche ist: Je heterogener die Teams zusammengesetzt sind, desto besser wird die Arbeit. Alle sind aufeinander angewiesen, jeder hilft dem anderen – vom Fellow bis zum Partner. Genau das ist McKinseys Erfolgsrezept. Keine andere Beratung lebt diesen Grundsatz so konsequent.

Man hört immer von den berüchtigten 80-Stunden-Wochen. Wie war es denn um Ihre Work-Life-Balance in den letzten Jahren bestellt?

Keine Frage: Unternehmensberater zu sein, erfordert schon einen überdurchschnittlichen Zeiteinsatz. 40-Stunden-Wochen sind definitiv unrealistisch – das sind sie in Großkanzleien und im Investment-Banking aber auch. Verglichen damit gestaltet sich die Work-Life-Balance bei McKinsey sogar besser: Berater sind weniger getrieben durch einzelne Transaktionen und deshalb gelingt es in der Regel, das Wochenende freizuhalten. Dass dafür der Arbeitseinsatz von Montag bis Freitag hoch ist, sollte man jedoch nicht unter den Tisch kehren.

Wie sieht eine typische McKinsey-Woche für Sie aus?

Da ich Partner bin, gestaltet sich meine Arbeitswoche etwas anders als die der jüngeren Berater: Die steigen meistens montags morgens in den Flieger, bleiben bis Donnerstag beim Klienten und haben Freitag ihren "Office Day" im McKinsey-Büro. Bei mir läuft die aktuelle Woche so ab: Gestern, also am Montag, bin ich zu mehreren Klienten- und Team-Meetings nach Frankfurt und abends zurück nach München geflogen. Heute bin ich den ganzen Tag im Büro. Morgen geht's nach Amsterdam und weiter nach Den Haag, wieder zu Klienten. Donnerstag früh fliege ich nach London, wo ich in einem Hotel auf dem Land einen Vortrag vor den weltweiten Banking-Partnern von McKinsey halte. Freitag fahre ich nach Kitzbühel in unsere "Alpine University". Dort veranstalten wir ein Training zu Corporate Governance für junge Nachwuchsführungskräfte großer Unternehmen. Eine ziemlich typische Woche für mich – Langeweile kommt da nicht auf.

Das "verflixte 7. Jahr" bei McKinsey liegt gerade hinter Ihnen. Wie beurteilen Sie Ihren Arbeitgeber heute?

Zunächst: McKinsey ist eine wirklich globale Firma – nicht nur auf dem Papier, sondern auch tatsächlich gelebt. Man trifft hier mit Menschen aus aller Welt zusammen, arbeitet auch selbst auf verschiedenen Kontinenten, wenn man das möchte. Dann lernt man hier wirklich außerordentliche Leute kennen – nicht nur fachlich, sondern auch menschlich. Viele meiner Kollegen sind inzwischen Freunde. Und schließlich: Es gibt kaum eine Organisation, die eine so gute Plattform bildet für eine spätere Karriere in der Wirtschaft. Als ehemaligem McKinsey-Berater stehen einem alle Türen zu Top-Führungspositionen offen.

Ihr Rat an junge Juristen, die bei McKinsey einsteigen wollen?

Sie sollen vor allem keine Scheu vor dem Beraterberuf haben. Juristen sind bei McKinsey sehr gefragt und auch überdurch- schnittlich erfolgreich. So gibt es verhältnismäßig mehr Partner mit Jurastudium, als es ursprünglich Jura-Absolventen unter den Einsteigern gab. Das liegt auch daran, dass Jura-Studenten darauf trainiert werden, sehr strukturiert zu denken. Das kommt ihnen bei der Beratung zu Gute. Und was die BWL-Kenntnisse betrifft: Alle Nichtökonomen – übrigens mehr als die Hälfte aller Bewerber – absolvieren hier einen so genannten Mini-MBA, ein dreiwöchiges Intensivtraining, das ihnen die wesentlichen Grundlagen vermittelt, die sie für die Beraterarbeit brauchen. An einem fehlenden BWL-Studium ist hier noch keiner gescheitert.

nach oben
Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

Das könnte dich auch interessieren